"Die Frage ist, ob das immer der effizienteste Weg ist" Featured

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Über Trends in der IT-Infrastruktur, 5G, Cloud­-Services und absolut sichere Backups: Robert Öfferl, Sales Manager und Mitglied der Geschäftsleitung des IT-Systemhauses Bechtle, im Gespräch.

Report: Was treibt Investitionen in IT-Infrastruktur, insbesondere Storage, an? Welche Trends beschäftigen die IT-Abteilungen der Unternehmen?

Robert Öfferl: Die Digitalisierung und der zunehmende Einsatz von IoT-Lösungen sind die großen Treiber für Datenwachstum in den Unternehmen. Das Datenvolumen verdoppelt sich in vielen Bereichen ungefähr alle zwei Jahre – bei dem einen Kunden ist es vielleicht etwas mehr, beim anderen etwas weniger. Analysten zufolge soll die Menge der gespeicherten Daten bis zum Jahr 2025 weltweit 175 Zettabyte umfassen – ein unvorstellbares Volumen. Unternehmen müssen sich jedenfalls auf ein massives Wachstum einrichten. Mit der Echtzeit-Verarbeitung gerade auch von IoT-Daten braucht es eine entsprechende Rechenleistung und leistungsfähige Storage-Systeme. Mit einer modernen Architektur kann zudem auch der Energieverbrauch gesenkt werden, was Klimazielen und der Geldbörse zugutekommt.
Künftig werden wir mit 5G zunehmend auch Edge-Computing an den Ausläufern der Netze sehen: Speziell bei IoT werden verteilte Micro-Rechenzentren an Bedeutung gewinnen, die Daten dort verarbeiten, wo sie generiert werden. In weiterer Folge werden diese Daten an dahinterliegende Datacenter transferiert.

Einige unserer Kunden stellen Überlegungen an, ob sie ihre Datacenter zukünftig noch »on premises«, bei einem Housing- oder vollumfänglich bei einem Cloud-Partner etablieren. Das hat auch massive Auswirkungen auf die IT-Sicherheit. Die Sicherheitskonzepte von früher taugen hier nicht mehr, mit Hybrid-Cloud-Lösungen verschiebt sich der Perimeter weit über die Unternehmensgrenzen hinaus.
Von den nordischen Ländern kommend bewegt sich die Nutzung der Cloud wellenartig über Europa – und damit auch nach Österreich. Die Hyperscaler Microsoft, AWS oder Google haben mannigfaltig Cloudservices aufgebaut, die nur in der Cloud und somit »consumption based« in Anspruch genommen werden können. Beispiele wären Big-Data-Analytics und AI-Anwendungen bei den Hyperscalern. Natürlich ist es weiterhin möglich, alle Daten im eigenen Rechenzentrum zu speichern und nur für diese spezielle Verarbeitung in die Cloud zu transferieren. Die Frage ist nur, ob das immer der effizienteste Weg ist. Hier wird es für den einen oder anderen sinnvoll sein, für geringere Latenzzeiten mit Teilen der IT-Infrastruktur sehr nahe an diese Datacenter zu rücken – sprich in die Cloud zu gehen. Mit Infrastructure as a Service befindet sich die eigene Infrastruktur in LAN-Distanz – lokal im Netzwerk – der Cloudservices des Anbieters.

Report: Wie bewerten Sie Initiativen, die Cloudservices europäischer Anbieter forcieren?

Öfferl:
Datensouveränität ist durchaus ein Faktor bei der Wahl des Cloud-Partners geworden. Initiativen wie Gaia-X werden wohl noch etwas Zeit brauchen, bis sie einem breiten Kundenkreis zur Verfügung stehen – sie werden aber zukünftig wohl auch eine Rolle spielen. Die Ö-Cloud wiederum steckt noch in einer konzeptionellen Phase. Die Etablierung übergreifender Standards kann sicher dazu beitragen, die Cloud-Transformation weiter voranzutreiben.

Report: Wie hat sich der Fachkräftemangel speziell im Storage-Bereich über die Jahre geändert?

Öfferl:
Die Storage-Kapazitäten, die von einer einzelnen Person verwaltet werden können, sind in den letzten Jahren um Zehnerpotenzen angewachsen. Die Administration ist somit wesentlich effizienter geworden und dennoch war der Fachkräftemangel noch nie so deutlich spürbar wie in den letzten beiden Jahren. Das macht für viele Unternehmen das Thema Automation in unterschiedlichen Bereichen, darunter auch Storage und Backup, interessant. Effiziente oder hoch automatisierte Lösungen machen den Administratoren das Leben leichter und helfen der IT-Mannschaft vor allem bei Routineaufgaben. Mit Hilfe der Digitalisierung hat die IT einen enormen Stellenwert in den Unternehmen bekommen. Durch das Fehlen der Spezialisten fokussieren sich viele Unternehmen nun auf ihre geschäftsrelevanten Kernthemen in der IT, während Basisthemen wie Storage und Backup aber auch Security an Partner ausgelagert werden.


Bild: Robert Öfferl,  Sales Manager und Mitglied der Geschäftsleitung: »Bei aktuellen Cybersecurity-Herausforderungen wie Cryptolockern hat man erkannt, dass ein Medienbruch bei der Sicherung der Daten das einzig wirklich Sichere ist.«

Report: Welche Rolle spielt eigentlich Tape noch in der Backup-Infrastruktur?

