Freitag, September 24, 2021
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Übersicht im Servicedschungel

Bild: Kurt Wiesauer, Bechtle: »Viele schätzen die persönliche Beziehung zu ihrem Servicepartner und auch die Nähe zu ihren Daten.«

Der Cloud-Spezialist Kurt Wiesauer von Bechtle bietet eine »Engine« für Kostenwahrheit und macht Lust auf die breiten Servicepaletten von Anbietern wie Microsoft.


Kurt Wiesauer ist Business Development Manager des Bechtle IT-Systemhauses in Österreich. Das Thema Cloud hatte er schon 2016 aufgegriffen – damals mit dem Klassiker Office 365. Mittlerweile ist die Bandbreite für Cloud­anwendungen enorm gewachsen, auch wenn Bechtle – als schwäbisch geprägtes Unternehmen – nicht gleich auf jeden Trend aufspringt, wie der Branchenkenner sagt. »Aber wenn wir es tun, dann konsequent und mit dem entsprechenden Nachdruck«, so Wiesauer.

2017 wurde in Deutschland die Bechtle Clouds als herstellerunabhängiger Serviceprovider gegründet, der seine Dienste allen Geschäftseinheiten des Konzerns für die Unternehmenskunden zur Verfügung stellt. »Wir gehen da ähnlich wie ein Versicherungsbroker für seine Kunden vor, indem wir im Gespräch gemeinsam die besten Servicepakete finden«, erklärt der Experte. Stehen dabei die Paletten der Hyperscaler im Fokus oder die eigenen Cloud-Infrastrukturen von Bechtle? Sowohl als auch.

Da sind einmal die »klassischen« Public-Cloud-Angebote von Microsoft, Google, AWS, Cisco, der deutschen Ionos und einigen mehr, die Bechtle weitervermittelt. Der Vorteil für die IT-Abteilungen: Diese müssen sich im Arbeitsalltag nicht mit jedem einzelnen Provider auseinandersetzen, sondern haben einen zentralen Ansprechpartner und – wer möchte – deutschsprachigen Support auch über mehrere Länder hinweg. »Mit dem Microsoft Premium Support beispielsweise, den Bechtle bietet, bekommen die Kunden einen wesentlich besseren und schnelleren Support in kürzerer Zeit. Wir sind hier als persönlicher Ansprechpartner telefonisch und per E-Mail erreichbar.« Der IT-Dienstleister wurde vor zwei Jahren als weltweiter Partner des Jahres für »Microsoft 365 + Surface« ausgezeichnet. Zudem arbeitet Bechtle auch auf globaler Ebene mit dem US-Hersteller zusammen.

Vereinfachung in der Abrechnung
Als großen Vorteil sieht Kurt Wiesauer beim Bechtle-Angebot eine »Engine« für die Kunden, die Abläufe in der Cloud vollständig automatisiert – angefangen beim Angebotsprozess über die Lieferung bis zur Provisionierung und Verrechnung. Die Kunden bekommen auf einem Dashboard zusammengefasst, welchen Kostenstellen die Cloudservices verrechnet werden. »Im Normalfall bekommen Unternehmen vom Cloudprovider eine Gesamtrechnung vorgelegt, die allerdings nicht den verschiedenen Unternehmensbereichen zugeordnet werden kann. Vielleicht hat das Marketing Leistungen bezogen, die Logistik hat schnell etwas gebraucht und in der Cloud umgesetzt – in größeren Unternehmen möchte man das kostenstellenbasiert abrechnen. Und das können wir«, betont er.

Aber wird es nicht teuer, wenn ein Dritter – Bechtle – zwischengeschaltet ist? Wiesauer verneint. »Es kostet mit Sicherheit nicht mehr. Teilweise schaffen wir es sogar günstiger, weil wir eine entsprechende Partner-Marge einkalkulieren können.« Während kleine IT-Dienstleister – der sprichwörtliche Händler ums Eck – oft nicht den direkten Kontakt zu den Hyperscalern haben und die Kommunikation und technische Abklärungen über Distributoren und Zwischenhändler abwickeln müssen, arbeitet die Bechtle-Mannschaft direkt mit den Cloudprovidern.

Es sind Kunden wie Wienerberger oder eurofunk Kappacher, die auf die Cloud-Expertise von Bechtle setzen. »Unsere Zusammenarbeit mit der Wienerberger AG ist eigentlich die Cloud-Story schlechthin«, verrät Wiesauer. Der Anbieter von Baustoff- und Infrastrukturlösungen beschäftigt allein in Österreich rund 1.100 Mitarbeiter*innen. »Durch zunehmende Digitalisierungsmaßnahmen wurden die IT-Ressourcen mit Servern vor Ort langsam knapp, man holte sich Hilfe von Bechtle«, so Wiesauer. Viele Unternehmen würden zudem Dienste von mehreren der großen Cloudanbieter beziehen, unterstreicht Wiesauer. Auch die Cloudnutzung ist meist historisch gewachsen. Für die eine Abteilung im Unternehmen passt vielleicht Google gut, andere setzten bewusst auf einen Dienst von AWS. Darüber steht die Office-Cloud-Infrastruktur von Microsoft mit weiteren Azure-Services.

