\"Mehr als nur Produkte“

Die heimischen Vertreter der Automatisierungsbranche können nicht klagen. Die Wachstumszahlen der vergangenen Jahre sind gut, die Zukunftsaussichten sogar noch besser. Doch nicht alle werden am Boom teilhaben. Vor allem lokale KMUs müssen jetzt Flexibilität beweisen, um im Wettbewerb mit den Global Player nicht unterzugehen und ihre Position auf Dauer zu festigen.

Die Anforderungen der Kunden
Die Automatisierungsbranche lebt von der Not ihrer Kunden. Die produzierende Industrie hat schwer zu kämpfen mit der Konkurrenz aus Billiglohnländern Osteuropas und Asiens. Die Automation und die Optimierung von internen und externen Abläufen werden zu überlebensfragen, denn nur so können Lohnkostenunterschiede neutralisiert oder zumindest minimiert werden. Dementsprechend hoch sind die Anforderungen, die die Kunden an die Branche stellen: Der Kunde erwartet individuell angepasste Lösungen, die es ihm erlauben, schneller und günstiger zu arbeiten und zu produzieren.

Die Forschungsansätze der Unternehmen
Ganz oben auf der Task-Liste steht die Nähe zum Kunden: \"Den gestiegenen Anforderungen der Kunden begegnen wir mit einer ganzheitlichen, persönlichen Kundenbetreuung“, sagt Franz Xaver Mayr von der TBM Automation und Anlagenbau Gmbh. TBM bietet ein auf das jeweilige Projekt abgestimmtes spezifisches Pflichtenheft, das schon vor Beginn einer Produktentwicklung für einen stabilen Rahmen sorgen soll.
\"Unsere Kunden sind heute gefordert, schneller, koordinierter und somit kosteneffizienter herzustellen“, weiß Andreas Enzenbach von Bernecker und Rainer. Die Forschungsaktivitäten stünden daher unter dem Aspekt, intelligente und vor allem integrierte Automatisierungslösungen aus einer Hand zu entwickeln. \"Mit technisch hoch stehenden Lösungen bieten wir dem Kunden ein Höchstmaß an Wirtschaftlichkeit und damit einen klaren Wettbewerbsvorteil“, sagt Enzenbach.
Bei Trumpf Werkzeugmaschinen erkennt man ein \"breit gestreutes Anforderungsspektrum der Kunden, geprägt durch eine hohe Typenvielfalt der zu produzierenden Teile und durch sinkende Losgrößen“. Die Kunden fordern auf diese hohe Flexibilität angepasste Maschinen. Trumpfs Antwort ist eine modulare Bauweise mit kundenspezifisch angepassten Ausbaulösungen. Zudem beschäftigt sich Trumpfs Forschungsabteilung mit der gesamten Prozesskette, von der Idee bis zum fertigen Kundenteil. Was darunter zu verstehen ist, erklärt der F&E-Beauftragte Friedrich Kilian anhand des Beispiels Blech: \"Die Prozesskette beinhaltet die Logistik des Blechs, das Stanzen und Laserschneiden, das Biegen bis hin zum Laserschweißen und dem Markieren von Bauteilen - dies möglichst automatisiert. Diese Prozesskette gilt es aufeinander abzustimmen, da eine Laserschneidmaschine prozessbedingt eventuell schneller Teile fertigt als die Biegemaschine.“
Bei der Lenze AG hat man auf die geänderten Kundenwünsche gleich mit der übernahme eines anderen Unternehmen reagiert. Durch die Integration der Digitec Engineering in den Lenze Konzern bekommen die Kunden nun Automatisierungslösung inklusive Steuerung, Visualisierung und Antriebstechnik aus einer Hand. \"Das ist für uns der logische Schluss aus dem Wunsch unserer Kunden nach offenen, skalierbaren und einfach zu projektierenden Systemen“, sagt Ursula Deinhammer, Leitung Marketing von Lenze österreich. Es reiche längst nicht mehr aus, Motoren, Regler oder Steuerung singulär zu betrachten, Lösungen seien vielmehr wie ein Orchester: Das Zusammenspiel muss passen.
