Montag, Oktober 19, 2026

Mehrwert für Manager

Mal Hand aufs Herz: Trifft Sie die Teuerung bei uns im Land? Ist es ein Problem für Sie, wenn der Liter Sprit 2,50 Euro kostet, ein Schnitzel im Wirtshaus mit mehr als 30 Euro zu Buche schlägt, und Sie für eine Woche Skifahren in Österreich für Ihre Familie für Unterkunft, Essen, Liftkarten und Ausrüstung locker den Wert eines guten gebrauchten Autos zahlen?

Symbolbild: Teuerung und steigende Lebenshaltungskosten.
Foto: iStock

Glauben Sie, dass diese schwindelerregende Preisentwicklung ein unausweichliches Schicksal ist, dem wir uns alle zu ergeben haben, verursacht von einer fernen Macht, oder haben wir vielleicht selbst einen wesentlichen Teil des Feuers der Inflation mit angefacht?

Solange Ihr Kontostand genauso ansteigt wie die Teuerung, können Sie die Preisentwicklung entspannt beobachten. Und wenn Sie eine Million Euro oder mehr halbwegs wertgesichert besitzen, kann Ihnen die derzeitige Inflation relativ egal sein. Die Frage ist, wie man sich selbst in eine derartige Position bringen kann, finanziell so erfolgreich zu sein. Die Zutaten für ein solches Erfolgsrezept sind herausragendes Wissen, umfangreiche Erfahrung, Fleiß und nicht zuletzt eine gute Portion Glück, zur genau richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Der 3. November 2025 war für fünf Österreicher ein Tag, den sie in ihrem ganzen Leben nicht vergessen werden. An diesem Tag kaufte die Wien Energie, eine hundertprozentige Tochterfirma der Wiener Stadtwerke, die sich im Besitz der mit aktuell etwa 15 Milliarden Euro hochverschuldeten Stadt Wien befindet, den privaten Windkraftbetreiber ImWind inklusive dessen bestehender und geplanter Windkraftanlagen für den unglaublichen Kaufpreis von insgesamt 1,5 Milliarden Euro, deren Inhaber die genannten fünf Österreicher bis zu diesem Tag waren. Dass die Wien Energie für allen nur denkbaren Energiewendeunsinn stets bereit ist, Apothekerpreise zu bezahlen, wussten schon vor dem Kauf alle Akteure in der Energiebranche.

Was viele nicht wissen: Hintergrund des Kaufs war der an einen Schildbürgerstreich erinnernde Plan der Umweltaktivistin und für die Wiener Stadtwerke verantwortlichen Stadträtin Ulrike Sima (SPÖ), im Rahmen der Kampagne »Raus aus Gas« den hocheffizienten und preiswerten Energieträger Erdgas wegen des angeblich unmittelbar bevorstehenden Weltuntergangs durch die um ein Vielfaches teurere Heizenergie Fernwärme zu ersetzen, die in Zukunft nicht mehr mit Erdgas, sondern mit dem Zufallsstrom von Windkraft betriebenen Hochtemperaturwärmepumpen erfolgen soll. Dass die ohnehin schon sehr teure Fernwärme durch die gewollte Umstellung auf die nachweisliche Ineffizienz und den hohen Kaufpreis der ImWind noch sehr viel teurer werden wird, sollte jedem Volksschulkind klar sein, das auch nur halbwegs in der Lage ist, die mathematischen Grundfunktionen Addition und Multiplikation zu beherrschen.

Der aktuelle Fernwärmepreis von derzeit durchschnittlichen 15 Cent/kWh wird den bestehenden und künftigen Kunden der Fernwärme Wien – bald allen Einwohnern der Stadt – in Zukunft wie ein Schnäppchen vorkommen. Denn eine freie Entscheidung für das trotz politisch gewollter Verteuerung immer noch deutlich preiswertere Heizmedium Erdgas soll nicht nur den Wienern, sondern den Menschen in ganz Österreich in absehbarer Zeit genommen werden. Denn nichts Geringeres als die Zerstörung einer wichtigen Grundlage unseres Wohlstands, eines erheblichen Teils unserer Infrastruktur, die Stilllegung und Demontage großer Teile unseres Erdgasversorgungsnetzes zur angeblichen Rettung der ganzen Welt ist fix geplant und wird – so unglaublich es klingen mag – selbst vom Energieregulator und von Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) von den Gasnetzbetreibern eingefordert, was einem Aufruf zum wirtschaftlichen Selbstmord gleichkommt.

Was die Inflation betrifft, werden wir uns alle noch wundern, wie teuer unser Leben in Zukunft sein wird.

Thomas Eisenhuth (59) betreibt mit Partnern ein eigenes Energiehandelsunternehmen und arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Energiewirtschaft in Deutschland und Österreich.