Sparschwein, Kaffee und Maus – wenn ein Ökosystem entsteht

Foto: »Wir bauen digitale Ökosysteme rund um physische Produkte«, erklärt Nikolaus Kawka den Erfolg von Zühlke. Foto: »Wir bauen digitale Ökosysteme rund um physische Produkte«, erklärt Nikolaus Kawka den Erfolg von Zühlke. Foto: Gianmaria Gava

Mit »Cross Industry Innovation« bringt die Innovationsschmiede Zühlke Österreich frischen Schwung in Unternehmen.

Es klingt simpel, ist in seiner Umsetzung aber alles andere als trivial. »Wir begleiten den Kunden vom Beginn der Ideenfindung, der Verfeinerung einer Idee bis zum konkreten Entwicklungsprojekt«, erklärt Nikolaus Kawka, CEO von Zühlke Österreich. Seit mittlerweile 50 Jahren ist der Dienstleister für Innovationsprojekte mit diesem einfachen und zugleich herausfordernden Ansatz erfolgreich. Seit 2009 gibt es die schweizerischen Business- und Technologie-Kompetenzen Zühlkes auch am Standort in Wien.

Gemeinsam mit Unternehmen aus der Industrie, der Versicherungs-, FMCG- oder der Pharmabranche schafft Zühlke hierzulande die Basis für die Entwicklung von Produkten, Services und Geschäftsmodellen der digitalen Zukunft. Insgesamt engagieren sich mehr als 1.000 Experten mit der Erfahrung aus über 10.000 Projekten bei der internationalen Zühlke Gruppe – davon rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Österreich.

Mit »Practical Consulting« unterstützt die Österreichmannschaft landesweit Unternehmen bei Beratungsprojekten, die bereits eine konkrete Umsetzbarkeit zum Fokus haben. Eine weitere Möglichkeit der Zusammenarbeit ist das gemeinsame Betrachten von neuen Businessmodellen zunächst einmal aus Sicht der Endkunden und Anwender. Beide Varianten zusammengenommen sind das Erfolgsrezept für effiziente Innovationsprojekte.

Ankurbelung des Geschäfts

Einige der 10.000 Projekte sind zu gut, um sie hier nicht aufzuzählen. Für die Credit Suisse etwa kreierte Zühlke das »Sparschwein 2.0«, um Kinder spielerisch ans Sparen und später das eigene Konto heranzuführen. Im Inneren des Schweins befindet sich ein Münzzähler. Bei Einwurf schneidet es Tamagotchi-ähnlich Grimassen. Gleichzeitig wird sein Mageninhalt auf einem virtuellen Konto angezeigt.

Wird das Ersparte in die Bankfiliale getragen, kann damit ein reales Konto gefüllt werden. Die Idee dazu wurde schrittweise entwickelt. »Wir hatten am Anfang lediglich die Fragestellung, wie das Retail-Geschäft angekurbelt werden kann«, berichtet Kawka. Man entschied sich schnell: Es muss die User-Experience passen, das Schaffen von Emotionen.

In einer weiteren Zusammenarbeit mit Nestlé entwickelte Zühlke den weltbekannten Nespresso Milchschäumer, der besonders leicht zu reinigen ist. Die Geräte kommen ohne mechanische Verbindung zu einem beweglichen Teil aus, der mittels Induktion magnetisch gedreht wird. Ist die Milch aufgeschäumt, kann dieser einfach abgenommen und abgespült werden. »Man nimmt etwas Erfolgreiches aus einer Branche – in diesem Fall Medizintechnik – und transferiert es in eine andere Branche. Mit Cross Industry Innovation lassen sich auch Entwicklungskosten sparen. In medizinischen Laboren setzt man seit Jahren auf induktive Antriebe.«

Der Blick über den Tellerrand, das Verknüpfen zunächst branchenfremden Wissens, sei einer der Vorteile einer Zusammenarbeit mit Zühlke, ist Kawka überzeugt. Die heterogene Kundenlandschaft ermöglicht den Industriedesignern und -Ingenieuren andere Perspektiven bei Problemstellungen. Es sind Blickwinkel, die jemandem, der viele Jahre in ein und derselben Branche verbringt, abhandenkommen. »Wir versuchen bewusst, über die Branchen zu springen«, formuliert dies der Zühlke-Geschäftsführer sportlich.

Weitere Beispiele: Für den Fadenwächter bei Nähmaschinen eines Schweizer Traditionsherstellers wurden die Lasersensoren herkömmlicher Computermäuse hergenommen. Sie tasten für Kosten von weniger als einem Dollar das Stück das Weiterschieben des Stoffs unter der Nadel optisch ab. In den Nähmaschinen wird damit die Frequenz der Nadel angepasst gesteuert.

Mit dem österreichischen Hersteller BWT wurde im Vorjahr der Prototyp eines smarten Wasserspenders vorgestellt. Dank Gesichtserkennung erkennt der Wasserspender seine Nutzer und gibt mit Machine Learning die präferierte Wasserart aus. Wem das zu viel Datenverarbeitung ist, der kann trotzdem weiterhin einfach einen Knopf drücken.

Bereits vor zwei Jahren hat ­thyssenkrupp gemeinsam mit Zühlke einen neuen Weg bei der Verwendung der Mixed-Reality-Brille »Microsoft HoloLens« eingeschlagen. Erstmals wurde die Brille als Messinstrument eingesetzt, in diesem Fall im Vertrieb für Treppenlifte. Mit der HoloLens wird die Treppe direkt beim Kunden ausgemessen, der Lift kann dank Mixed Reality vorab betrachtet werden. Passt das gute Stück, werden die Daten auf Knopfdruck an die Produktion bei thyssenkrupp übermittelt.

Abseits der plakativen Beispiele nimmt auch Softwareentwicklung die Innovationsschmiede stark in Anspruch. Für den Kunden Liebherr wurde rund um einen Bagger eine IoT-Lösung gebaut, die mit über 1.000 Parametern – vom Standort des Fahrzeuges, seiner tatsächlichen Verwendung bis zur Tankfüllung –  heute das Management ganzer Baufahrzeugflotten erleichtert. Liebherr kann damit seine Produkte auch in einem Servicemodell vermarkten. Ebenfalls sind Kräne mit der Lösung ausgestattet, um Wartungszyklen zu optimieren. Zühlke entwickelte das erste Portal, auf dem jetzt Lieberherr mit seinem eigenen Team immer wieder neue Services entwickelt.

»Die Fragestellung bei den Kunden ist oft die gleiche – ein digitales Ökosystem um ein physisches Produkt zu bauen«, sieht Nikolaus Kawka noch Riesenpotenzial für hybride Innovationspartner. Was zählt, ist die Kompetenz, über Branchen zu springen und dabei eine Brücke zwischen Beratung und Umsetzung zu spannen.

Last modified onDienstag, 24 März 2020 12:24
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