Bei Salomon Automation setzt man auf manuelle, automatische und heterogene Systeme. \"Unsere Projektierungsabteilungen analysieren die Kundenanforderungen und erstellen Konzepte, für welche Bereiche sich welche Technologie unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit für den Kunden am besten eignet“, sagt Marketingleiterin Sabine Lukas. Für einzelne Branchen würden auch spezifische Lösungen unter Berücksichtigung von Artikelsortiment und Struktur entwickelt. Daher rührt auch der Forschungsschwerpunkt bei Salomon Automation: Neue Verfahrenskonzepte und Verfahrenstechniken zur Lösungsfindung für spezielle Sortimente.
Bei Schneider Electric will man \"mehr als nur Produkte“ auf den Markt bringen. Der Fokus liegt auf dem gesamten Lebenszyklus von Produkten und Lösungen, um den Kunden ein Mehr an Zuverlässigkeit, Sicherheit, Leistung und Komfort bieten zu können. Die Kunden sollen rasch und kosteneffizient auf sich ändernde Marktbedürfnisse reagieren können, deshalb legt Schneider Wert auf einfache Handhabung, hohe Flexibilität und Kompatibilität.
Die Copa Data GmbH will gemäß ihres Unternehmensleitspruches \"aus Tradition innovativ“ sein, um dem Kunden - relativ allgemein gehalten - das Leben leichter zu machen. Dabei soll Flexibilität eines der Kernmerkmale von Unternehmen und Produkten sein. Philosophisch wird Alexander Punzenberger, Mitglied der Geschäftsleitung, wenn es um die Forschungsaktivitäten in seinem Haus geht: \"Wir verstehen Wirtschaft und Technik als Systeme, die immer in Bewegung sind. Wer zuhört und genau hinschaut, entdeckt laufend kleine und große Veränderungen, neue Schwerpunkte und Themen.“
Bei Renishaw Austria will man sich die Schlagworte Kosteneffizienz und Kundenorientierung \"zu Recht“ an die Fahnen heften. Denn durch die enge Zusammenarbeit mit OEMs im Entwicklungsstadium und einer hohen Systemkompatibilität sei man in der Lage, dem Stand der Technik immer einen kleinen Schritt voraus zu sein, erklärt Manfred Fischer . Deshalb ist die wichtigste Aufgabe von Renishaws F&E-Division, \"Ressourcen und Möglichkeiten für Anwendungen zu erkennen und zu entwickeln, bevor die Grundvoraussetzungen im Sinne eines Industriestandards geschaffen sind\".

Der etwas andere Zugang
Wolfgang Keiner, Geschäftsführer Festo österreich, ist ein Mann mit vielen Gesichter. Einerseits ist er überzeugt, dass schon in näherer Zukunft Quantensprünge in der Automatisierungstechnik stattfinden werden, dass es Entwicklungen geben wird, die derzeit undenkbar scheinen. Andererseits brauche es aber nicht immer eine Revolution, viel öfter führe die Evolution zum Ziel. Die von Festo entwickelte SBO-Kamera sei ein gutes Beispiel für diesen evolutionären Ansatz. Die SBO-Kamera steht aber noch für eine andere Besonderheit der Automatisierungsbranche: Dem artfremden Einsatz in nicht geplanten Bereichen. Eigentlich für den Einsatz in der industriellen Fertigung konzipiert, wird die Kamera jetzt auch in der Verkehrs- und Gebäudeüberwachung - darunter auch das neue Festo-Firmengebäude in Hietzing - eingesetzt. ähnliches geschah auch mit dem pneumatischen Muskel, der für komplexe Bewegungsabläufe in der Produktion entwickelt wurde und jetzt in humanoiden Robotern zur Anwendung kommt.
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