Vorreiterrolle in der Wirtschaft Featured

Bilder: Die Fotografen, Michaela Seidl, Electro Terminal, T-Systems Bilder: Die Fotografen, Michaela Seidl, Electro Terminal, T-Systems

Es war die erste erfolgreiche Migration auf S/4HANA in Österreich eines  Kunden des IT-Dienstleisters T-Systems. Welchen Nutzen Electro Terminal daraus zieht und warum von Experten ein rasches Adaptieren auf SAPs neuer ERP-Generation empfohlen wird.

Business Software als Eckpfeiler für erfolgreiches Wirtschaften – seit Jahrzehnten sorgen die Tools von Allroundern wie SAP und Oracle bis hin zu lokalen Playern und Spezialisten wie etwa BMD oder proALPHA für reibungslose Abläufe in der Produktion, für Liquidität in der Unternehmenskassa und verlässliche Lieferungen an die Kunden.

Auch wenn der Markt für »Enterprise Ressource Planning« mit vielen Softwareanbietern durchaus breit gefächert ist, dominiert seit Jahren der Walldorfer Branchenprimus SAP das Geschehen in Österreich. Mit der jüngsten Produktgeneration S/4 HANA sollen Unternehmen aus den starren Abläufen in ihren Prozessen eine schlanke und flexible Applikations-Palette zimmern können. »Viele sehen S/4HANA als Grundlage für die digitale Transformation«, bestätigt auch der Verein Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe DSAG.

Bei der Vorstellung der neuen SAP-Generation mit der Datenbanktechnologie HANA vor gut fünf Jahren lag die Aufmerksamkeit vornehmlich auf der hohen Verarbeitungsgeschwindigkeit von Daten, die durch HANA möglich wurde. Dass dies nicht das einzige Argument für einen Wechsel auf die S/4 sein muss, erzählt Leo Guggenberger, IT-Koordinator bei Electro Terminal. Der Fokus in der IT-Abteilung des produzierenden Betriebs liegt auf einem Bereich, auf den SAP-Nutzerinnen und -Nutzer lange warten mussten: Nutzerfreundlichkeit und modernes Applikationsdesign.

Das Innsbrucker Unternehmen ist Spezialist für elektromechanische Verbindungselemente und Systemkomponenten. Zu seinen Kunden zählt die Beleuchtungsindustrie, Haushaltsgeräteindustrie und Firmen aus der Installationstechnik. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, begann Electro Terminal bereits 2017 mit der Planung, seine klassischen IT-Systeme auf die neue Produktversion umzustellen. Ein Jahr später erfolgte mit Hilfe von T-Systems Austria und Scheer Austria die Inbetriebnahme des auf S/4HANA konvertierten Produktivsystems.

Warum aber die frühe Umstellung – zu einer Zeit, als es kaum Erfahrungen am Markt gegeben hat? »Wir haben einen Wettbewerbsvorteil gesehen, mit der Migration eine Basis für zukünftige Innovationen und Verbesserungen zu schaffen«, sagt Guggenberger. Die Unternehmensprozesse sollten zunächst aus der alten R/3-Umgegung in der neuen S/4-Welt abgebildet werden. »Das klingt zunächst einfach, war es aber dann doch nicht so ganz«, berichtet er. Aber: »Die Geschäftsführung hat das Projekt klar auch als Teil der Unternehmensstrategie gesehen – in einer Vorreiterrolle frühzeitig an Technologienentwicklungen teilzuhaben.«



Bild: Leo Guggenberger, Electro Terminal: »Was man braucht, sind Partner auf Augenhöhe, mit denen man auch Probleme ausreden kann.«

Die besondere Leistungsfähigkeit, welche SAP mit der In-Memory-Datenbank HANA bietet, war nicht der wichtigste Grund, warum die Tiroler auf die Business Software setzen. »Wir sind nicht das große Unternehmen mit Millionen Belegen monatlich, die verarbeitet werden müssen«, relativiert der IT-Leiter. Es gäbe aber viele, auch kleine Funktionalitäten, die die Geschäftsabläufe des Herstellers unterstützen.

SAP – das stand jahrzehntelang für solide Ingenieurskunst in der Software. Begeis­terungsstürme lösten die trockenen Formularstrukturen der Software bei den Benutzern nicht aus. Das hat sich mit der Bedienungsoberfläche bei S/4 gedreht. »Mit SAP Fiori können wir Mobil-Anwendungen mit einem ansprechenden, modernen Design für die Mitarbeiter entwickeln.« An der Umsetzung arbeitet Guggenberger mit seinen Kollegen gerade. Und das Unternehmen strebt im Produktionsbereich die papierlose Fertigung an. Auch hier sollen nach und nach die Prozesse ins neue System gegossen werden. Mit S/4 im Kern werden die Tiroler bald auch ihr CRM umstellen. Das Werkzeug für den Vertrieb und Kundenservice soll auf der neuen Infrastruktur noch besser Verkaufsmöglichkeiten, Zielgruppen und potenzielle Interessenten für Geschäftsabschlüsse analysieren und bereitstellen.

