Dienstag, September 29, 2026

Mehrwert für Manager

Betriebe mit eigener Tankstelle können ihren Dieselbedarf ab sofort online ausschreiben. Regionale Mineralölhändler geben verdeckte Angebote ab – ohne Auktionsdruck und ohne Kosten für die Einkäufer.

Illustration: Digitale Angebote für Diesel an einer Betriebstankstelle
Illustration: REPORT / OpenClaw

Wer eine eigene Betriebstankstelle betreibt, kennt das Ritual: Händler anrufen, Preise vergleichen, warten, nachverhandeln. Und am Ende bleibt oft die Frage: War das jetzt wirklich der Marktpreis – oder nur der Preis, den man eben bekommen hat?

Die Hoftankbörse will genau an dieser Stelle ansetzen. Seit 27. September ist die Plattform auch in Österreich aktiv. Unter hoftankboerse.at können Unternehmen ihren Dieselbedarf ausschreiben, statt einzelne Händler separat anzufragen. Zielgruppe sind unter anderem Speditionen, Bauunternehmen, Steinbrüche, landwirtschaftliche Betriebe, Lohnunternehmen und öffentliche Fuhrparks mit eigener Tankstelle.

Das Prinzip ist simpel: Der Betrieb stellt seinen Bedarf ein, Mineralölhändler aus dem jeweiligen Liefergebiet geben verdeckt ein Angebot ab. Eine klassische Auktion ist das nicht – kein Anbieter sieht die Preise der anderen. Nach Ablauf der Frist kann der Betrieb unter jenen Angeboten wählen, die innerhalb seiner Preisgrenze liegen. Für die einkaufenden Betriebe ist die Nutzung kostenlos.

„Viele Betriebe kaufen ihren Diesel seit Jahren beim selben Händler und wissen nicht, wo der Markt gerade steht“, sagt Gründer Peter Beckmann. Bei einer Ausschreibung habe die Differenz zwischen bestem und schwächstem Angebot rund fünf Cent pro Liter betragen. Bei 20.000 Litern ist das keine Kleinigkeit mehr, sondern eine vierstellige Summe. Anders gesagt: Transparenz klingt langweilig, bis sie in der Kostenstelle auftaucht.

Für österreichische Händler funktioniert der Einstieg über Liefergebiete nach Postleitzahlen. Wer grenzüberschreitend liefert, kann sowohl deutsche als auch österreichische Regionen hinterlegen. In Deutschland lassen sich über die Plattform neben Diesel auch HVO100, AdBlue, Super Plus und Heizöl ausschreiben. Für Österreich spricht das Unternehmen nach eigenen Angaben derzeit mit Vertriebspartnern vor Ort.

Interessant ist der Ansatz vor allem dort, wo Energie- und Fuhrparkkosten ohnehin unter Druck stehen. Diesel bleibt für viele Branchen ein operativer Kostenblock, der sich nicht einfach wegoptimieren lässt. Wer Bagger, Lkw, Traktoren oder Kommunalfahrzeuge betreibt, kann nicht auf Knopfdruck elektrifizieren. Was bleibt, ist Einkaufskompetenz – und die Frage, ob alte Lieferbeziehungen noch automatisch die besten Konditionen bringen.

Die Hoftankbörse verspricht darauf eine digitale Antwort: mehr Wettbewerb im regionalen Mineralölhandel, ohne dass Händler öffentlich gegeneinander ausgespielt werden. Ob sich das Modell in Österreich durchsetzt, wird davon abhängen, wie schnell genügend Händler und Betriebe auf beiden Seiten der Plattform mitmachen. Denn auch hier gilt: Ein Marktplatz ist nur so stark wie sein Markt.

Infobox: Die Hoftankbörse UG mit Sitz in Bischberg bei Bamberg betreibt Ausschreibungsplattformen für Kraftstoff an Betriebstankstellen. In Deutschland ist die Plattform unter hoftankboerse.de, in Österreich unter hoftankboerse.at erreichbar. Geschäftsführer ist Peter Beckmann.