Samstag, Mai 21, 2022
»Jedes Unternehmen heute ist in der Verantwortung, nachhaltig zu wirtschaften«

Über die Umweltverträglichkeit von IT-Lösungen, die zunehmende Komplexität von Technologie und Sicherheitsbedenken der westlichen Welt sprach Radosław Kędzia, Vice President Huawei, mit ­dem Report beim Mobile World Congress im März in Barcelona.


Die Digitalisierung verändert unsere Wirtschaft und Gesellschaft immer schneller und trotzdem – oder gerade deshalb – ist auch den IT-Herstellern bewusst, welche Auswirkungen auf die Umwelt dadurch entstehen. »Es liegt jetzt in unserer Verantwortung, Technologielösungen und Datennetze bestmöglich einzusetzen, um Emissionen zu reduzieren«, betont Radosław Kędzia, Vice President CEE & Nordic Region bei ­Huawei.

Bild oben: Der gebürtige Pole Radosław Kędzia wurde nach Führungspositionen in Uganda und Südafrika CEO von Huawei in der Tschechischen Republik. 2019 wurde er als damals erster Europäer zum Vice President in der Organisation des Technologieherstellers aus China ernannt. (Foto: Szelgrad)

Report: Konferenzsysteme helfen, Wege einzusparen, Cloud-Computing ermöglicht effiziente IT-Infrastrukturen – dennoch bedeutet das Wachstum der IT auch einen weiter steigenden Energiekonsum. Wie gehen Sie mit diesem Thema um?

Kędzia: Energieeffizienz ist einer unserer strategischen Schwerpunkte für die nächsten Jahre – wir arbeiten an der ständigen Verbesserung des Verhältnisses Bits pro Watt. Wir sehen uns als Hersteller in der Verantwortung für eine grüne Zukunft. Unsere breite Forschungstätigkeit und Arbeiten an den Produktdesigns und elektronischen Schaltkreisen ermöglichen einen steigenden Datendurchsatz bei gleichzeitig geringerem Energieverbrauch.

Ein weiterer Hebel für die Reduktion des Energieverbrauchs ist eine kompakte Hardware zum Beispiel bei 5G-Netzen, in der mehrere Frequenzspektren in einer einzigen Antenne bereitgestellt werden können. Die Reduktion auf ein Gerät, das 2G, 3G, 4G und 5G gleichzeitig unterstützt, wirkt sich massiv auf den Energieverbrauch aus – Messungen zufolge um das bis zu 2,7-fache. Künftige Mobilfunktechnik wird eine weitere Steigerung der Bits pro Watt bringen.

Zudem ist Huawei auch in dem Geschäftsbereich »Digital Energy Business« tätig. Wir bieten dort Technologien zur Gewinnung von sauberer Energie, für das Energiemanagement und die Speicherung von Energie, die insbesondere im Zusammenhang mit der volatilen Erzeugung mit Solar- und Windkraft wichtig ist. 

Auch hier geht es um Effizienz und Wirkungsgrade mit möglichst geringen Verlusten bei der Umwandlung von Gleichstrom in der Erzeugung auf Wechselstrom fürs Netz. Mit weltweit umgesetzten Projekten haben wir eigenen Berechnungen zufolge im Jahr 2021 mehr als vier Milliarden Tonnen CO2 einsparen können.

Report: Trotzdem verbrauchen IT-Netzwerke und Mobilfunknetze mehr und mehr Energie.

Kędzia: Die Nachfrage nach Strom wird weiter steigen. Gleichzeitig werden smarte Lösungen in der Kommunikation, Datenanalysen und künstliche Intelligenz dabei unterstützen, den CO2-Fußabruck der Menschheit insgesamt zu verringern. Es gibt bereits einen Wandel bei Maschinen und Motoren von fossiler zu elektrischer Energie – das betrifft den Automobilbereich und viele andere Sektoren. Vorausgesetzt der Strom kommt aus den Erneuerbaren, können Sie mit einem Elektromotor den CO2-Fußabdruck im Verkehr verbessern – das wird mit einem Verbrennungsmotor nicht gelingen. Und wenn wir es schaffen, Rechenzentren mit Strom aus Erneuerbaren zu betreiben, ist auch der Betrieb von IT-Infrastruktur emissionsärmer.