Global und lokal
Welche Rolle werden generell lokale Rechenzentrumsbetreiber und IT-Partner in Zukunft spielen können? Viele würden weiterhin die persönliche Beziehung zu einem Servicepartner schätzen, ebenso die Nähe zu ihren Daten, meint der Bechtle-Manager. Aus Sicherheitsgründen wird wiederum oft der Gang in die Wolke gewählt. Oder es ist, wie im Falle von Bechtle, eine gesunde Mischung aus beidem. Ein Unternehmenskunde in Österreich kann auf den Bechtle-Rechenzentrumsstandort in Wien bei NTT Global Data Centers zugreifen, ebenso wie auf den Datacenter-Standort Frankfurt. Laufende Dienste bei einem Hyperscaler in der Public Cloud, die Backups beim lokalen IT-Partner – auf dieses Setting stößt man in der Branche häufig. Mit den automatisierten Cloudservices, die Wiesauer und sein Team bieten, bleiben die Daten trotzdem in ein und demselben »Ökosystem«.

Von einer Veredelung von Cloudservices spricht der Experte, wenn die Leistung der Hyperscaler mit den Services aus den lokalen Datencentern kombiniert werden. »Das können ein auf VMware basierender virtueller Desktop sein oder verschiedene Hypervisor-Dienste, die aus unserem Rechenzentrum in Frankfurt kommen«, beschreibt Wiesauer kurz und bündig. Das IT-Systemhaus hat im Juni einen Master-Status für die »VMware Cloud Foundation« erreicht. Bechtle ist damit der am höchsten zertifizierte VMware-Partner in Österreich. Dabei tritt VMware, das mit Virtualisierungstechnologie groß geworden ist, als Generalunternehmen auf und lagert alle Dienstleistungen an das Bechtle-Team aus.

Mix aus besten Welten
Bei Clouddiensten generell ist die Wegrichtung klar eine hybride Welt: IT-Infrastruktur wird auch in Zukunft sowohl »on premises« als auch aus den Cloud-Rechenzentren erbracht werden. »In diesem Geschäft ist Vertrauen am wichtigsten. Ein Partner für Unternehmen sollte das jeweilige Business und die Prozesse kennen, ebenso wie die Services, die dafür benötigt werden«, sagt der Experte. Der Weg blind in die Cloud sei nicht ratsam, warnt er vor einem reinen »Lift and shift«-Ansatz. Denn weiterhin sind manche Dinge besser »on prem« aufgehoben. »Wenn ich 80 VMs aus der eigenen Infrastruktur oder dem Rechenzentrum eines Partners nehme und auf einen Hypervisor lege, kommt das wesentlich teurer. Man muss sich das Service für Service anschauen. Einen Exchange Server in einer Public Cloud als virtuellen Server in Azure laufen zu lassen, ist von den Kosten her kaum sinnvoll. Wenn ich aber nicht die Infrastruktur als Service, sondern Software-as-a-Service mit Exchange Online als Bestandteil von Microsoft 365 konsumiere, schaffe ich eine Kostensituation, die on prem niemals möglich wäre«, erklärt Wiesauer.

Und er warnt vor Sorglosigkeit beim Auslagern von Anwendungen in die Cloud. Auch dort müssen Security-Funktionalitäten berücksichtigt, sprich: bezahlt werden. Anbieter wie Microsoft liefern »Advanced Threat Protection«, »Data Loss Prevention« und eine rollenbasierende Zugriffskontrolle auf Dokumente. Ebenso sind Backup- und Disaster-Recovery-Services Teil jedes Cloudangebots heute. Der Riesenvorteil: Alle diese professionellen Dienste stehen auf Knopfdruck bereit und schlagen meist die Möglichkeiten einer eigenen Infrastruktur um Längen.

Wiesauer erklärt an einem weiteren Beispiel, wie attraktiv die Servicelandschaften geworden sind. Er zückt sein »Lieblingsslide«, eine Präsentationsfolie, auf der verschiedenste Dienste der »Microsoft Cybersecurity Reference Architecture« dicht aneinander gereiht stehen. So wird neben den Office-Applikationen in dem Bereich »Identity and Access Management« auch eine Multifaktor-Authentifizierung als praktischer Service unter vielen geboten. »Wenn man beachtet, dass diese Dienste vom Cloudanbieter gewartet und stets auf dem neuesten Stand gehalten werden, kommen sie sicherlich nicht teurer als beim eigenen Betrieb.« Oder: ein Client-Management-Tool, Information Protection und eine SIEM-Lösung (Anm. »Security Information and Event Management«) mit den entsprechenden Konnektoren zu Cisco-, Trend-, Micro-, Checkpoint- oder Barracuda-Systemen – alles »out of the Box« in der Azure-Cloud, fertig konfiguriert, aus einer Hand. Fazit: Es ist eine Service-, eine Applikations- und Lizenzwelt, die Übersicht benötigt – und die richtige Beratung.

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