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Energie & Industrie
Oberösterreich: Jeder zweite PV-Anlage mit Speicher
Stand Mitte August 2026 sind 44.154 Batteriespeicher im Netzgebiet von Netz Oberösterreich im Einsatz. Die Speicher sind entweder mit einer der 87.207 Photovoltaik-Anlagen gekoppelt oder werden in Einzelfällen eigenständig betrieben. Damit kommt das Energiesystem einem zentralen Ziel wieder ein Stück näher: Möglichst keine Photovoltaik-Anlage ohne Batteriespeicher. Aktuell wurde mit 50,6% die 50-Prozent-Hürde ünersprungen.
Photovoltaik-Anlagen erzeugen Strom dann, wenn die Sonne scheint. Der Strombedarf in den Haushalten fällt jedoch oft zu anderen Zeiten an. Batterieelektrische Speichersysteme (BESS, “Batteriespeicher”) schließen genau diese Lücke. Sie speichern überschüssige Energie und stellen sie dann zur Verfügung, wenn sie benötigt wird. Die mittlerweile 44.154 Batteriespeicher zeigen, dass immer mehr Kundinnen und Kunden auf diese Technologie setzen. Davon profitieren die Haushalte ebenso wie das Stromnetz.
„Jeder zusätzliche Batteriespeicher, der direkt bei der PV-Anlage des Kunden steht, hilft dabei, den selbst erzeugten Sonnenstrom besser zu nutzen. Unser Ziel ist klar: Möglichst jede Photovoltaik-Anlage sollte über einen Speicher verfügen. Mit den jetzt in Betrieb befindlichen Batteriespeichern haben wir rechnerisch die 50%-Schwelle überschritten und sind diesem Idealzustand einen bedeutenden Schritt nähergekommen“, sagt Michael Haselauer, Geschäftsführer der Netz Oberösterreich GmbH.
Kleine Speicher mit großer Wirkung
Besonders wertvoll für das Energiesystem sind Batteriespeicher direkt bei den Erzeugungsanlagen: Sie speichern in der Regel bis zu 100 Kilowattstunden Strom dort, wo er entsteht – direkt bei den Kund:innen. Die BESS stellen den Strom zeitversetzt auch dort wieder zur Verfügung, wo er gebraucht wird. Dadurch kann der Eigenverbrauch optimiert werden.
Werden Batteriespeicher intelligent eingesetzt und gesteuert, kann das auch zu einer spürbaren Entlastung des Stromnetzes durch die Vermeidung von Leistungsspitzen führen. Für Kund:innen bedeutet der Einsatz eines BESS eine bessere Nutzung der eigenen Photovoltaik-Anlage und höhere Unabhängigkeit von Strompreisschwankungen. Intelligente Energiemanagement-Systeme, deren Anschaffung vom Wirtschaftsministerium seit kurzem gefördert werden, können zudem den eigenen Leistungsbedarf und den Energieverbrauch optimieren und so zu zusätzlichen Kosteneinsparungen führen.
Was für den einzelnen Haushalt oft nur ein kleiner Speicher ist, entfaltet in der Summe eine enorme Wirkung. Zehntausende dezentrale Speicher können schon heute gemeinsam einen wichtigen Beitrag für ein stabiles und effizientes Stromsystem leisten. Die summierte Gesamtleistung aller dezentral installierten Speicher bildet mit fast 500 MW mittlerweile das leistungsstärkste, virtuelle Kraftwerk Oberösterreichs.
Große Batteriespeicher brauchen die richtigen Rahmenbedingungen
Neben dem Interesse an kleineren dezentralen Speichern steigt auch der Bedarf an großen Batteriespeicheranlagen. Aktuell liegen der Netz Oberösterreich mehrere hundert Anfragen für solche Projekte vor: Die Gesamtleistung der angefragten Großspeicher liegt bei über 3.000 Megawatt und damit deutlich über dem Tagesspitzenbedarf von rund 1.800 Megawatt.
Große Speicher können einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität leisten. Sie können Stromüberschüsse aufnehmen und das Energiesystem flexibilisieren. Sie können auch dabei helfen, Netzausbauten zu reduzieren – wenn sie richtig in das Stromsystem integriert werden.
Entscheidend ist herfür ihre Betriebsweise: Nur dann, wenn große Speicher netzdienlich eingesetzt werden, entfalten sie ihren Nutzen für das Gesamtsystem. Werden Speicher ausschließlich nach kurzfristigen, wirtschaftlichen Interessen betrieben, können sie im Extremfall sogar gegenteilige Effekte verursachen. Zusätzliche Lastspitzen können entstehen, was wiederum zusätzliche Investitionen in die Netzinfrastruktur erforderlich macht. Die Folge wären höhere Kosten für das gesamte Energiesystem.
Netzbetreiber achtet auf volkswirtschaftlich sinnvolle Lösungen
Die Aufgabe des Netzbetreibers ist es daher, bei neuen Projekten stets das Gesamtsystem im Blick zu behalten. Ziel ist es, jene Lösungen zu ermöglichen, die den größten Nutzen für alle Kundinnen und Kunden bringen und diese vor wirtschaftliche Einzelinteressen zu stellen.
„Unsere Verantwortung endet nicht beim Anschluss neuer Anlagen. Wir müssen auch darauf achten, dass das Stromnetz langfristig effizient und leistbar bleibt. Der Netzbetreiber ist damit auch ein Wächter, dass die Netzkosten für unsere Kund:innen nicht aus dem Ruder laufen. Speicher können dabei eine wichtige Rolle spielen – vorausgesetzt, sie werden so eingesetzt, dass sie dem Gesamtsystem dienen“, sagt Haselauer.
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