„Man sieht jetzt überall, dass es funktioniert“ Featured

Robert Absenger ist langjähriger Geschäftsführer des Bechtle IT-Systemhaus in Österreich. Robert Absenger ist langjähriger Geschäftsführer des Bechtle IT-Systemhaus in Österreich.

Robert Absenger, Geschäftsführer Bechtle IT-Systemhaus Österreich, zur aktuellen Situation der IT-Wirtschaft in der Corona-Krise – und was davon Mitarbeiter in Unternehmen in positiver Weise mitnehmen werden.

Report: Homeoffice und Remotezugang sind nun in allen Teilen der Unternehmen die neue Realität. Wie geht es Ihnen bei Bechtle Österreich damit?

Robert Absenger:
Wir haben frühzeitig reagiert – bereits am Tag der Bekanntgabe der Ausgangsbeschränkungen am 13. März waren alle Arbeitsplätze unserer 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umgestellt. Mit jenen, für die es ungewohnt war, zuhause eine VPN-Verbindung zu nutzen, haben wir das vorher getestet. Die Planung hatte eine Woche früher begonnen. Derzeit gilt ein Betretungsverbot in allen unseren Geschäftsräumen. Wer aus unumgänglichen Gründen ins Büro kommen muss, hat sich mit dem Standortleiter abzustimmen.

Ich bin sehr beeindruckt, wie rasch alle auf die neue Situation umgeschaltet haben. Wir wissen, dass gerade bei IT-Projekten unvorhergesehene Herausforderungen auftreten können. Doch außer ein paar Handyausfällen in den ersten Tagen war nichts Gravierendes dabei. Auch bei unseren Endkunden in den Unternehmen funktioniert der technische Remote-Support aus dem Homeoffice heraus gut.

Am Anfang war durchaus eine Verunsicherung in unserer Mannschaft zu spüren. Dem sind wir mit einer Reihe an Kommunikationsaktivitäten begegnet, fast ausschließlich über unsere interne Collaboration-Plattform: wöchentlich virtuelle Meetings jeder Abteilung sowie eine tägliche Abstimmung unseres Managements. Zusätzlich haben wir jeden Freitag eine Session zum Thema „Management informiert Mitarbeiter“ mit regelmäßig gut 200 Teilnehmern. Die Einladung, die ich dazu ausschicke, ist meistens innerhalb von 5 Minuten bestätigt. Man sieht also, wie wichtig das Informieren der Menschen gerade im Homeoffice ist. Das Format hat sich also gut bewährt. Ebenso schicken wir wöchentlich einen internen Newsletter aus, der Hilfestellungen zum Remote-Arbeiten, zu den eingesetzten Kollaborationslösungen, aber auch die Möglichkeit für gezieltes Feedback bietet.

Report: Vielerorts sind durch die Krise trotz Homeoffice die Betroffenen in Firmen auch zusammengerückt – und Kommunikation hat sich einmal mehr als wichtiges Element in der Wirtschaft gezeigt.

Absenger: Wir versuchen in unseren Management-Meetings auf Zusammenhalt und Solidarität im Unternehmen zu wirken und besprechen die Situation und Herausforderungen sehr offen. Das kommt gut an. Uns ist auch wichtig, gerade jetzt intensiven Kontakt zu unseren Kunden und den Mitarbeitern der Herstellerpartner zu halten. Das schweißt zusammen – in unserer eigenen Organisation ebenso wie mit unseren Partnern.
Und ganz privat, bei einem gemeinsamen Bier mit Freunden, verwende ich ebenso die Möglichkeit des virtuellen Zusammenkommens. Auf diese Weise haben wir ein wöchentliches Treffen kurzerhand zur elektronischen Session umfunktioniert.

Gerade Microsoft Teams eignet sich für uns sehr gut: die Microsoft-Office-Suite haben viele von uns im Einsatz, die Lösungen sind nutzerfreundlich. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Teams auch im Garten am Smartphone oder Tablet über eine LTE-Verbindung und Kopfhörer gut funktioniert.

Report: Wie geht es Ihren Unternehmenskunden in dieser Krise? Wie sehr ist das IT-Service-Geschäft beeinträchtigt?

