Daten bei Stromausfall schützen

Daten bei Stromausfall schützen Foto: Veeam

Im August fiel Googles belgisches Rechenzentrum in Folge von Blitzschlägen kurzzeitig aus - die Folge waren Datenverluste und Systemausfälle. Gegen schlechtes Wetter kann man nichts tun, aber mit einer guten Verfügbarkeitsstrategie lässt sich die IT nach so einem Zwischenfall schnellstmöglich wieder zum Laufen bringen um die Downtime so kurz wie möglich zu halten. Gerald Hofmann, Vice President Central EMEA bei Veeam gibt Tipps dazu.

 Wie kürzlich bekannt wurde, kam es am 13. August zu Stromausfällen in einem belgischen Google-Rechenzentrum, ausgelöst durch mehrere Blitzeinschläge. Ein sehr unwahrscheinlicher Vorgang, sind doch Rechenzentren professioneller IT-Anbieter in der Regel äußerst gut gegen Umwelteinflüsse geschützt. Dank umfassender Sicherheitsvorkehrungen hielt sich der Schaden in Grenzen: Einige wenige Kunden des Cloud-Dienstes Google Compute Engine verloren kleine Datenmengen, 99,999999 Prozent der gespeicherten Daten konnten innerhalb weniger Stunden wiederhergestellt werden.

Eine Handvoll Nutzer hatte allerdings mit Systemausfällen zu kämpfen. Das berichtet beispielsweise das französische Start-up Azendoo, das eine Kollaborationssoftware für Teams anbietet. Das Unternehmen benötigte vier Tage, um alle vom Ausfall betroffenen Daten wiederherzustellen. In der IT-Welt eine unvorstellbar lange Zeit. Auch wenn Google die unvorhersehbare Situation gut gemeistert hat, bietet diese Anlass, über Datensicherung und Verfügbarkeit neu nachzudenken.

Die Anforderungen an die Verfügbarkeit von Daten und Services ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Die Digitalisierung aller Unternehmensbereiche bedeutet, dass ein ausgefallener Server gravierende Auswirkungen auf ganze Systeme und alle Nutzer haben kann. Eine intelligente Verfügbarkeitslösung hilft Unternehmen, ungeplante Unterbrechungen zu minimieren. Idealerweise beträgt nach einem Ausfall die Wiederherstellungsdauer und der Zeitabstand für die Datensicherung, auch genannt Recovery Time and Point Objective (RTPO), nicht mehr als 15 Minuten. Denn jeder Datenverlust und jede Sekunde Downtime kostet Geld und Ansehen. Eine Reihe von Faktoren spielt eine Rolle dafür, wie nützlich ein Backup ist. Zum einen kommt es auf die Erreichbarkeit der Sicherungskopie an. Entscheidend ist auch das Sicherungsintervall. Und schließlich muss die Qualität des Backups garantiert sein.

Für die Sicherung geschäftskritischer Daten, die strengen Sicherheitskriterien unterliegen und im Bedarfsfall schnell zur Hand sein müssen, vertrauen die meisten Nutzer zwar nach wie vor auf die Speicherung vor Ort. Das Problem dabei: Tritt ein physischer Schaden auf, wie etwa durch Blitzschlag, nützt das nicht viel. Daher kennen Experten die 3-2-1 Regel. Sie besagt, dass zu einem umfassenden Verfügbarkeitskonzept mindestens drei Datenkopien auf mindestens zwei unterschiedlichen Medien gespeichert werden, von denen eine extern aufbewahrt wird. Dabei spielen Cloud-Services wie die von Google für moderne Verfügbarkeitsstrategien mittlerweile eine zentrale Rolle. Der Vorfall in Belgien taugt nicht als Argument, dass Cloud-Kunden ihre Daten wieder heim ins eigene Rechenzentrum holen sollten. Googles Sicherheitsvorkehrungen waren tadellos, es trat nur eine extrem seltene Verknüpfung von Umständen ein, gegen die sich keiner absichern kann. Im Gegenteil: Hätte der Blitz ein anderes Rechenzentrum getroffen, wäre die Schadensbilanz wohl um einiges verheerender.

Egal wie schnell ein Backup im Notfall zur Verfügung steht, es muss auch aktuell sein. Will man das Risiko von Datenverlust minimieren, müssen Sicherungspunkte nah beieinander liegen oder es wird sogar kontinuierlich gesichert. Dies gilt natürlich auch für externe Kopien. Damit diese stets den neuesten Sicherungsstand widerspiegeln, liegt es nah, die Daten per Internet in ein externes Rechenzentrum oder aber in die Cloud zu verlagern. Welche Lösung ein Nutzer wählt, ist letzten Endes eine Frage von Anforderungen, Kosten und Skalierbarkeit.

Azendoo hatte Glück, dass man Daten zusätzlich in einem anderen Google-Rechenzentrum gespeichert hatte. Dadurch gingen zwar keine Daten verloren. Allerdings dauerte es vier Tage, bis die Services des Unternehmens wieder voll verfügbar waren. Gerald Hofmann, Vice President Central EMEA bei Veeam, einem Anbieter von Verfügbarkeitslösungen für das Rechenzentrum, sagt dazu: „Unternehmen müssen heute ‚always on’ sein, egal ob Großkonzern oder Start-up. Und das betrifft alle Unternehmensdaten. Denn Kunden haben eine niedrige Toleranz in der digitalisierten Welt: Ist ein Webshop oder eine App nicht erreichbar, wandern sie ab. Wer sich nicht für solche Ausfälle rüstet, dem jagt die Konkurrenz Umsätze und Marktanteile ab.“

Schließlich ist ein oft vernachlässigter Faktor bei der Datensicherung die Qualität der Backups. Der Veeam Data Center Availability Report, eine Umfrage unter IT-Entscheidungsträgern auf der ganzen Welt, hat gezeigt: Ein Sechstel aller Backups lässt sich gar nicht wiederherstellen. Eine automatische Prüfung der Wiederherstellbarkeit sollte daher Teil eines Verfügbarkeitskonzepts sein. Dass dies viel zu selten gemacht wird, liegt auch daran, dass ältere Systeme eine solche Prüfung nicht ohne weiteres unterstützen. Mittlerweile sind allerdings Lösungen auf dem Markt, die ohne zusätzlichen Aufwand die Qualität erstellter Backups sicherstellen.

„Google ist ein gutes Beispiel dafür, wie Unternehmen handeln können und sollten“, fügt Gerald Hofmann hinzu. „Aber es besteht nach wie vor Verbesserungspotential.“ Ausfälle durch etwa Blitzeinschläge zeugen vom unbeherrschbaren Restrisiko, mit dem Unternehmen umgehen müssen. Sie lehren aber auch, dass man mit einer durchdachten Verfügbarkeitsstrategie, die alle technischen Möglichkeiten einbezieht, das Risiko schwerwiegender Datenverluste und Systemausfälle samt Folgekosten drastisch senken kann. Schließlich ist es beim Backup ähnlich wie bei einer Versicherung: In 99 Fällen braucht man sie nicht, aber wenn man sie doch mal braucht, ist man froh, vorgesorgt zu haben

Last modified onMittwoch, 09 September 2015 14:06
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