Dienstag, Juli 14, 2026

Mehrwert für Manager

Die APG startet den Umbau der „größten Steckdose“ Wiens. Die Leistung des Umspannwerks Wien Südost wird nun massiv erhöht.

Mann auf Kran vor Strommasten
Fotos: Niklas Stadler, Mario Strausky

Es ist eines der größten Energieinfrastrukturprojekte des Landes: Mit einem symbolischen Spatenstich wurde Ende Juni offiziell die Erweiterung der 380-kV-Schaltanlage im APG-Umspannwerk Wien Südost gestartet. „Die Energiewende wird im Netz entschieden – nur wenn Erzeugung, Transport und Verbrauch ganzheitlich zusammenspielen, kann die Dekarbonisierung gelingen“, fordert APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner den Blick auf das große Ganze. „Hier kommen Leitungen aus allen Teilen des Landes zusammen. Standorte wie Wien Südost sind von zentraler Bedeutung: Als Strom-Knotenpunkte fungieren sie wie gigantische Steckdosen, die erneuerbare Erzeugung, industrielle Transformation und digitale Infrastruktur integrieren.“

Mit der 300 Millionen Euro schweren Modernisierung schafft der Übertragungsnetzbetreiber neue Kapazitäten. Darüber hinaus wird die Anschlussleistung Wiens – sowie der gesamten Ostregion – verdoppelt. Es ist eine Operation am offenen Herzen. In den kommenden zehn Jahren wird die Anlage Schritt für Schritt umgebaut, dabei bleibt sie in voller Funktion. Der Patient ist ein Riese: Allein im Vorjahr wurden rund 22 Terawattstunden Strom über das Umspannwerk transportiert. Das entspricht rund einem Drittel des österreichischen Jahresverbrauchs im öffentlichen Netz.

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Bild: Der Spatenstich mit Gerhard Fida (Wiener Netze), Gerhard Christiner (APG) und Josef Taucher (SPÖ, Unterausschuss Wiener Stadtwerke).

Auch die Wiener Netze investieren in den Standort: Durch die Neuerrichtung einer weiteren 110-kV- und einer 30-kV-Schaltanlage, inklusive Einbindung eines neuen Großtransformators, werden künftige Einspeisungen aus dem unaufhaltsam wachsenden Erzeugerpool der Erneuerbaren unterstützt. „Wir investieren allein hier im Umspannwerk Südost 40 Millionen Euro“, erklärt Gerhard Fida, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wiener Netze. Dabei ist der Standort nur eines von vielen Projekten im Stadtgebiet und Umkreis Wiens. 13 Umspannwerke sind bis 2040 in Planung, pro Jahr werden 490 Millionen Euro investiert. Das politische Ziel der Stadt: Die Erneuerbaren-Leistung mit Wind-, Sonnen- und Wasserkraft soll bis 2030 auf bis zu 1.800 MW mehr als verdoppelt werden.

Industrie als Abnehmer

Während der Energiekonsum im Zentrum der Hauptstadt vornehmlich von Haushalten, Gebäuden und dem öffentlichen Verkehr geprägt ist, wächst neuer Strombedarf vor allem an den Rändern. Zwei Schaltfelder im Umspannwerk Südost sind künftig für die Dekarbonisierung von Prozessen der OMV reserviert, mit Stromleitungen direkt nach Mannswörth.

Und große Energiemengen braucht auch Andreas Graf-Matzner, Country Manager Germany bei CloudHQ, für den Betrieb der Rechenzentren des US-Branchenspezialisten. Er setzt auf eine zuverlässige Stromversorgung und die neuen Übertragungskapazitäten im Süden Wiens, um die „zentralen Bausteine einer modernen Wirtschaft“ zu versorgen. Nach Jahren der Unterbewertung wird Wien wieder als aufstrebender, dynamischer Markt im europäischen Vergleich gesehen – mit einem Potenzial von eins bis 1,5 GW Anschlussleistung für Datacenter insgesamt, das Vier- bis Sechsfache des Lokalmarktes heute. CloudHQ baut wenige Kilometer vom Umspannwerk Wien Südost entfernt ein Datacenter – und hat die künftige Stromversorgung bereits bei der APG abgesichert.

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Bild: Das APG-Umspannwerk Wien Südost mit Stand heute.