Jedes Unternehmen heute ist in der Verantwortung, nachhaltig zu wirtschaften. Große ebenso wie kleine Firmen müssen sich im Klaren sein, dass der Klimawandel eine große Bedrohung ist und die Dekarbonisierung in allen Sektoren umgesetzt werden muss. Wir sehen Technologie als Hebel für Emissionsreduktionen in den unterschiedlichsten Bereichen.

Report: Stehen mit der zunehmenden Komplexität von IT-Lösungen auch Mobilnetze vor dem Einsatz von künstlicher Intelligenz im Infrastrukturbetrieb?

Kędzia: Aus heutiger Sicht waren die kupferbasierenden Telekommunikationsnetze vor 30 Jahren eine simple Angelegenheit. Trotzdem hatte man damals von den komplexesten Technologien gesprochen. Mit den nun wesentlich größeren Bandbreiten, Hochgeschwindigkeitsübertragungen von Daten und niedrigen Latenzzeiten ist die Komplexität in den Netzen längst zu groß geworden, um nicht auch im Mobilfunk auf Automatisierung und künstliche Intelligenz zu setzen.

Als Lösungsanbieter haben wir zwei Ansätze: Das eine ist die Abkehr des linearen Wachstums von Hardware – diese wurde früher mit jeder neuen Mobilfunkgeneration oft einfach zur bereits installierten Technik dazugestellt. Mit kombinierten Antennen-Lösungen werden weniger Flächen bei Sendemasten benötigt, der Strombedarf und der Bedarf für Kühlung werden verringert. Diese Reduktion der Komplexität der Infrastruktur wirkt sich weiters auf das Ersatzteilmanagement und die Logistik aus – das sind Bereiche, die den Netzbetreibern oft Kopfschmerzen verursachen.

Unser zweiter Ansatz ist die Unterstützung von Datenanalysen durch künstlich Intelligenz. Im Geschäft eines Netzbetreibers geht es in erster Linie um die Servicequalität der unterschiedlichen Dienste für Unternehmenskunden und Konsument*innen. Wir sprechen hier von mehreren hunderttausend Parametern in einem Netz, die maschinell nach bestimmten Mustern oder Abweichungen durchforstet werden müssen. Eine KI-Lösung gibt Empfehlungen für die Service- oder Technikerteams ab, die – wenn sie längere Zeit zu 99,9 Prozent richtig sind und erfolgreich umgesetzt werden – mit der Zeit auch automatisiert zur Anwendung kommen. Nun werden bei dem einen Unternehmen mit künstlicher Intelligenz Mobilfunkdienste energieeffizient bereitgestellt, anderswo sind es vielleicht optimierte Geschäftsprozesse in der Logistik, um Lieferwege einzusparen und so Emissionen zu verringern.
 
Report: Wie sehen Sie die politischen Hindernisse in einigen europäischen Staaten, bei der Errichtung von 5G-Netzen Hersteller aus China auszuschließen? 

Kędzia: In der Regel werden von Behörden Zulassungen und von Unternehmen die Wahl eines Herstellers von Netzwerk-Equipment aufgrund von technischen Benchmarks und der Erfahrung mit Schwachstellen und Cyberattacken getroffen. Ich kann für unsere Hardware und Software sagen: Wir hatten in den vergangenen dreißig Jahren keinen einzigen Sicherheitsvorfall in den Netzen unserer Kunden aufgrund von Produktmängeln. Wir sind ein Technologieunternehmen, haben unseren Fokus auf Technologielösungen und sehen uns in der Verantwortung, unseren Kunden verlässliche und sichere Produkte zu liefern. Wir befolgen alle Vorschriften und Vorgaben für die Daten- und Netzsicherheit – beim Design unserer Produkte angefangen über alle Lieferketten, Logistik und Produktion, über alle Prozesse in unserem Unternehmen hinweg. Alle Mitarbeiter*innen in diesem Bereich sind zu Cybersecurity-Trainings verpflichtet, die auch entsprechend nachgeprüft werden – Cybersicherheit ist tief in unserem Unternehmen verankert. 

Wir haben eines der größten Produktportfolios am Markt und sehen uns als internationales Unternehmen mit Entwicklung auch in Europa als fixer Teil der Wirtschaft. Und wir wollen mit unseren Lösungen dazu beitragen, die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen.

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