Samstag, Juli 25, 2026

Mehrwert für Manager

Das Wiener Start-up DAC Worx hat in Kooperation mit der TU Wien ein hocheffizientes Verfahren zur Abscheidung des klimaschädlichen Kohlendioxids aus der Luft entwickelt.

Technische Anlage in Containerformat mit Leitungen
Eine Pilotanlage in Schwarzenau demonstriert die innovative Carbon-­Capture-Methode.


Die Idee klingt bestechend: Saugen wir doch CO2 aus der Atmosphäre ab und setzen damit der weiteren Erderwärmung ein Ende. Doch so einfach ist die Sache natürlich nicht. Hinter dieser Idee steckt viel technisches Know-how, Erfindungsgeist und Forscherdrang. Gerhard Schöny, promovierter Verfahrenstechniker der TU Wien, der gemeinsam mit seinem Studienkollegen Johannes Fuchs das DAC Worx gegründet hat, nennt zwei Gründe, warum das Abscheiden des klimaschädlichen Gases aus der Atmosphäre notwendig ist: Erstens müssten historische Emissionen entnommen werden, um den weiterhin hohen CO2-Ausstoß zu kompensieren. Und zweitens könnten die Emissionen grundsätzlich nicht auf null zurückgefahren werden, weil manche Sektoren diese in ihrem Produktionsprozess nicht vermeiden könnten.

Gerhard Schöny hat 2010 im Zuge seiner Diplomarbeit an neuen Technologien für Carbon Capture gearbeitet. Im Rahmen seines Doktorats begann er gemeinsam mit Johannes Fuchs, die Forschungen in die Praxis umzusetzen und mit Unterstützung von Shell 2018 eine erste Testanlage am Kraftwerksstandort Simmering der Wien Energie zu errichten. 1.000 Tonnen CO₂ pro Jahr wurden damit entfernt. Das sei ungefähr so viel CO₂, wie ein Quadratkilometer gut wachsender mitteleuropäischer Wald zu schaffen vermag. Aber neben dem CO2-Absaugen war noch eine Frage zu klären: Wohin mit dem gesammelten CO2? »Da meldeten sich Gewächshäuser im Süden Wiens«, sagt Schöny. Sie können CO2 als Dünger verwenden, die Pflanzen nutzen das Gas in der Photosynthese und wachsen rascher. Die Pilotanlage wurde also in Simmering errichtet. »Das mag für Teile der Bevölkerung erschreckend klingen, aber die Landwirtschaft kauft seit Langem CO2, um effizienter zu wirtschaften. Und Carbon Capture ist eine wirtschaftliche Chance, vor der wir uns nicht fürchten sollten«, betont Schöny.

Die Testanlage, die von Shell gekauft und in den Niederlanden weiterbetrieben wurde, lief also erfolgreich, nun war Größeres geplant. 2020 wurde der US-Investor Peter Relan auf die jungen Techniker aufmerksam. Er finanzierte den Bau der ersten größeren Anlage und beteiligte sich am Start-up. DAC Worx war geboren. (DAC steht für Direct Air Capture). »Die Methode, CO2 direkt aus der Luft abzuscheiden, wird von manchen Experten belächelt, weil die Konzentration des Kohlendioxids in der Luft sehr gering ist«, gibt Schöny zu bedenken. Aber DAC Worx hat ein effizientes Verfahren entwickelt«, so der Techniker. Denn der Wirkungsgrad bei DAC Worx sei enorm hoch, weil das Verfahren bei niedriger Temperatur laufe. »Unser DAC-System wird bei vergleichsweise extrem moderaten Betriebsbedingungen von unter 100 °C und 1 bar Druck betrieben. In Kombination mit einem hohen Standardisierungsgrad lassen sich dadurch sehr kostengünstige Anlagen bauen«, erläutert Schöny. Das sei auch der große Wettbewerbsvorteil des Unternehmens.

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Bild: Gerhard Schöny und Johannes Fuchs bauen an einer Lösung für ein Verfahren, das in Österreich politisch lange abgelehnt wurde.

Technisch funktioniert also alles, nun fehlen noch die politischen Rahmenbedingungen, damit das Business in Österreich und Europa auch wirklich durchstarten kann. »Da tut sich schon etwas«, sagt Schöny. Die Carbon-Management-Strategie in Österreich geht davon aus, dass der Bedarf an CO2-Entnahme im Jahr 2040 zwischen 1,5 und 6 Megatonnen liegen werde. Die EU geht von 160 bis 180 Megatonnen 2050 aus. Man müsse endlich beginnen, kommerzielle Anlagen zu errichten, ist Schöny überzeugt. »Leider kommen alle vielversprechenden Kundenanfragen an DAC Worx aus Nord- und Südamerika, nicht aus Europa«, bedauert Schöny. Ein Auftrag aus Kanada ist bereits sehr konkret. Noch im August soll die Abnahme in Niederösterreich erfolgen, bevor die Anlage zum Projektstandort in Kanada transportiert wird. Aber auch aus dem Mittleren Osten und Japan komme Interesse.

Hoffnung setzt Schöny auch in synthetische Treibstoffe, also Sprit, der aus Wasserstoff plus CO2 erzeugt wird. Das wäre eine besonders spannende Option, meint Schöny. Denn der Wasserstoff wird in der Elektrolyse mittels erneuerbarem Strom erzeugt. Das Verfahren produziere enorm viel Abwärme – Energie, die in der Carbon-Capture-Anlage genutzt werden könne. Zudem hofft Schöny auf neue EU-Vorgaben. Brüssel hat bereits ein Carbon Removal Certification Framework ausgearbeitet. Darin wird festgelegt, wie hochwertige CO2-Entnahme-Zertifikate zustande kommen können und sich daraus ein Markt formiert. Dieses qualitativ Hochwertige sei nur mit technischen Maßnahmen möglich, so wie es DAC Worx mache. »Wir arbeiten an einer Standardanlage, die günstiger als bisher sein wird, weil sie in größeren Stückzahlen produziert werden kann«, erklärt Schöny. Das Start-up könnte dann richtig durchstarten.