»Wir sind für einen faktenbasierten Umgang mit allen Herstellern« Featured

Erich Manzer ist stellvertretender Geschäftsführer bei Huawei in Österreich. Erich Manzer ist stellvertretender Geschäftsführer bei Huawei in Österreich.

Erich Manzer, stellvertretender Geschäftsführer bei Huawei in Österreich, im Gespräch über 5G, die künftige Rolle Europas in der Mobilfunkwelt und Sicherheitsbedenken gegen die Produkte des Herstellers aus China.

Report: Was wird 5G den Unternehmen bringen und wie ist der Ausbaustand in Österreich im Vergleich zu anderen Staaten?

Erich Manzer: Innerhalb Europas haben wir viele Kunden, die wir beim Thema 5G betreuen. In Österreich gehören wir vom Ausbaugrad her sicherlich zum vorderen Drittel. Leider haben wir durch die verspätete Frequenzauktion, die im vergangenen Jahr aufgrund der Coronakrise vom März in den September verschoben wurde, Zeit verloren – so hätten wir mit dem Rollout des 700-MHz-Bandes bereits früher starten können. Man hat sich letztes Jahr dann speziell auf das C-Band (3,5 bis 3,7 GHz) fokussiert. Der Rollout funktioniert hier sehr gut, die Netzbetreiber sind keineswegs im Hintertreffen und erfüllen meiner Ansicht nach die regulatorischen Vorgaben.

Was ich vom Markt höre, ist die Fortsetzung des Netzausbaus heuer, mit einem Fokus auf das 700-MHz- beziehungsweise weiterhin C-Band Netzwerk. Optional werden die 1500 MHz zu einem späteren Zeitpunkt vor allem bei Kapazitätsengpässen genutzt werden. Im Vergleich zu Asien zeigt sich aber, dass dort viele Staaten den 5G-Ausbau stärker vorangetrieben haben. Es werden teilweise auch andere Dienste wie etwa Videoservices genutzt und spezielle Anwendungen, die auf die geringe Latenzzeit im 5G-Netz setzen.

In Österreich sehen sich die Netzbetreiber weiterhin vor allem als Infrastrukturprovider, welche die Services von anderen Anbietern über ihre Netze führen. Man betrachtet weiterhin das Netz als Kerngeschäft und möchte nicht mit Applikationen starten, von denen man nicht sicher weiß, ob sie wirtschaftlich erfolgreich sind.

Report: Zu 2G- und 3G-Zeiten gab es durchaus Bestrebungen der Mobilfunker, zusätzliches Geschäft auf Applikationsebene zu generieren. Im Geschäftskundenbereich waren das beispielsweise Flottenmanagementlösungen. Heute ist dieser Bereich am Markt kaum zu sehen.

Manzer: Das muss man etwas differenziert betrachten. Speziell Flottenmanagement stellen die Betreiber weiterhin zur Verfügung. Wenn aber eine Lösung die Entwicklung einer eigenen Software benötigt, sehen das die Mobilfunker nicht als ihre Kernkompetenz – zumindest nicht in Österreich und Deutschland. Anderswo bauen Mobilfunker Dienste für ihren spezifischen Markt. So hat Turkcell einen eigenen Messenger entwickelt, der in der Türkei aktiv angeboten wird. Er ist auf den Geräten vorinstalliert und wird sogar von Mitbewerbern genutzt. Auch Gaming wird bei 5G ein großes Thema, das aber von der Gaming-Industrie besetzt bleibt.

Report: Ist der österreichische Markt für die Entwicklung spezifischer Services zu klein?

Manzer: Das würde ich gar nicht sagen. Noch besser aber wäre das Vorantreiben einer Softwareentwicklung auf europäischer Ebene. Persönlich würde ich mir wünschen, dass man sich in Europa zusammenfindet und Unternehmen schafft, die Anwendungen für das Smartphone oder gar ein eigenes, europäisches Betriebssystem gestalten. Das birgt natürlich viel Arbeit und hohe Kosten, könnte aber Europa dienlich sein. Huawei würde das auch unterstützen. Wir haben derzeit zwar ein eigenes Betriebssys­tem, könnten aber Kooperationen mit europäischen Firmen eingehen und deren Systeme auf unseren Geräten einsetzen.

Report: In welchen Bereichen sehen Sie künftig Bedarf für 5G-Services?

