Monday, May 11, 2026

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Nachhaltigkeit ist kein Selbstläufer mehr – steigende Renditeanforderungen bremsen die Entwicklung. Warum es dennoch kein Zurück gibt, welche Rolle Kreislaufwirtschaft und neue Projektmodelle spielen und weshalb der Schlüssel in der frühen Projektphase liegt, erklären Wolfgang Kradischnig und Marc Guido Höhne von der Delta-Gruppe.

Foto: Gerhard Popp

Bild: Nachhaltigkeit wird nicht grundsätzlich infrage gestellt, aber sie muss sich stärker rechtfertigen als noch vor einigen Jahren. Es reicht auch nicht, Nachhaltigkeit einfach einzufordern, vielmehr braucht es eine langfristige Strategie, die zum Projekt und zum Unternehmen passt, erklären Wolfgang Kradischnig (r.) und Marc Guido Höhne.


Im Mittelpunkt unseres heutigen Gesprächs steht das Thema Nachhaltigkeit. Herr Kradischnig, ist das Thema angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen etwas in den Hintergrund gerückt?

Wolfgang Kradischnig: Wir spüren definitiv eine Veränderung. Auftraggeber haben längst erkannt, dass Nachhaltigkeit wichtig ist. Gleichzeitig ist der wirtschaftliche Druck gestiegen, insbesondere durch Renditeanforderungen. Das bremst die Entwicklung. Nachhaltigkeit wird nicht grundsätzlich infrage gestellt, aber sie muss sich stärker rechtfertigen als noch vor einigen Jahren.

Herr Höhne, wie lassen sich Nachhaltigkeitsziele und wirtschaftliche Anforderungen sinnvoll verbinden?

Marc Guido Höhne: Entscheidend ist der richtige Zugang. Wir haben gelernt, dass es nicht funktioniert, maximale Nachhaltigkeit einfach einzufordern. Viel wichtiger ist es, Auftraggeber frühzeitig zu begleiten und gemeinsam eine Strategie zu entwickeln, die zum Projekt und zum Unternehmen passt. Das muss nicht immer eine Zertifizierung sein. Es geht darum, individuelle Ziele zu definieren und diese im Hinblick auf Kosten und Nutzen so auszubalancieren, dass sie auch umgesetzt werden. Sonst fallen diese Maßnahmen im Projektverlauf oft wieder weg.

Wie schwierig ist diese Bewusstseinsbildung?

Höhne: Das hängt stark vom Auftraggeber ab. Es gibt jene, die intrinsisch motiviert sind, und andere, die stark auf Rendite fokussiert sind. Unsere Rolle sehen wir deshalb auch als eine Art Coach. Wir zeigen unterschiedliche Perspektiven auf und helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Herr Kradischnig, welche Rolle spielt Innovation – etwa durch neue Technologien oder kooperative Modelle wie Allianzverträge oder IPA?

Kradischnig: Innovation ist in erster Linie eine Frage des Mindsets: Bin ich offen für Veränderung oder halte ich am Bestehenden fest? Neue Formen der Zusammenarbeit sind ein wesentlicher Hebel. In kooperativen Modellen wird die Kompetenz aller Beteiligten genutzt, statt in klassischen hierarchischen Strukturen zu verharren. Wenn dieses Miteinander partnerschaftlich auf Augenhöhe erfolgt, entsteht Raum für echte Innovation. Entscheidend ist aber, dass der Auftraggeber diese Offenheit auch zulässt.

Sie setzen sich seit Jahren für Koopera­tion und neue Projektkulturen ein. Hat sich hier in der Praxis etwas verändert?

Kradischnig: Ja, aber sehr unterschiedlich. Es hat sich eine Community gebildet, die erkannt hat, dass Gegeneinander nicht zielführend ist. Gleichzeitig ist dieses Denken noch nicht flächendeckend angekommen. Ich bin aber überzeugt, dass sich dieser Ansatz durchsetzen wird, weil langfristige Wertbeständigkeit nur durch partnerschaftliche Zusammenarbeit erreicht werden kann.

Herr Höhne, wo liegen die größten Hebel zur Reduktion des CO₂-Fußabdrucks?

