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Die illegalen Ablösen sind zurück
Oft kommt es anders als man denkt. Der Mietendeckel oder der Rückzug aus der Objektförderung sollten Entlastungen bringen, aber: Neubauten verzögern sich, Sanierungen kommen ins Stocken. 2024 wurden nur noch rund 14.000 Wohnungen fertiggestellt, neun Prozent weniger als im Jahr davor.
Isabella Stickler, CSE / Bundesobfrau ARGE Eigenheim
Obfrau Isabella Stickler fasste es so zusammen: „Jeder Euro, der den Gemeinnützigen genommen wird, fehlt doppelt – bei neuen Wohnungen und bei Sanierungen für die Klimaziele.“
Ablösen auf dem Vormarsch
Mit dem knapper werdenden Angebot steigt der Druck auf den Markt. Unbefristete Mietverträge im geförderten Bereich werden immer gefragter – und illegale Zahlungen wie das sogenannte „Schlüsselgeld“ häufen sich.
Um Mieter:innen zu schützen, präsentierte die ARGE Eigenheim einen Folder, der über das Verbot solcher Ablösen informiert. Stickler sagte: „Der Mietendeckel macht unbefristete Mietverträge im geförderten Wohnbau zur begehrten Ware und befeuert verbotene Ablösen, die wir eigentlich verhindern wollen.“
Milliardenpaket als Anfang
Die Bundesregierung beschloss ein Wohn- und Baupaket mit einem Volumen von mehr als zwei Milliarden Euro. Steuerliche Zuschüsse, Zinsvergünstigungen und Abgabenerleichterungen sollen den Markt entlasten.
Für die ARGE Eigenheim ist das aber nur ein erster Schritt. „Das Paket muss gezielt und verlässlich verstanden werden – auch für gemeinnützige Akteure. Objektförderung darf nicht zeitlich befristet, sondern muss über mehrere Jahre planbar sein“, forderte Stickler.
Stabile Werte, ungleiche Lasten
Alexis Mundt vom IIBW verwies auf die EU-Erhebung EU-SILC. Auf den ersten Blick wirkt die Lage in Österreich stabil: Im Schnitt fließen 18 Prozent des Einkommens in die Wohnkosten. Doch diese Durchschnittszahl verdeckt deutliche Unterschiede. Mieter:innen müssen rund 24 bis 25 Prozent aufwenden, Eigentümer:innen etwa elf Prozent. Bei armutsgefährdeten Haushalten steigt die Belastung auf 42 Prozent – weit über dem EU-Durchschnitt von 37 Prozent.
Im Vergleich liegt Österreich damit etwas günstiger als die EU insgesamt und deutlich unter Deutschland und der Schweiz, wo Haushalte jeweils rund 25 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen ausgeben. Mit etwa 700.000 gemeinnützigen Mietwohnungen und 300.000 Eigentumswohnungen hat Österreich europaweit einen der höchsten Anteile an leistbaren Wohnungen. Laut Mundt stabilisiert dieses Segment die Gesamtkosten, erreicht aber nicht alle.
Altverträge günstig, neue Verträge teuer
Mundt sprach auch von einer zunehmenden Spaltung: Wer einen günstigen Altvertrag oder einen unbefristeten, regulierten Mietvertrag hat, zahlt deutlich weniger als Haushalte, die auf neue Marktmieten angewiesen sind. Gleichzeitig reicht der Neubau im leistbaren Segment nicht aus, um die Nachfrage zu decken.
Bodenpolitik als Preisdämpfer
Eine WIFO-Studie von 2023 zeigt, dass ein höherer Anteil geförderter Wohnungen unmittelbare Wirkung hätte: Steigt der Anteil um zehn Prozent, sinken unregulierte Mieten um 30 bis 40 Cent pro Quadratmeter.
Stickler forderte daher, öffentliche Flächen prioritär für geförderten Wohnbau bereitzustellen: „Wir brauchen stabile Rahmenbedingungen für leistbares Wohnen. Illegale Ablösen, Verknappung und steigende Kosten dürfen nicht die neue Normalität werden. Gemeinnützige Bauvereinigungen handeln nicht spekulativ – sie brauchen faire Regeln, damit Wohnen auch in Zukunft sicher und leistbar bleibt.“
Die Frage nach verlässlichen Rahmenbedingungen im Wohnbau wird im politischen Herbst eine zentrale Rolle spielen – und darüber entscheiden, ob leistbarer Wohnraum in Österreich gesichert werden kann.
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