Dienstag, September 27, 2022

Nur jedes fünfte Unternehmen inkludiert Nachhaltigkeit in die Produktdesign-Strategie und profitiert damit von langfristigen Vorteilen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, wie eine aktuelle Capgemini-Studie aufzeigt. 

80 Prozent der Umweltauswirkungen von Produkten lassen sich auf Entscheidungen in der Designphase zurückführen. Nachhaltiges Produktdesign ist daher ein zentraler Hebel, der Organisationen helfen kann, das Ziel von Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Dennoch haben erst 22 Prozent der Unternehmen Nachhaltigkeit zu einer Priorität ihrer Produktgestaltung gemacht. Nur etwa ein Viertel der Unternehmen weltweit führt bei der Entwicklung neuer Produkte regulär Bewertungen der Umweltauswirkungen sowie der sozialen Folgen durch. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie des Capgemini Research Institute.

Bereits in der Design-Phase sollte der gesamte Produktlebenszyklus in den Blick genommen werden, meint Vera Matisovits, Sustainability Lead Insights & Data bei Capgemini in Österreich, „von den Frühstadien des Produktdesigns über die Auswahl der Materialien bis hin zum End-of-Life-Management“. 

„Unternehmen können damit rechnen, dass viele Nachhaltigkeitsinitiativen zwar kurzzeitig herausfordernd sein mögen, sich aber schnell auszahlen und eine erfolgreiche Zukunft begründen“, verspricht Vera Matisovits, Capgemini Österreich. (Bild: Capgemini Österreich)

Langfristige Vorteile

Viele Unternehmen scheuen jedoch die Kosten, die mit einer Design-Umstellung verbunden sind. Die Capgemini-Studie widerlegt die Annahme, dass nachhaltiges Produktdesign teurer ist. Über alle Branchen hinweg verzeichneten 23 Prozent der Unternehmen, die mindestens eine Strategie für nachhaltiges Design realisiert haben, einen Kostenrückgang. Bei 37 Prozent der Unternehmen blieben die Kosten gleich. Von jenen Unternehmen, die einen Kostenanstieg zu verzeichnen hatten, gab die Hälfte an, dass dieser bei ihnen durch andere Aspekte aufgewogen wird: 67 Prozent konnten ihre CO2-Emissionen reduzieren, 73 Prozent profitierten von einem stärkeren Umsatzwachstum. Ein Großteil der Unternehmen registrierte darüber hinaus eine gestiegene Zufriedenheit der Kund*innen und ein höheres Engagement der Mitarbeiter*innen.

Die Umstellung auf nachhaltiges Design zwingt zum Umdenken - und offenbart neue Lösungen, die sich auch finanziell auszahlen können. 

Verschärfte Richtlinien

Nachhaltiges Design eröffnet zudem die Chance zu Kostensenkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – etwa durch Material- oder Gewichtsreduzierungen, die darauf abzielen, die Menge der für ein Produkt benötigten Materialien zu verringern. Weitere Strategien bestehen u. a. darin, die Produktionseffizienz zu steigern, z. B. durch Reduktion des Energie- und Wasserverbrauchs und die Verkürzung der Montagezeit, sowie Transportkosten durch ein optimiertes Produkt- und Verpackungsdesign zu senken. Um von den positiven Effekten zu profitieren, müssen Unternehmen Nachhaltigkeit zu einer Priorität ihres Produktdesigns machen und einen systematischen Wandel vollziehen, resümieren die Studienautor*innen.

Der stärkste Impuls für die Einführung nachhaltiger Praktiken geht derzeit von Regulierungsstellen aus. Voraussichtlich werden sich entsprechende Richtlinien in Zukunft verschärfen, u. a. in Bezug auf die Produktlebensdauer und den Einsatz recycelter Materialien in Produkten oder Verpackungen. Unternehmen, die bislang kein nachhaltiges Design einführen, müssen daher ihre Strategie revidieren, um das Risiko mangelnder Compliance abzuwenden.

Methodik der Studie

Das Capgemini Research Institute befragte von April bis Mai 2022 900 Führungskräfte aus Produktdesign und Engineering in großen Unternehmen unterschiedlicher Branchen, darunter Konsumgüter, Automobil, Fertigungsindustrie, Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung, Hightech und medizinische Geräte. Darüber hinaus wurden 15 Manager*innen aus der Industrie sowie Wissenschaftler*innen befragt. Der Fokus lag auf Unternehmen, die in erster Linie physische Produkte herstellen. Da einige dieser Produkte Softwareelemente enthalten, erstreckt sich die Studie auch auf nachhaltige Produktdesignstrategien für digitale Produkte. 

Unter folgendem Link können Sie die Studie selbst einsehen: Capgemini-Research-Institute: „Rethink: Why sustainable product design is the need of the hour”

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