Höhne: Im Betrieb wurde bereits viel erreicht, etwa durch den Einsatz nicht fossiler Energiesysteme. Der größere Hebel liegt heute in der Errichtung. Hier spielt die Lebenszyklusbetrachtung eine zentrale Rolle – und vor allem die Kreislaufwirtschaft. In diesem Bereich ist in den vergangenen Jahrzehnten viel zu wenig passiert. Materialien und Bauteile müssen künftig viel stärker im Kreislauf gedacht werden.

Welche Rolle spielt die OIB-Richtlinie 7?

Höhne: Sie wird eine wichtige Rolle spielen. Allerdings zeigt sich auch, wie schwierig die Umsetzung ist. Es braucht offenbar mehrere Anläufe, um tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Herr Kradischnig, was macht ein Gebäude zukunftsfit?

Kradischnig: Es geht um mehrere Faktoren. Kreislauffähige Materialien sind essenziell. Gleichzeitig müssen wir den gesamten Lebenszyklus betrachten. Ein ganz zentraler Punkt ist aber auch der Umgang mit dem Bestand. Sanierung wird künftig eine viel größere Rolle spielen. Das Gebäude der Zukunft steht oft schon – es muss nur richtig weiterentwickelt werden.

Höhne: Ganz wichtig ist die frühe Projektphase. Da werden die Weichen gestellt. Wenn Nachhaltigkeit dort nicht verankert wird, passiert es später meist gar nicht mehr.

Die Delta-Gruppe verfolgt eine eigene Green Mission. Was ist die Idee dahinter?

Kradischnig: Nachhaltigkeit ist seit vielen Jahren Teil unserer DNA. Wir sind dabei sehr intrinsisch motiviert. Wir waren jahrelang nachhaltigkeitsberichtspflichtig. Das sind wir durch die Omnibus-Verordnung nicht mehr. Wir machen es aber trotzdem, weil wir mit gutem Beispiel vorangehen wollen. Wir begleiten unsere Auftraggeber von Beginn an und versuchen, die Vorteile nachhaltiger Lösungen aufzuzeigen. Wichtig ist dabei auch, zu vermitteln, dass sich diese Investitionen langfristig rechnen – auch wenn sie sich kurzfristig nicht immer sofort amortisieren.

Blicken wir in die Zukunft: Erwarten Sie disruptive Veränderungen im Bauwesen?

Kradischnig: Ich glaube eher an eine schrittweise Entwicklung. Digitalisierung, Robotik, Systembau und der digitale Zwilling werden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Auch Künstliche Intelligenz wird Prozesse optimieren. Aber das passiert evolutionär, nicht sprunghaft.

Höhne: Die größte Herausforderung bleibt die Kreislaufwirtschaft. Gleichzeitig müssen wir die Produktivität steigern, um wieder leistbares Bauen zu ermöglichen. Das wird vor allem durch modulare und serielle Bauweisen gelingen.

Kradischnig: Dabei dürfen wir auch den Grundstücksmarkt nicht vergessen. Leistbares Bauen hängt nicht nur von Baukosten ab, sondern auch von Bodenpreisen. Hier braucht es klare politische Rahmenbedingungen.

Erlauben Sie mir zum Schluss ein paar persönliche Fragen: Was treibt Sie aktuell als CEO bzw. Geschäftsführer der Delta aktuell am stärksten an?

Kradischnig: Nachhaltigkeit und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Mir ist wichtig, dass Menschen in unserer Branche gute Rahmenbedingungen vorfinden und einen Beitrag zur gesellschaftlichen Transformation leisten können.

Höhne: Auch bei mir ist es die Nachhaltigkeit, das ist für mich eine Herzensangelegenheit. Mein Ziel ist es, auch unsere Kunden dafür zu begeistern.

Angenommen, Sie wären nicht in der Bauwirtschaft gelandet. Welche andere berufliche Tätigkeit hätte Sie gereizt?

Kradischnig: Dann wäre ich vermutlich in einem Bereich, in dem ich unmittelbar für Menschen etwas bewegen kann – etwa im Gesundheitswesen.

Höhne: Ich wäre wahrscheinlich in der Bildung gelandet. Die Arbeit mit jungen Menschen begeistert mich sehr.

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