Absenger:
Das hängt ganz von der Branche ab. Wir haben Kunden in der Flugindustrie, die natürlich stark von einem Geschäftsrückgang betroffen sind, ebenso große Catering-Unternehmen. Da müssen wir durchhalten, denn die Fachkräfte, die momentan nicht gebraucht werden, müssen dann auf Knopfdruck auch wieder zur Stelle sein, wenn die Einschränkungen gelockert werden oder ganz wegfallen.

Auf der anderen Seite gibt es einen massiv erhöhten Bedarf für IT-Services bei Unternehmen, die etwa kritische Infrastrukturen im Dienstleistungs- oder auch Logistikbereich betreuen. Quer durch alle Sparten wird jetzt auch partielles Outsourcing von IT-Services nachgefragt. Es werden Lizenzen wie Citrix oder Office 365 aufgestockt. Darüber hinaus bieten wir Awareness-Trainings zum Thema Sicherheit und auch Penetration-Tests für die IT-Infrastruktur. Zusätzlich generieren wir neues Geschäft bei der Beratung zu Collaboration-Lösungen für virtuelle Zusammenarbeit. Sowohl Microsoft als auch Cisco haben hier schnell reagiert und zu Beginn der Maßnahmen durch die Regierung kostenlose Lizenzen für einen gewissen Zeitraum angeboten.

Report: Wie geht es Bechtle wirtschaftlich in dieser Krise?

Absenger: Die Bechtle AG ist ein gesundes und finanzkräftiges Unternehmen. Als Tochtergesellschaft des größten IT-Konzerns Mitteleuropas fühlen wir uns schon gut aufgehoben. Ich erspare mir so bei Finanzierungsfragen Meetings mit Banken. Und mit den hervorragenden Ergebnissen der letzten Jahre haben wir die nötige gute Bonität bei den Kreditversicherungen der großen Distributoren.

Report: Warum ist das ein Thema?

Absenger: Ein Großteil der IT-Projekte läuft „customized“ ab. Die benötigten Waren kommen nicht von der Stange oder aus einem Riesenlager, sondern werden von den Großhändlern erst dann eingekauft und geliefert, wenn die Saldenliste mit dem IT-Dienstleister halbwegs ausgeglichen ist. Hier erwarte ich in den nächsten Monaten noch größere Herausforderungen in der Branche. Denn sinkt die Zahlungsfähigkeit der Unternehmenskunden aufgrund von Umsatzausfällen, schlägt sich das auf die IT-Partner nieder, was finanzschwache Unternehmen treffen wird.

Ich denke, dass die IT-Branche die aktuelle Situation gut abfedern kann. Schließlich waren die Auslastung und der Auftragsstand vor der Krise allgemein am Markt sehr hoch. Viele haben noch massiv in mobile Geräte, Webkameras und Dienstleistungen für die Einrichtung von Homeoffice-Plätzen investiert.

Report: Erwarten Sie, dass Formate wie etwa Videotelefonie nach dem Ende der Ausgangsbeschränkungen im Alltag bleiben werden?

Absenger:
Dessen bin ich mir sicher. Und es denken nun auch Unternehmer so, die früher komplett gegen den Arbeitsplatz zuhause waren. Man hat jetzt überall gesehen, dass es funktioniert und auch Annehmlichkeiten bringen kann. Einige unserer Kunden haben mit ihren Mitarbeitern Arbeitsvereinbarungen fürs Homeoffice auf unbegrenzte Dauer abgeschlossen. Ich glaube, dass diese Situation die Arbeitsweisen der Zukunft durchaus verändern wird. Auch die Staus am Montag in der Früh könnten nach der Krise kleiner werden. Man wird vielleicht etwas später in die Arbeit fahren, den Arbeitstag aber trotzdem zuhause beginnen. Das hat auch eine Umfrage bei unseren Mitarbeitern gezeigt: Die Arbeit im Homeoffice empfinden 40 Prozent als der Effizienz zuträglich.

Wir haben auch schon finale Präsentationen bei Kunden über Videokonferenzen gehalten. So etwas wäre früher schwer denkbar gewesen. Viele machen jetzt die Erfahrung, dass zwei- bis dreitägige Zertifizierungen oder Partnerkonferenzen ebenso über Webkonferenzen möglich sind. Der persönliche Kontakt wird auch in Zukunft nicht ersetzbar sein – aber die Effizienz von Konferenzlösungen, die jetzt viele kennenlernen, kann auf Dauer Flugreisen reduzieren.

Last modified onDonnerstag, 09 April 2020 10:29
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