»Würde heute keine Neuinstallation ohne HANA machen«

Wolfgang Honold ist DSAG-Vorstand für Österreich. Wolfgang Honold ist DSAG-Vorstand für Österreich. Foto: Report/Milena Krobath

Wolfgang Honold, DSAG-Vorstand für Österreich, über vielversprechende Big-Data-Lösungen in der IT und die Fähigkeit von SAP, diesen Trend technisch zu unterstützen.

Report: In welchen Bereichen sehen Sie Big-Data-Lösungen als Hebel für neues Geschäft?

Wolfgang Honold:
Bei dem Schlagwort Big Data sehe ich vor allem zwei große Trends: Industrie 4.0 und die generelle Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Durch eine vertiefte Vernetzung von Maschinen entstehen Datenvolumina, die aus heutiger Sicht nicht mehr so einfach beherrschbar sein werden. Dabei werden viele sinnlose Daten gespeichert, es werden aber auch geniale Dinge entstehen, auf die wir eigentlich nicht gekommen wären. Big Data wird viele Innovationen mit unterschiedlichsten Zugängen hervorbringen – sowohl als Antwort auf gezielte Fragen als auch in Form von völlig Neuem, Ungeplantem. Im ersten Fall möchte ein Unternehmen vielleicht gezielt Informationen zu seinem bestimmten Markt herausfiltern. Das könnte ein Getränkehersteller sein, der von seiner IT transparent angezeigt bekommt, an welchen Tagen die Konsumenten bevorzugt ein bestimmtes Produkt kaufen – und ob sich das im Handel vielleicht am Vormittag oder am Nachmittag häuft. Im anderen Fall werden Daten zuerst einmal gespeichert und aufbewahrt. Zusammenhänge werden erst später und eher zufällig erkannt – daraus dann aber möglicherweise völlig neue Produkte entwickelt.

Report: Wie gut ist der Softwarehersteller SAP hier aufgestellt?

Honold: Ich glaube, dass SAP dazu mit der In-Memory-Datenbank-Lösung HANA einen wichtigen Schritt gesetzt hat, auch wenn HANA im Zusammenspiel mit den Produkten anderer Datenbankhersteller noch nicht die volle Leistungsfähigkeit ausspielen kann. Darüber hinaus kann der Umstieg von einer Non-SAP-Datenbank auf HANA technisch als auch finanziell sehr aufwendig sein, speziell aus strategischen Gründen, wenn noch andere Applikationen auf derselben Datenbank laufen. Von den Funktionen und der Leistungsfähigkeit her ist es ein geniales Produkt. SAP hebt damit die Transaktionsgeschwindigkeit in Geschäftsprozessen auf ein völlig neues Niveau. Unternehmen können so auch ihre IT-Strukturen generell vereinfachen. Bei dem Finanzmanagement-Werkzeug SAP Simple Finance wurde diese Datenoptimierung beispielhaft vorgemacht, indem in Lösungen Dutzende von Tabellen auf eine Handvoll reduzierbar sind. Es gibt keine Zwischenspeicher und Zwischentabellen mehr für die Errechnung von Daten. Das, was benötigt wird, wird direkt aus den ursprünglichen Daten generiert.

In anderen Bereichen wie etwa in der Logistik sieht das vielleicht etwas anders aus – da wird die Zahl der Tabellen womöglich nicht ganz so drastisch zu reduzieren sein. Doch wurden früher aufwendige Berechnungen von der IT noch über Nacht gefahren. Mit HANA ist die Datenauswertung nun bis auf Dialogebene möglich. Damit sind völlig neue Entscheidungswege und neue Anwendungen möglich. Das ist auch unabhängig von einer Unternehmensgröße zu sehen. Ich würde heute keine Neuinstallation einer SAP-Umgebung mehr ohne HANA unternehmen.

Report: Auf welche Weise ändert sich das IT-Gefüge in Unternehmen anlässlich des weiteren ausgerufenen Trends zu Cloud Computing?

Honold: In der IT-Welt ist derzeit einiges im Umbruch, wenn auch das Thema Cloud für meinen Geschmack derzeit noch zu hoch gehandelt wird. All die Sonderlösungen, die in den vergangenen 30 Jahren bei den Unternehmen umgesetzt worden sind – das muss erst einmal bewiesen werden, wie dies aus der Cloud serviciert werden kann. Ich kann mir vorstellen, dass dies in der nächsten Generation der Lösungen möglich wird – heute sind wir zumindest bei Bestandskunden im ERP-Bereich dazu meines Erachtens nach noch nicht imstande. Bei Neuinstallationen sehe ich da größere Chancen.


Zur Person
Wolfgang Honold ist Ansprechpartner für SAP-Software in der Getzner Gruppe mit Hauptsitz in Bludenz und Vorstand der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) für Österreich. Mit über 57.000 Mitgliedern aus rund 3.000 Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Verein die derzeit einflussreichste Interessenvertretung für SAP-Anwender.

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