Sonntag, Oktober 18, 2026

Mehrwert für Manager

Bau | Immobilien

Die österreichische Bundesregierung plant für das Jahr 2026 eine umfassende Novellierung des Bundesvergabegesetzes (BVergG). Das Inkrafttreten der neuen Regelungen ist für März 2026 vorgesehen. Die Kammer der Ziviltechniker:innen für Wien, Niederösterreich und Burgenland begrüßt das Ziel, mit der Novelle ökologische und nachhaltige Kriterien stärker im Vergaberecht zu verankern. Gleichzeitig warnt sie jedoch vor erheblichen Risiken für Transparenz und Wettbewerb.

Bundesvergabegesetz: Ziviltechniker warnen vor Intransparenz
Bild: iStock

Die Kammer begrüßt die geplante stärkere Gewichtung ökologischer Kriterien. Dazu zählen etwa die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme sowie die Berücksichtigung von Lebenszykluskosten. Diese Ansätze stellen wichtige Schritte hin zu einer nachhaltigeren öffentlichen Beschaffung dar.

Eine generelle Anhebung der Schwellenwerte im Vergaberecht wird seit Längerem diskutiert. Mit der vorliegenden Novelle soll diese nun Realität werden – allerdings geht dies zu Lasten einer qualitätvollen Planung: Während die Schwellenwerte für Bauleistungen deutlich erhöht werden sollen, bleiben jene für Dienst- und Lieferleistungen, einschließlich Planungsleistungen, im Wesentlichen unverändert. Der Präsident der Ziviltechniker:innenkammer Wien, Niederösterreich, Burgenland, Bernhard Sommer, gibt zu bedenken, dass diese Ungleichheit bei der Anpassung der nationalen Schwellenwerte zu einer weiteren Ungleichbehandlung von Planungs- und Bauleistungen führt. Es verstärkt die bestehende Situation, dass aufgrund der ungleichen EU-Schwellenwerte mitunter Planungsleistungen bereits bei vergleichsweise kleinen Bauvorhaben ab einem bestimmten Schwellenwert EU-weit ausgeschrieben werden müssen.

Das weitaus kostenintensivere Errichten desselben Gebäudes kann hingegen aufgrund des dafür geltenden, deutlich höheren Schwellenwerts oft rein national ausgeschrieben werden. Er warnt vor den Folgen: „Dieses Ungleichgewicht kann dazu führen, dass Planungsleistungen nicht mehr separat vergeben werden, sondern im Rahmen von Totalunternehmerverfahren mitvergeben werden. Wenn nun auch kleinere Projekte auf diese fragwürdige Weise vergeben werden, gehen sie nicht nur aus weniger Bewerber:innen hervor, sondern werden auch intransparent abgewickelt.“ betont Sommer. Ganz generell sieht die Kammer der Ziviltechniker:innen Totalunternehmermodelle äußerst kritisch, da sie die Trennung von Planen und Bauen aufheben – eine Grundvoraussetzung für Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Qualitätssicherung. Die geplante Novelle könnte den Trend zum Totalunternehmermodell weiter fördern. „Die Erfahrung zeigt, dass solche Modelle immer wieder zu Intransparenz, Qualitätsproblemen und Mehrkosten führen.“

Mit der vorliegenden Neufassung der Vergabeschwellen wird außerdem der Paragraf 44 Abs. 3 irrelevant, der bisher eine Direktvergabe unter gewisse Prämissen stellte. Künftig wird – durch die Erhöhung der Schwellenwerte – vermehrt direkt vergeben werden. Das kann zu einem reinen Preiswettbewerb führen und damit die Qualität geistiger Dienstleistungen gefährden. Gerade bei komplexen Planungs- und Beratungsleistungen müssen qualitative Kriterien im Vordergrund stehen, um die bestmöglichen Lösungen im öffentlichen Interesse sicherzustellen.

Die Kammer der Ziviltechniker:innen für Wien, Niederösterreich und Burgenland appelliert daher, die geplanten Änderungen der Schwellenwerte sorgfältig zu überdenken und von einer Anhebung grundsätzlich abzusehen.

„Wir setzen uns für transparente und wettbewerbsorientierte Vergabeverfahren ein. So kann sichergestellt werden, dass öffentliche Mittel wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden,“ so Sommer weiter. „Wir lehnen jede Form von Klüngelwirtschaft entschieden ab – insbesondere in einer Zeit, in der Österreich ohnehin mit einem Vertrauensproblem im Bereich Korruption und Transparenz konfrontiert ist, wäre eine Aushöhlung des Wettbewerbs ein völlig falsches Signal.“

Die Stellungnahme der Kammer der Ziviltechniker:innen Wien, Niederösterreich und Burgenland ist in ein gemeinsames Dokument mit der Bundeskammer der Ziviltechniker:innen eingeflossen.

Populär

In New York werden ungenutzte Luftrechte zu handelbarem Baupotenzial. So können neue Baukörper über oder neben bestehenden Gebäuden entstehen. Foto: REPORT/Eva Flatscher

Haus über Haus: Wie New York mit Luftrechten baut

In New York wird nicht nur mit Grundstücken gehandelt, sondern auch mit dem...
Batterieelektrische Scania-Zugmaschine in Dreiviertelansicht.

Langstrecke unter Strom

Scania will batterieelektrische Lkw stärker für längere Strecken einsetzen....
Buchcover: Homo Universus von Matthias Strolz
Cover: Edition Platin

Homo Strolzus

Matthias Strolz widmet sich in „Homo Universus“ den großen Fragen des...
Luftaufnahme des Knauf-Standorts in Ferndorf in Kärnten mit Produktionshallen, Bahntrasse sowie angrenzenden Feldern und Gewässern.

Knauf investiert 30 Millionen Euro in Recyclinganlage

In Ferndorf in Kärnten entsteht eine neue Recyclinganlage für Glas- und...
Gruppenbild Studierende mit Michael Nowak vor der verbotenen Stadt

Studierende tauchten in Chinas Tech-Welt ein

Das Bildungsprogramm „Seeds for the Future“ fand in diesem Jahr zum zwölften...
Sabine Hammer

Infinigate: Sabine Hammer übernimmt Leitung DACH

Als neue RVP DACH wird Sabine Hammer ab dem 1. Oktober das Wachstum des...

ThemaThema

Einladung zur Enquete „Chance Bau 2026“

Die österreichische Bau- und Immobilienwirtschaft steht vor entscheidenden Weichenstellungen: Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft, Sanierung, Künstliche Intelligenz, neue regulatorische Rahmenbedingungen und die Frage, wie rasch der Markt wieder an Dynamik gewinnt. Bei der Enquete „Chance Bau...

Leben & StilView all