Sonntag, Oktober 18, 2026

Mehrwert für Manager

Bau | Immobilien

In der Rubrik »Frage an die Politik« haben Vertreter*innen der Bau- und Immobilienwirtschaft die Möglichkeit, konkrete Fragen an Spitzenpolitiker*innen zu richten. In der aktuellen Ausgabe kommt die Frage von Michael Junghans, CEO WIG Wietersdorfer Holding. Gerichtet wurde sie an Andreas Babler, Vizekanzler und Bundesminister für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport.

Frage an die Politik

Thema: Wohnraumschaffung

Michael Junghans, CEO WIG Wietersdorfer Holding

Junghans25.jpg

»Immer wieder wird von der Politik ins Treffen geführt, dass sich immer mehr Menschen die Miete im nicht geregelten Markt nur mehr schwer leisten können. Nun zeigt eine Berechnung der Agenda Austria, dass sich für einen fiktiven Vermieter bzw. Mieter mit 4.000 Euro monatlichem Bruttogehalt für die Miete einer 80-Quadratmeter-Wohnung für einen Bruttomietpreis von 1.000 Euro folgendes Bild ergibt: Der Mieter muss 1.777 Euro brutto erarbeiten, um 1.000 Euro Bruttomiete zahlen zu können, und beim Vermieter kommen 423 Euro netto pro Monat an. Dazwischen liegen Lohnsteuer, Umsatzsteuer, Einkommensteuer, Sozialversicherungsbeiträge, Betriebskosten und weitere Abgaben. Wie kann man zukünftige Wohnraumschaffung unter diesen Rahmenbedingungen Privatinvestoren als gutes Geschäft verkaufen?«

 

Andreas Babler, Vizekanzler und Bundesminister für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport

Babler25.jpg

»Fiktive Beispiele wie das der Agenda Austria helfen bei solchen Diskussionen nicht weiter. Die Realität am Wohnungsmarkt zeigt, dass Preise wie im angeführten Rechenbeispiel leider aktuell nicht realistisch sind. Auch gibt es für Vermieter in Österreich im internationalen Vergleich keine besonders hohe Abgabenquote. Es hat sich an der Abgabenquote für Vermieter in den letzten Jahren auch nichts Grundsätzliches geändert. Gerade die Mieten wurden in den vergangenen Jahren allerdings wesentlich stärker erhöht als die Löhne. Auch davor hat sich die Schaffung von Wohnraum als Geschäft aber bezahlt gemacht. Zudem ist der monatliche »Cashflow« bekanntlich nur ein Teilaspekt. Denn gleichzeitig ist zu beobachten: Der Wohnungsmarkt in Österreich wird zunehmend von großen Konzernen, Fonds und gewerblichen Bauträgern dominiert. Viele investieren nicht in Neubau, sondern in bestehende Gebäude – mit dem Ziel der bloßen Wertsteigerung. Dabei kommt es oft zu Verdrängung durch Indexklauseln, Luxussanierungen oder dem Herausdrängen von Mieter*innen. Das schafft keinen neuen Wohnraum, sondern verschärft die Wohnungsknappheit.
Es zeigt sich: Der Markt garantiert keine Ausgewogenheit. Deshalb braucht es gemeinnütziges und öffentliches Wohnangebot und politische Maßnahmen für leistbaren Wohnraum.

Die Stadt Wien hat mit gemeinwohlorientierter und verantwortungsvoller Wohnpolitik über Jahrzehnte hinweg gute Erfahrungen gemacht und dient international bis heute als Vorzeigemodell. Ohne Frage braucht es deswegen Maßnahmen für leistbaren Wohnraum und Wohnbau vonseiten der Politik. Dazu haben wir im Regierungsprogramm einige Punkte vereinbart. Die Mittel für den geförderten Wohnbau sollen wieder ausschließlich für den Wohnungsbau verwendet werden, um eine effiziente Mittelverwendung sicherzustellen und die Bereitstellung von Wohnraum zu verbessern. Im Zuge der Baulandmobilisierung werden wir Modelle zur Unterstützung von Gemeinden bei der Finanzierung von Grundstücksbevorratungen und Baulandmobilisierung entwickeln. Finanzierungsinstrumente im Stile der Wohnbauinvestitionsbank werden entwickelt, um privaten Wohnbau zu stärken.«

Populär

In New York werden ungenutzte Luftrechte zu handelbarem Baupotenzial. So können neue Baukörper über oder neben bestehenden Gebäuden entstehen. Foto: REPORT/Eva Flatscher

Haus über Haus: Wie New York mit Luftrechten baut

In New York wird nicht nur mit Grundstücken gehandelt, sondern auch mit dem...
Batterieelektrische Scania-Zugmaschine in Dreiviertelansicht.

Langstrecke unter Strom

Scania will batterieelektrische Lkw stärker für längere Strecken einsetzen....
Buchcover: Homo Universus von Matthias Strolz
Cover: Edition Platin

Homo Strolzus

Matthias Strolz widmet sich in „Homo Universus“ den großen Fragen des...
Luftaufnahme des Knauf-Standorts in Ferndorf in Kärnten mit Produktionshallen, Bahntrasse sowie angrenzenden Feldern und Gewässern.

Knauf investiert 30 Millionen Euro in Recyclinganlage

In Ferndorf in Kärnten entsteht eine neue Recyclinganlage für Glas- und...
Gruppenbild Studierende mit Michael Nowak vor der verbotenen Stadt

Studierende tauchten in Chinas Tech-Welt ein

Das Bildungsprogramm „Seeds for the Future“ fand in diesem Jahr zum zwölften...
Sabine Hammer

Infinigate: Sabine Hammer übernimmt Leitung DACH

Als neue RVP DACH wird Sabine Hammer ab dem 1. Oktober das Wachstum des...

ThemaThema

Einladung zur Enquete „Chance Bau 2026“

Die österreichische Bau- und Immobilienwirtschaft steht vor entscheidenden Weichenstellungen: Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft, Sanierung, Künstliche Intelligenz, neue regulatorische Rahmenbedingungen und die Frage, wie rasch der Markt wieder an Dynamik gewinnt. Bei der Enquete „Chance Bau...

Leben & StilView all