In Washington klingt Krieg oft wie ein Managementfehler. Erst wird gezündelt, dann werden Milliarden nachgeschoben, dann erklärt ein Thinktank, warum das alles leider alternativlos war. Und wenn der Plan nicht aufgeht? Dann besteigt man das nächste Schiff, hisst die Flagge der Verantwortung – und segelt davon. Afghanistan lässt grüßen. Der Irak auch.
Österreich darf daraus lernen. Neutralität ist keine Feigheit und schon gar keine Folklore aus der Zweiten Republik. Sie ist ein sicherheitspolitisches Instrument: die nüchterne Entscheidung, sich nicht in Konflikte hineinziehen zu lassen, die andere leichtfertig beginnen und aus irrationalen Gründen nicht beenden wollen.
Österreich hat mit seiner Neutralität keinen moralischen Persilschein. Aber es hat einen Kompass. Gerade jetzt, wo aus Wirtschaftspolitik wieder Machtpolitik wird und aus Machtpolitik sehr schnell Kriegspolitik, ist dieser Kompass wichtiger als manche Sonntagsrede über »westliche Geschlossenheit«.
Es geht nicht mehr nur um Gas, Märkte oder Lieferketten. Es geht um Krieg und Frieden. Da sollte klar sein, wo Österreich steht: nicht abseits der Werte, aber abseits fremder Abenteuer.