Manzer: Bei E-Health beispielsweise wird der Arztbesuch komplett virtuell und aus der Ferne abgewickelt werden können – inklusive Gesundheitscheck. Am Drohnensektor geht es wiederum um Flugsicherheit und um die Möglichkeit, schnell einzugreifen und eine Drohne in jeder Situation sicher zum Rückflug oder zum Landen zu bringen. Ein wesentliches Element von 5G ist auch Network Slicing, das eine ungeteilte Nutzung des Mobilnetzes bietet. Unternehmen können damit die Qualität von Services auf einem Areal oder in der Fabrik sicherstellen, bei gleichzeitig geringen Latenzzeiten und einer engen Verknüpfung mit der Unternehmens-IT. Ein Betrieb könnte etwa 10 MHz an drei, vier Standorten drahtlos nutzen und mit seiner leitungsgebundenen IT zu einer Gesamtlösung verknüpfen – mit allen Sicherheitsfeatures, angepasst auf das eigene, autonome Netz. Es gibt dazu erste Feldversuche in Österreich. Ich gehe davon aus, dass in diesem Jahr erste Campus-Netze präsentiert werden.

Report: Wie ist derzeit das Klima der Zusammenarbeit von Huawei mit Telekommunikationsunternehmen in Europa?

Manzer: Die Bedingungen sind von Land zu Land unterschiedlich und hängen auch von den Bestrebungen der Staaten, wie stark diese mit dem US-Markt kooperieren wollen, ab – oder anders gesagt, wie stark die Beeinflussung der USA auf das jeweilige Land ist, siehe UK, das den Netzbetreibern den Einsatz unserer 5G-Produkte untersagt hat. Die meisten Länder verhalten sich aber neutral. In Österreich und in Deutschland werden die Sicherheitsbedenken diskutiert und trotzdem schafft man ein faires Umfeld. Im Bereich 5G arbeiten wir hierzulande mit allen Operatoren zusammen – A1, Magenta und Drei sowie auch mit der Linz-AG-Tochter Liwest. Und unser Kunde Liwest hatte im Vorjahr das erste kommerziell genutzte 5G-Stand-Alone-Netzwerk in Eu­ropa vorstellen können. Man sieht schon: Österreich ist da ganz vorne mit dabei.

Report: Es herrscht die Sorge, Unternehmen aus China würden der chinesischen Regierung zu einer Weitergabe von Daten verpflichtet sein.

Manzer: Ren Zhenfei, Firmengründer von Huawei, hat mehrfach betont, er würde das Unternehmen eher schließen, als Daten an die Regierung weiterzugeben. Wir sind seit über 20 Jahren in Europa tätig. In dieser Zeit hat es kein einziges Cybersecurity-Vergehen gegeben, was bei anderen Herstellern nicht der Fall ist. Wir haben zuletzt im Vorjahr als erster und derzeit einziger Netzausrüster die NESAS-Zertifizierung der GSMA in Rekordzeit erhalten (Anm. Network Equipment Security Assurance Schema). Dazu wurden Huaweis Basisstationen sowie das Core-Netzwerk intensiv geprüft.

Es ist eines von vielen Elementen, welche die Sicherheit unserer Lösungen zeigen. Wir sind für einen faktenbasierten Umgang mit allen Herstellern, nicht nur mit jenen aus Asien. Ich gehe davon aus, dass Huawei einer der am häufigsten geprüften Hersteller weltweit ist. Zahlreiche Sicherheitsfirmen kennen unsere Software und Hardware. Wir haben in Brüssel ein eigenes Testcenter, in dem Netzbetreiber jederzeit unseren Code begutachten und verifizieren können. Es gibt nichts, was wir verheimlichen. Warum machen das nicht auch andere Hersteller? Spielen wir doch alle mit offenen Karten. In Wirklichkeit geht es ja nicht um Huawei, sondern um wirtschaftliche Interessen.
Wir sind in den vergangenen Jahren zu einem Weltmarktführer in vielen Bereiche gewachsen: bei Smartphones, bei Enterprise-IT und – was vielen nicht bekannt ist – auch in der Photovoltaik. Huawei gehört zu den größten Lieferanten von Wechselrichtern für PV-Anlagen weltweit und wir haben auch eine der größten Anlagen Österreichs ausgestattet.

Ich möchte abschließend festhalten, dass Sicherheitsstandards wichtig sind, wir bei Huawei die Implementierung dieser Standards erst nehmen und auch Änderungen von Standards raschest implementieren. Nur so kann es uns gelingen, Sicherheitsbedenken auszuräumen.



Bild: Klaus Luger (Bürgermeister Stadt Linz), Erich Haider (Linz AG), Jackie Zhang (Huawei), Markus Past (Linz AG Telekom), Karin Hörzing (Vizebürgermeisterin Stadt Linz) und Stefan Gintenreiter (Liwest). Huawei und Liwest haben im Juni 2020 das erste kommerziell einsetzbare 5G-Kernnetzwerk in Europa vorgestellt. Als erster 5G-Anwender des gemeinsamen Projekts wurde ein Gesundheitsroboter präsentiert, der in einem Seniorenheim der Stadt Linz seinen Dienst angetreten hat.

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