„Man entwickelt schnell Vertrauen in die Maschine“

Andreas Herrmann, Universität St. Gallen: „Autonome Fahrzeuge fahren viel harmonischer, sie brauchen deutlicher weniger Strom oder Benzin“ Andreas Herrmann, Universität St. Gallen: „Autonome Fahrzeuge fahren viel harmonischer, sie brauchen deutlicher weniger Strom oder Benzin“

Die Zukunft der Elektromobilität wird von vielen eng verwoben mit autonomem Fahren gesehen. Andreas Herrmann ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen und Autor des Buches "Autonomous Driving", in dem er unter anderem das Sparpotential durch autonome Autos thematisiert.

Report: Welche Prognose würden Sie heute wagen, was autonome Fahrzeuge auf europäischen Straßen betrifft? Mit welchem Zeitraum rechnen Sie, dass diese zu ganz "normalen" Verkehrsteilnehmern werden?

Andreas Herrmann: Autonome Busse und Roboter-Taxis sind schon auf den Straßen. Auf wenigen Straßen, in einem begrenzten Quartier und unter einfachen Verkehrsbedingungen. Beispielsweise in den USA, in Singapur oder auch in der Schweiz. Der Anwendungsbereich dieser Fahrzeuge wird sich immer weiter ausdehnen. Zunächst mögen sie noch auf separaten Spuren verkehren, im Laufe der Zeit werden sie in den normalen Straßenverkehr integriert – dies erfolgt in den nächsten drei Jahren also bis 2020.
Wenn Sie Fahrzeuge meinen, in die man abends in Wien einsteigt, die Nacht schläft und am nächsten Morgen in Berlin aussteigt, so dürfte dies mindestens noch 15 Jahre gehen und dann wohl nur auf ausgewählten Routen ausgestattet mit der notwendigen Infrastruktur.

Report: Werden LKW-Fahrer und Taxilenker bald arbeitslos? Erwartet uns durch "autonomous Driving" auch eine große Umwälzung am Arbeitsmarkt?

Herrmann:
Uber testet mit Vehemenz das autonome Fahren, weil 60 % der Kosten eines Taxis Personalkosten sind – ähnliches gilt auch für Lkw. Hier werden wir sicherlich eine Veränderung im Berufsbild sehen. Lkw-Fahrer sind vielleicht zukünftig dafür verantwortlich, Lkws auf die Autobahnen zu fahren, dort zu einem Konvoi zu verknüpfen, der dann selbständig fährt. Andere Fahrer übernehmen die Lkws dann an einer anderen Ausfahrt. Übrigens höre ich immer wieder, dass es in Anbetracht des Anstiegs der Transporte sowieso viel zu wenig Fahrer gibt.

Für Taxifahrer könnte es schwieriger werden, weil alternative Jobs so leicht nicht auszumachen sind. Allenfalls für Überlandfahrten könnte man sich das manuelle Fahren noch viele Jahre vorstellen. Auf der letzten Meile zum Beispiel vom Bahnhof nach Hause dürften zunehmend Roboter-Taxis eingesetzt werden.

Report: Sie sprechen davon, dass Automatisierung im Straßenverkehr auch ein großes Sparpotential erschließt. Welche Bereiche umfasst dies?

Herrmann:
Die Sparpotentiale betreffen die Kosten von Toten und Verletzten. 94% aller Unfälle gehen auf menschliches Versagen zurück. Sofern man hier reduzieren kann, fallen die Prämien für die Versicherungen erheblich. Autonome Fahrzeuge fahren viel harmonischer, sie brauchen deutlicher weniger Strom oder Benzin. Da die Fahrzeuge zielgerichtet in den Innenstädten gesteuert werden, entfällt das Suchen von Parkplätzen – immerhin 30 % des Verkehrs. Damit lassen sich Parkhäuser und Straßen zurückbauen – was beispielsweise in Boston schon geschehen ist. Auch kann man die Zeit im Fahrzeug alternativ nutzen, etwa für die Arbeit aber auch für Freizeit und Erholung. Das sind weltweit pro Jahr immerhin 400 Milliarden Stunden.

Report: Würden Sie sich von einem autonom gesteuerten Fahrzeug fahren lassen?

Herrmann:
Ja klar, bin ich schon, in einem autonomen Rennwagen von Audi mit 240 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die erste Kurve war etwas gewöhnungsbedürftig, aber man entwickelt schnell Vertrauen in die Maschine.

 

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