Öfferl:
Einige werden sich noch an die Zeit erinnern, in der man primär auf Tape gesichert hat. Der nächste Schritt war Backup-to-Disc. Mit dieser Technologie können Daten deutlich schneller wiederhergestellt werden und die Lösungen sind im Gegensatz zu Tape nahezu wartungsfrei. Auf Tape wird in diesem Fall nur noch in größeren Zeitabständen gesichert, um die Disc-Kapazität nicht immer weiter steigern zu müssen. Mit den aktuellen Cybersecurity-Herausforderungen wie Cryptolockern haben jedoch viele Unternehmen erkannt, dass ein Medienbruch bei der Sicherung der Daten das einzig wirklich Sichere ist. Das Tape erlebt somit gerade eine Renaissance, wobei es wichtig ist, diese als Offline-Kopie aus der Library zu entfernen, um sie vor fremden Zugriffen schützen.

Wenn Hacker sich lange genug unerkannt in einem Unternehmensnetzwerk bewegen, verfügen sie auch über administrative Accounts. Da helfen dann die besten Technologien wenig, wenn vorsätzlich Snapshots gelöscht und Backup-to-Disc-Devices zerstört werden. Das letzte Bollwerk sollte also immer eine Offsite-Kopie der Daten sein. Es gibt keine andere Möglichkeit, die so sicher ist.

Report: Wie stark ist das Backup- und Disaster-Recovery-Management in der Regel in der Sicherheitsstrategie bei den Unternehmen verzahnt?

Öfferl: Unternehmen in Österreich sind dazu im internationalen Vergleich stark sensibilisiert. Viele Mittelstandskunden betreiben hierzulande zwei Datacenter. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als einige US-Anbieter nur asynchrone Technologien für »long distance« beziehungswiese »Coast to Coast«-Replikation angeboten haben. Heute ist synchrone Replikation mit einem transparenten »Failover« im Desasterfall der absolute Standard.

Report: Wozu raten Sie hinsichtlich Cloud-Konzepten?
Öfferl: Generell geht die Entwicklung weg von den klassischen Infrastrukturen mit Servern, Storage und Netzwerk hin zu Converged-Systemen mit einer einheitlichen, effizienten Administration dieser drei Bereiche und nun zur Hyperconverged Infrastructure. Nach einigen Startups, die diese Technologie aufgebracht haben, ist Hyperconverged spätestens mit dem Einstieg von VMware mit vSAN am Markt breit anerkannt. Mit jedem dieser Schritte ist die Effizienz gesteigert worden.

Die langfristige Vision der Hersteller ist das vollautomatisierte Software-Defined Datacenter (SDDC). Hier ist VMware sicherlich der Vorreiter. Mit der VMware Cloud Foundation lässt sich der gesamte Stack der Infrastruktur mit einer Konsole betreiben. Auch hier sind die alten Burgmauern obsolet. Hersteller wie VMware und Cisco bieten mit der Mikrosegmentierung eine Technologie an, die einzelne Workloads schützt – unabhängig davon, ob diese on premises, bei einem Colocation-Partner oder in der Cloud laufen.

Alle drei Hyperscaler haben nun begonnen, parallel auch VMware-Virtualisierungsinfrastrukturen in ihren Datacentern aufzubauen. Diese ermöglicht das Softwaredefined Datacenter in der Cloud, komplett mit Netzwerkvirtualisierung für das flexible Zusammenschalten von verschiedenen Standorten. Unternehmen können so einzelne Workloads unterbrechungsfrei vom eigenen Rechenzentrum in die Cloud schieben, um etwa Spitzenlasten abzufedern oder diese aus Performancegründen nahe an die Cloudservices des Anbieters zu bringen.

Report: Was bietet Bechtle seinen Unternehmenskunden in diesem Bereich?

Öfferl: Wir haben rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Österreich, davon mehr als 150 Consultants, und agieren absolut lösungsorientiert. Unser primärer Fokus ist es, unseren Kunden eine sehr sichere und stabile IT-Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.
Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal des Bechtle Konzerns sind sicherlich unsere konzernweit über 90 Competence Center, über die wir für eine große Bandbreite an speziellen IT-Themen schnell fundiertes Experten-Know-how abrufen können. Wir sind somit für Projekte jeder Größenordnung bestens positioniert und können unsere Kunden bei vielfältigsten Anforderungen unterstützen. Den größten Teil der Kundenforderungen decken wir aber mit den Skills unserer österreichischen Kolleginnen und Kollegen ab.

Aus dem IT-Systemhaus Österreich unterstützen wir mit einem Competence Center für Backup und Storage auch Konzernkunden in Deutschland und in der Schweiz. Neben der fachlichen Expertise legt Bechtle viel Wert auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz – der jährliche Nachhaltigkeitsbericht gibt dazu transparent Auskunft, wie dies bei uns konkret gelebt wird. Immer mehr Kunden, mittlerweile nicht mehr nur im öffentlichen Bereich, zeigen daran aktives Interesse.

Last modified onMittwoch, 23 Dezember 2020 11:28
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