Freitag, August 28, 2026

Mehrwert für Manager

Bei Energiepolitik geht es nicht nur um Umweltziele, sondern zunehmend auch um die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit. Ein Kommentar von Irina Kurochkina, Portfoliomanagerin bei Aegon Asset Management.

 Irina Kurochkina
Irina Kurochkina ist Portfoliomanagerin bei Aegon Asset Management.

Der Konflikt im Nahen Osten und die daraus resultierenden Bedenken hinsichtlich der Öl- und Gasversorgungsketten haben deutlich gemacht, wie stark viele Volkswirtschaften nach wie vor von fossilen Brennstoffen abhängig sind – mit erheblichen Auswirkungen auf die Energiesicherheit, die Bezahlbarkeit und die globale Wirtschaft insgesamt. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu verringern. Für staatliche Investoren bekräftigen diese Entwicklungen eine wichtige Erkenntnis: Bei der Energiepolitik geht es nicht nur um Umweltziele, sondern zunehmend auch um die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit.

SDG 7 und staatliche Widerstandsfähigkeit

Das Ziel 7 der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung („Bezahlbare und saubere Energie“) zielt darauf ab, den Zugang zu zuverlässiger, nachhaltiger und moderner Energie für alle zu gewährleisten. Obwohl es oft unter klimatischen Gesichtspunkten betrachtet wird, können Fortschritte bei SDG 7 auch die wirtschaftliche Stabilität stärken, indem sie die Anfälligkeit gegenüber volatilen Märkten für fossile Brennstoffe verringern und die langfristige Energieunabhängigkeit verbessern.

Um zu beobachten, wie die Länder bei SDG 7 vorankommen, verwenden wir einen Index, der auf den folgenden Indikatoren basiert:

  • Bevölkerung mit Zugang zu Strom (%)
  • Bevölkerung mit Zugang zu sauberen Brennstoffen und Technologien zum Kochen (%)
  • CO₂-Emissionen aus der Verbrennung von Brennstoffen pro Gesamtstromerzeugung (MtCO₂/TWh)
  • Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Endenergieverbrauch (%)

Betrachtet man die weltweiten Fortschritte bei SDG 7 insgesamt, so ist ein positiver Trend hin zu einem breiteren Zugang zu sauberen Brennstoffen und einem steigenden Anteil erneuerbarer Energien zu erkennen, begleitet von einem allmählichen Rückgang der CO₂-Emissionen aus der Verbrennung von Brennstoffen. Die Fortschritte sind jedoch von Land zu Land nach wie vor uneinheitlich. So liegt beispielsweise in Ländern mit hohem Einkommen der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch im Durchschnitt bei rund 19 %, während er in Ländern mit niedrigem Einkommen unter 12 % bleibt. Zudem gibt es erhebliche regionale Unterschiede: Im Nahen Osten und in Nordafrika liegt der Anteil erneuerbarer Energien im Durchschnitt bei nur 2 %, verglichen mit mehr als 29 % in Westeuropa.

Vor dem Hintergrund geopolitischer Schocks und Schwankungen bei den Preisen für fossile Brennstoffe können Fortschritte bei diesem SDG zu deutlichen Unterschieden in der Leistungsfähigkeit eines Landes führen. Länder, die stark von importierten fossilen Brennstoffen abhängig sind, können bei steigenden Energiepreisen mit höherer Inflation, schwächeren Handelsbilanzen und erhöhtem finanzpolitischem Druck konfrontiert sein. Diese Entwicklungen können sogar soziale Unruhen und institutionelle Instabilität auslösen. Im Gegensatz dazu sind Nationen, die in die heimische Erzeugung erneuerbarer Energien investiert haben, gut aufgestellt, um von einem stabileren Energiesystem und einer größeren Widerstandsfähigkeit gegenüber geopolitischen Schocks zu profitieren.

Für Investoren, die einen nachhaltigen Rahmen für Staatsanleihen anwenden, entsteht dadurch ein bedeutender Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeitsergebnissen und den Fundamentaldaten der Staaten.

Von den Vorreitern lernen

Mehrere Länder zeigen, wie politisches Engagement und strategische Investitionen ein Energiesystem im Laufe der Zeit verändern können. Zu den bekanntesten Beispielen zählen Länder wie Dänemark und Schweden. Dänemark hat sich beim Übergang zu sauberer Energie konsequent eine führende Position erarbeitet. Nach Angaben der IEA machen Windkraft, Bioenergie und Solarenergie mehr als 80 % des dänischen Strommixes aus, während Kohle aus der Fernwärmeversorgung weitgehend verdrängt wurde. Auch Schweden verdeutlicht die Bedeutung einer konsequenten Politik. Starke Mechanismen zur CO₂-Bepreisung, eine kohlenstoffarme Stromerzeugung und kontinuierliche Investitionen in saubere Technologien haben dazu beigetragen, Schweden zu einem der weltweit führenden Länder bei der Dekarbonisierung zu machen.

Es ist wichtig zu betonen, dass jedes Land die Möglichkeiten erneuerbarer Energien ausloten sollte, unabhängig von seiner geografischen Lage oder seinem historischen Wohlstand. Es gibt mehrere Vorreiter in Schwellenländern, die zeigen, wie erneuerbare Energien fest in die staatliche Politik verankert werden können.

Uruguay ist eines der überzeugendsten Beispiele. Das Land profitierte von einer starken heimischen Wasserkraftbasis, die einen wichtigen Ausgangspunkt für den Ausbau der Kapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien und die Verringerung der Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen bildete. Im Jahr 2010 führte das Land einen Rahmen zur Förderung erneuerbarer Energien ein, der die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen deutlich steigerte und die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen verringerte. Daten der IEA zeigen, dass die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen in diesem Zeitraum deutlich zurückgegangen ist.

Auch Chile hat sich zu einer weltweiten Erfolgsgeschichte im Bereich der erneuerbaren Energien entwickelt. Gestützt auf reichlich vorhandene Solar- und Windressourcen hat das Land erhebliche Investitionen angezogen und einen klaren Weg hin zur Netto-Null-Emissionsbilanz eingeschlagen, einschließlich eines ehrgeizigen Programms zum Ausstieg aus der Kohle.

Über die Emissionen hinausblicken

Bei der Abkehr von fossilen Brennstoffen geht es nicht nur um die Reduzierung der Treibhausgasemissionen. Es geht zunehmend darum, die Widerstandsfähigkeit in einer Welt zu stärken, die immer fragmentierter, polarisierter und unvorhersehbarer wird. Die jüngsten Schwankungen auf den Öl- und Gasmärkten zeigen, dass die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen sowohl ein ökologisches als auch ein wirtschaftliches Risiko darstellt. Länder, die den Anteil der heimischen Erzeugung erneuerbarer Energien erhöhen, sind weniger anfällig für externe Schocks und Schwankungen der Energiepreise.

Für staatliche Investoren bietet die Beobachtung der Fortschritte bei Nachhaltigkeitsindikatoren wie SDG 7 daher nicht nur Einblicke in die Umweltbilanz, sondern auch in die Fähigkeit eines Landes, sich in einer sich wandelnden globalen Energielandschaft zurechtzufinden. Auf dem Weg ins Jahr 2030 könnten Staaten, denen es gelingt, Nachhaltigkeitsziele mit größerer Energiesicherheit zu verbinden, am besten positioniert sein, um langfristige wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit zu gewährleisten.