Mittwoch, Juli 17, 2024
Österreich und Deutschland: Näher zusammenrücken

Im vergangenen Jahr hat sich der Handel zwischen Deutschland und Österreich von den Auswirkungen der Pandemie erholt. Jetzt allerdings befürchten die Deutsche Handelskammer in Österreich und WIFO Direktor Gabriel Felbermayr Probleme durch den Krieg in der Ukraine. 

„Ging im Jahr 2020 das deutsch-österreichische Handelsvolumen noch um ca. 9 Prozent zurück, konnte im Jahr 2021 wieder an die alte Stärke angeknüpft werden. Das gemeinsame Handelsvolumen stieg um fast 19 Prozent und erzielte ein neues All-Time-High“, sagt Hans Dieter Pötsch, Präsident der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK). Mit einem Gesamthandelsvolumen von 119,4 Mrd. Euro wurde vergangenes Jahr ein Rekordwert erzielt - damit sei Österreich einer der wichtigsten deutschen Außenhandelspartner.

Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine bremsen jedoch die optimistischen Aussichten: „Wir stellen eine starke Verunsicherung bei unseren Unternehmen fest, wie sie mit den gestiegenen Rohstoff- und Energiepreisen umgehen sollen. Die aktuellen Energiepreise gefährden zudem langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Industriestandorte Deutschland und Österreich“, stellt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Handelskammer in Österreich, Thomas Gindele, fest.
 
Als weitere Folge der aktuellen Energiepreise wird den Menschen ihre Kaufkraft entzogen, mit den entsprechenden Folgen für den Konsum. Das lässt den deutschen, aber auch den österreichischen Exportmotor stottern. „Die DHK Österreich unterstützt die Entscheidung der deutschen und österreichischen Bundesregierungen, einem Energieembargo für Gas nicht zuzustimmen. Für die deutsche Wirtschaft wäre es zusätzlich sehr schwierig, wenn auch Österreich Probleme mit der Energieversorgung bekäme“, so Präsident Pötsch. „Deswegen werden wir uns auch weiterhin gezielt für die Interessen der österreichischen Wirtschaft in Deutschland einsetzen.“

Weitere wirtschaftspolitische Maßnahmen nötig

„Die Wertschöpfungsnetzwerke zwischen Deutschland und Österreich sind so verflochten wie jene weniger anderer Wirtschaftsräume. Daher ist es entscheidend, abgestimmte Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit zu finden – auf die sich anbahnende Deglobalisierung und die erforderliche Dekarbonisierung der Energiesysteme", so Felbermayr. Es gelte, die Wertschöpfungsnetzwerke resilienter zu machen. Dazu sei ein Ausbau der bilateralen Infrastrukturen notwendig, ein Abbau von Handelsbarrieren im europäischen Binnenmarkt, und ein gemeinsames Eintreten für Freihandel zwischen verbündeten Staaten. „So lassen sich die wirtschaftlichen Schäden aus dem drohenden Decoupling des Westens mit dem Osten eindämmen”, Felbermayr weiter.

Appell an die Politik

DHK Präsident Hans Dieter Pötsch und WIFO Direktor Felbermayr appellieren an die Politik. Die aktuelle Krise ziehe Konsequenzen und Aufgaben nach sich, die schnell umgesetzt werden müssen. Das gelte für den Auf- und Ausbau einer neuen Energieinfrastruktur, aber auch für die beschleunigte Weiterentwicklung der digitalen Infrastruktur. Dafür braucht man in Deutschland und Österreich einen verlässlichen Planungsrahmen, der sich auch als technologieoffen erweist; vor allem aber schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren.

Auch die internationalen Rahmenbedingungen müssen schneller und entschlossener gesetzt werden. Deutschland, Österreich und Europa müssen sich mehr für freien und fairen Handel einsetzen. Handels- und Investitionsabkommen sind nicht nur ein Beitrag für Wachstum und Wohlstand, sondern unterstützen gemeinsame Bemühungen für Klimaschutz, soziale Standards und Menschenrechte.

Meistgelesene BLOGS

Alfons A. Flatscher
21. März 2024
 Mit KI-Technologien bleibt kein Stein auf dem anderen. Ganze Berufsstände, die sich bisher unangreifbar fühlten, geraten plötzlich in eine Krise. Legionen von Programmierern arbeiten gerade an d...
Firmen | News
25. März 2024
Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel und Künstliche Intelligenz (KI) spielt dabei eine entscheidende Rolle. Unternehmen weltweit erkennen zunehmend die Bedeutung von KI für ihre Produktivität und W...
Andreas Pfeiler
27. März 2024
Die Bundesregierung hat ein lang überfälliges Wohnbauprogramm gestartet. Ausschlaggebend dafür war ein Vorschlag der Sozialpartner, der medial aber zu Unrecht auf einen Punkt reduziert und ebenso inte...
Redaktion
09. April 2024
Die Baubranche befindet sich gerade in einem riesigen Transformationsprozess. Dabei gilt es nicht nur, das Bauen CO2-ärmer und insgesamt nachhaltiger zu gestalten, sondern auch Wege zu finden, wie man...
Firmen | News
27. Mai 2024
Die Zeiten, in denen man eine Bankfiliale besuchen musste, um sich über finanzielle Produkte zu informieren, sind längst vorbei. Heute, in einer Ära, in der praktisch jede Information nur einen Klick ...
Fujitsu
05. April 2024
Die IT-Landschaft hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Früher dominierten zentralisierte Rechenzentren, ein neuer Trend favorisiert nun aber eine verteilte IT-Infrastruktur. Diese erstreckt...
Bernd Affenzeller
02. Juni 2024
Am 9. Juni findet in Österreich die Wahl zum Europäischen Parlament statt. Überschattet wird der Wahlkampf derzeit von Vorwürfen gegen die grüne Kandidatin Lena Schilling. Trotz der heftigen Turbulenz...
Marlene Buchinger
21. April 2024
Derzeit gibt es Unmengen an Schulungsangeboten und ESG-Tools schießen wie Pilze aus dem Boden. Anstelle das Rad neu zu erfinden, lohnt es sich bestehende Strukturen zu neu zu denken. Herzlich Willkomm...

Log in or Sign up