Allgemeiner Trend
Mittlerweile sind viele Unternehmen und auch die öffentliche Verwaltung mitten im Umstieg auf die neue Release von SAP. »Auch wenn SAP mit der generell erwarteten Supportverlängerung bis zum Jahr 2027 etwas Druck aus den Unternehmen genommen hat, nutzen manche auch die gegenwärtige Lockdown-Phase, um das Thema S/4 HANA in der eigenen Organisation voranzutreiben«, beobachtet Peter Lenz, Managing Director bei T-Systems Alpine. »Mit Fiori ist wesentlich mehr im Feature-Katalog verfügbar. Im Vorjahr gab es bereits 1865 unterschiedliche Fiori-Apps. Diese vielen Features zu entdecken und anzuwenden braucht auch Zeit. Wir raten Unternehmen deshalb, sich möglichst bald diesem Thema zu widmen – um nicht ins Hintertreffen zu geraten.«

Ob nun Rechenpower für das tägliche Liquiditätsmanagement, monatliche Reports, ein beschleunigter Jahresabschluss oder generell die Nutzerfreundlichkeit der Software – »die User haben etwas davon«, argumentiert er. Wenn Datenanalysen nur noch einen Bruchteil der Zeit, verglichen mit dem Altsystem, benötigen, verbessert das auch die Qualität des Arbeitsplatzes. Und Lenz hat gute Nachrichten für die »Hardcore-Fachleute«, die weiterhin R/3 nutzen müssen: Auch das ist möglich.



Bild: Peter Lenz, T-Systems Alpine: »Eine Transformation eines neuen Systems auf bereits bestehende SAP-Themen in der IT-Abteilung draufzupacken – das ist alleine nicht zu schaffen.«

»So ein Umstieg birgt auch die Chance einer Vereinfachung«, so Lenz. Die Anpassungen und Individualprogrammierungen bei SAP-Installationen sind oft legendär, Modernisierungen waren aufwendig und teuer. »S/4 bringt eine Simplifizierung der IT, denn künftige Upgrades und Release-Zyklen sind mit Standardsoftware einfacher zu bewältigen. Zudem beschäftigen sich viele in den Projekten gleich auch mit ihren bestehenden Geschäftsprozessen. Bringen diese tatsächlich einen Geschäftsvorteil?
»Mitunter kommt man drauf, dass dem nicht so ist, und ein Industriestandard am Ende sogar günstiger wäre«, sagt Lenz. Es ist ein Paradigmenwechsel in der IT, der damit auf die Unternehmen zukommt. Wurden vor wenigen Jahren noch Abläufe passgenau an die Fachbereiche angepasst, fordern die Skalierungseffekte von Cloud-Anwendungen, die nun auch von SAP forciert werden, eine 180-Grad-Wende zu Standardisierung.

Engpässe erwartet
Der bereits herrschende Fachkräftemangel in der IT wird sich in den kommenden Jahren mit dem Auslaufen der R/3-Reihe weiter verschärfen. Eine Umstellung sollte deshalb eher früher als später angegangen werden. »Ein Heer an personellen SAP-Ressourcen in den nächsten Jahren zu finden, wird schwierig«, weiß der T-Systems-Chef. Partner aus der IT-Wirtschaft können Unternehmen hier zur Seite stehen – auch um die eigene IT-Mannschaft vom operativen Tagesgeschäft freizuspielen und ihr Ressourcen für das Kennenlernen und Testen der neuen Anwendungen zu verschaffen. Die Kunden könnten sich bei Spitzenlasten im IT-Betrieb oder unvorhergesehenen Herausforderungen auf einen Partner verlassen, der das System bereits gut kennt. »Wenn ich eine Transformation eines neuen Systems auf die bereits bestehenden SAP-Themen in der IT-Abteilung draufpacke – das ist alleine nicht zu schaffen«, ist Lenz überzeugt.

Leo Guggenberger vergleicht heute – mehr als drei Jahre nach dem Beginn der Reise – den Releasewechsel auf S/4 wie einen Hausbau. Hundertprozentig glatt und ohne Probleme laufe kein Bauprojekt ab. »Was man braucht, sind Partner auf Augenhöhe, mit denen man all diese Dinge ausreden kann. Dann werden auch Pilotprojekte, wie unseres, in kürzester Zeit ein Erfolg.«


Hintergrund: Generationensprung bei SAP

Eine Software für die Unternehmenssteuerung – das ist nicht nur im deutschen Sprachraum eng mit dem Namen SAP verbunden. Der Branchenprimus prägte mit der Lösung R/3 für »Enterprise Ressource Planning (ERP)« Geschäftsprozesse in Unternehmen seit Anfang der 90er-Jahre. 2015 wurde der Nachfolger S/4HANA vorgestellt, der einen Paradigmenwechsel im IT-Gefüge bringt: Zentrale Funktionen sind im digitalen Kern von S/4 enthalten, hunderte weitere Features, die getrennt lizenziert werden, stehen als »Line of Business Solutions« zu Verfügung. Der Vorteil für Unternehmen: Die Adaptierung von industrieerprobten Abläufen und Modulen erfolgt integrierter und flexibler als beim Vorgänger. Die SAP Business Suite 4 nutzt erstmals auch eine eigene Datenbank des deutschen Herstellers. SAP HANA basiert auf In-Memory-Computing, mit dem deutlich schneller Ergebnisse von Analysen und bei der Verarbeitung von Daten erzielt werden.

Last modified onDienstag, 02 Februar 2021 10:28
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