Mittwoch, August 17, 2022



Augmented Reality hat die Prototyp-Phase verlassen, meint Markus Meixner, CEO und Gründer von ViewAR. In der Industrie bringt die Technologie mehr Effizienz und Kostenersparnis. 


(+) plus: In welchen Bereichen werden Augmented und Virtual Reality künftig eine größere Rolle spielen?

Markus Meixner: Wir sehen in den nächsten Jahren in den Bereichen der produzierenden Industrie, der Wartung von Maschinen sowie der Ausbildung und Sicherheit großes Potenzial für AR und VR. Mit AR-Navigation werden Richtungsangaben am Smartphonedisplay oder AR-Brillen im Kamerabild angezeigt und zusätzliche Informationen zur Verfügung gestellt, ohne das tatsächliche Sichtfeld zu beeinträchtigen. Über ein Warnzeichen auf dem Display, Alarmtöne oder Vibrationen, kann auf mögliche Gefahrenzonen im unmittelbaren Arbeitsumfeld aufmerksam gemacht werden. Mit virtuellen Standortbesuchen und Onboarding-Prozessen werden Aus- und Weiterbildung vereinfacht.

(+) plus: Welche Vorteile bringt die Technologie?

Meixner: In großen Produktionsanlagen kann AR-Navigation Zeit sparen und die Effizienz steigern. Mitarbeiter*innen im industriellen Umfeld bleiben durch die Visualisierung von IoT-Daten, die in Echtzeit aktualisiert werden, stets über aktuell notwendige und zukünftige Reparaturen oder Wartungsarbeiten informiert. Damit können Kosten für Reparaturen oder sogar der Stillstand teurer Produktionsanlagen vermieden werden.

Neben notwendigen Wartungsarbeiten können auch komplizierte Arbeitsabläufe interaktiv dargestellt und somit die Fehleranfälligkeit für besonders herausfordernde oder selten auftretende Aufgaben reduziert werden. In simulierten Umgebungen können Mitarbeiter*innen Prozesse erlernen und testen, ohne Gefahr zu laufen, einen Unfall oder Schaden am Gerät zu verursachen.

(+) plus: Wann sind die Anwendungen reif für den Massenmarkt?

Meixner: Mittlerweile ist der AR-Markt endlich wirklich aufgewacht. Die Technologie hat die Prototyp-Phase verlassen und kann jetzt richtig durchstarten. Die hohen Geldsummen, die aktuell investiert werden, sprechen auch für die Nachfrage nach AR-Technologie am österreichischen Markt. Durch Handyspiele und Kamerafilter sind bereits jetzt viele User*innen vertraut mit AR – vermutlich manchmal sogar ohne zu wissen, dass diese Funktionen mit AR-Technologie ermöglicht werden.

Neben der Unterhaltungsindustrie ist AR im Retailbereich auf dem Vormarsch. Coronabedingte Schließungen und Abstandsregeln haben auch den Kultursektor und die Gastronomie gezwungen, nach alternativen Angeboten zu suchen. AR und VR haben hier insbesondere mit virtuellen Rundgängen eine willkommene Lösung geboten. AR-gestützte Navigation in Museen, Shoppingzentren oder auch auf Kreuzfahrtschiffen wird auch nach der Pandemie ein heißes Thema bleiben und die Menschen begeistern. Parallel dazu schreiten auch die Entwicklungen von AR und VR im industriellen Bereich weiter voran.

(+) plus: Ist noch ein technologischer Entwicklungsschub notwendig?

Meixner: Insbesondere im Hardware­bereich konnten auch in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt werden. Die Rechenleistung von mobilen Geräten sowie Sensoren ist stetig angestiegen und wird es auch weiterhin. Es scheint, als wurden die letzten iPhones und Android-Mobiltelefone speziell für AR-Anwendungen entwickelt. Frameworks wie ARKit und ARCore unterstützen hier die Nutzer*innen beim Erstellen von AR-Anwendungen und vereinfachen den Aufwand ungemein. AR-Geräte werden ständig weiterentwickelt und damit auch immer erschwinglicher für Endverbraucher*innen.

Dennoch sehe ich hier den größten Entwicklungsbedarf und eine Hürde für die massentaugliche Anwendung von AR und VR. Sogenannte Head Mounted Displays (HMDs) müssen leichter und benutzerfreundlicher werden, gleichzeitig auch preiswerter, um die anhaltend zunehmende Popularität von AR und VR nicht auszubremsen. Auch für die Anwendung im industriellen Bereich sind geringere Anschaffungskosten sowie eine größere Auswahl an sicheren und effizienten Geräten für den Einsatz in der Arbeitsumgebung notwendig.


Das Unternehmen

ViewAR, 2010 in Wien gegründet, zählt zu den weltweit führenden Spezialisten im Bereich Augmented Reality. 2016 wurde das Unternehmen auf der Fachmesse »Augmented World Expo« im Silicon Valley mit dem »Auggie Award« für die beste AR-App – einem für Bang & Olufsen entwickelten Produkt – ausgezeichnet. Im Vorjahr überzeugten die Wiener in einer Finanzierungsrunde die beiden Anlagegesellschaften Lansdowne Investment Company Cyprus (LICC) und Breeze Investment. Mit dem frischen Kapital soll die internationale Expansion, vor allem in den USA, vorangetrieben und das Team verdoppelt werden. 

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