By Sindre Wimberger on Freitag, 30. Oktober 2026
Category: Intelligente Netze

Wer nur warnt, lässt die Menschen allein.

Warum das Bild von der Einsamkeitsmaschine ausgerechnet jene trifft, die es schützen will.

Beim Transformation Circle saß ich auf dem Podium, als im Vortrag davor KI zur Einsamkeitsmaschine erklärt wurde. Die Zahlen stimmten, und die Sorgen dahinter teile ich zum Teil. Widersprochen habe ich trotzdem, lauter, als ich es mir vorgenommen hatte.

Dass Menschen in Sprachmodellen ein Gegenüber suchen, ist längst keine Randerscheinung mehr. Marc Zao-Sanders hat 2025 für die Harvard Business Review Tausende Beiträge aus Onlineforen danach ausgewertet, wofür Menschen generative KI tatsächlich einsetzen. Auf Platz eins landeten Therapie und Begleitung, noch vor der Recherche und dem Schreiben von Texten. Man kann das bedauern. Am Bedarf ändert es nichts, und die Schwelle, ein Chatfenster zu öffnen, liegt nun einmal niedriger als die zu jeder Beratungsstelle.

Was mich dabei beschäftigt, ist die Wirkung der Warnung selbst. Wer KI ausschließlich als Gefahr erzählt, hält niemanden von der Nutzung ab. Genutzt wird sie längst, im Büro wie am Küchentisch, von den Jüngeren mit einer Selbstverständlichkeit, die viele Erwachsene noch gar nicht bemerkt haben. Das düstere Bild nimmt diesen Menschen vor allem die Möglichkeit, offen darüber zu reden. Wer sich für ein Werkzeug schämt, fragt auch niemanden, wie man es gut verwendet.

Ich sage das nicht, um Risiken kleinzureden. Seit Jahren beschäftige ich mich damit, wie Menschen in der Verwaltung und in Unternehmen mit KI umgehen. In Workshops sitzen regelmäßig Leute, die Angst haben, etwas falsch zu machen, bevor sie überhaupt angefangen haben. Ich erlebe dort aber auch den Moment, in dem jemand merkt, dass er mit seiner eigenen Sprache ein Konzept entwerfen kann, das er sich vorher nicht zugetraut hätte. Mit Effizienz hat das wenig zu tun. Es ist eher das Gefühl, wieder selbst etwas zu können.

Die öffentliche Debatte kreist um die Frage, ob KI uns einsam macht. Weiter führt eine andere: Wer begleitet die Menschen, die sie ohnehin schon verwenden? Schulen, Arbeitgeber und Verwaltungen hätten hier eine Rolle, die im Moment kaum jemand übernimmt. Solange das so bleibt, lernen die meisten den Umgang mit KI von den Anbietern selbst oder durch Zufall.

Fortschritt macht nicht automatisch glücklich, da hatte der Vortrag recht. Die Angst davor hat allerdings auch noch niemanden glücklicher gemacht, und klüger im Umgang mit KI schon gar nicht.