»Wir wollen mit unserer Technologie die Welt verändern.«

Foto: Jed Ayres (li.) bei der Firmenkonferenz »Disrupt« in München – der neue CEO von IGEL hat die Unternehmensführung übernommen. Foto: Jed Ayres (li.) bei der Firmenkonferenz »Disrupt« in München – der neue CEO von IGEL hat die Unternehmensführung übernommen.

Der deutsche Thin-Client-Hersteller IGEL erobert mit seinem Betriebssystem eine zunehmend bunte Welt der Endgeräte und Maschinen.

Rund 1.000 Menschen haben sich Anfang Februar in München zur Konferenz »Disrupt« des Technologieanbieters IGEL versammelt. Der Name des Unternehmens, das einen Igel auch in seinem Logo führt, steht für »Intelligente Gesamtlösung in der (Mikro-)Elektronik« und demonstriert gleichermaßen Robustheit und Wendigkeit am schnelllebigen IT-Markt. Von der Fertigung von Thin Clients ausgehend, hat der Hersteller mit Sitz in Bremen sein Produktportfolio in den vergangenen Jahren aufgesplittet und bietet nun sein schlankes Betriebssystem, IGEL OS, separat an – ergänzt um eine Management-Suite für die Verwaltung unterschiedlichster Endgeräte. Mit dem »IGEL UD Pocket« steht zudem eine Lösung für Remote- und Heimarbeitsplätze zur Verfügung.

Mit dem neuen CEO Jed Ayres setzt das deutschstämmige Unternehmen weiterhin stark auch auf den US-Markt. Ayres hat bislang die Geschäfte in der Region Nordamerika geführt und steht nun am Steuer gemeinsam mit IGEL-Gründer Heiko Gloge. Mittlerweile beschäftigt der Hersteller fast 400 Mitarbeiter.

In den USA werden Cloud-Services üblicherweise stärker und früher nachgefragt – der perfekte Ort, um das Geschäft des Herstellers endgültig von der Hardware zu abstrahieren. IGEL, das bei seinen smarten Edge-Geräten seit jeher auf Linux setzt, sieht in einer jüngsten Zusammenarbeit ausgerechnet mit Microsoft eine Riesenchance für IT-Abteilungen in Unternehmen.

Als erster und bislang einziger »Key Hardware Partner« eines Linux-Betriebssystems wurde IGELs Desktop-Client für den Einsatz mit dem »Windows Virtual Desktop«, kurz WVD, validiert. Denn: Mit Ende des Supports für Windows 7 stehen IT-Abteilungen vor der Herausforderung, Windows 10 auch auf älterer Hardware zu betreiben. Mit IGEL OS, das praktisch mit jedem x86-kompatiblen 64-bit-System einsetzbar ist, lassen sich Endgeräte für den Zugriff auf Windows einsetzen. »Es ist eine großartige Möglichkeit für Unternehmen, den Schritt in die Cloud zu setzen«, ist Jed Ayres von der zunehmenden Veränderung auch in Windows-Client-Architekturen überzeugt. »Die beste Art, Windows zu nutzen, wird direkt aus Azure sein«, prognostizert er.

Und natürlich: Das IGEL OS fügt sich optimal ein – zwischen der Hardware beim Nutzer und der Rechenpower in der Cloud. Coca-Cola setzt die Verschlankung des »Edge«, wie IT-Hardware an den Anwender-Enden im Netzwerk genannt wird, bereits großflächig ein.

Partner und Client

Der IGEL-CEO kann sich auf breite Unterstützung in der Partnerlandschaft verlassen. Sie ist in München mit einer Rekordzahl von 31 Konferenzpartnern klar sichtbar. Die Konferenz vereint Citrix, VMware, AWS und Microsoft im selben Raum. Und trotzdem stellt das Unternehmen, einer der wenigen großen IT-Hersteller europäischer Provenienz, immer noch Hardware her. Die neueste Version des Thin Client »UD3« ist rund 50 % kleiner, besteht aus 30 % Recyclingmaterial, ist wesentlich energieeffizienter, spricht auch ohne weiterem Modul über WLAN und Bluetooth und schafft eine Konnektivität mit zwei Bildschirmen in 4K-Qualität.

Wachsender Markt

100 Millionen virtualisierte Arbeitsplätze zählt die Branche aktuell weltweit, Tendenz rasant steigend. Mit der Anbindung gut einer Milliarde veralteter Hardware-Clients an Cloud-Plattformen könnte IGEL den Legacy-Systemen neues Leben einhauchen. Die Steigerung der virtualisierten Desktops auf zumindest 150 bis 200 Millionen Stück in den nächsten Jahren ließe sich mit Linux am Edge einfacher bewältigen, argumentiert Ayres. »Wir haben die beste Lösung dazu.«

Auch ein Wachstumsziel auf eine Milliarde Dollar Umsatz – von derzeit rund 150 Millionen – scheint dem Amerikaner nicht unrealistisch. Im Gegenteil: Das Ziel ist festgemacht, auch wenn es wagemutig für ein deutsches IT-Unternehmen scheint. Warum also kaufen Firmen überhaupt Thin Clients und entsprechende Software ein? Jed Ayres antwortet mit drei Argumenten: Kosteneinsparungen, erhöhte Sicherheit und verbesserte User-Experience. »Wir wollen mit unserer Technologie die Welt verändern.«


Vernetzung als Investition: Heiko Gloge, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von IGEL, im Gespräch mit dem Report (Link).

Last modified onDonnerstag, 26 März 2020 14:18
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