"Wir haben immer noch die Startup-­Dynamik von damals" Featured

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40 Jahre Unternehmensjubiläum und eine Reihe neuer Produkte: Mit der elektronischen Reihenklemme als Grundbaustein und Standard der Automatisierungstechnik ist Beckhoff Automation heute weltweiter Marktführer – und plant, es zu bleiben.

Vor inzwischen 25 Jahren hatte Beckhoff eine Idee, welche die damalige Automatisierungstechnik revolutionierte: Mit der Busklemme wurde das etablierte Reihenklemmenprinzip erstmals mit der Feldbustechnologie kombiniert. Das zusammen mit WAGO Kontakttechnik entwickelte Endergebnis, ein modulares und offenes I/O-System für platzsparende, individuelle und hochflexible Konfigurationen, wurde auf der Hannover Messe 1995 vorgestellt.

Als Elektronik- und Kommunikationsspezialist setzte Beckhoff bei der elektronischen Reihenklemme bewusst auf eine Weiterentwicklung des damals existierenden Blockmodul-Konzepts, das den Verkabelungsaufwand für die I/O-Ebene bereits deutlich reduzierte. Das neue Busklemmen-Konzept ging jedoch noch einen Schritt weiter: Ziel war es, die traditionelle Reihenklemme durch eine elektronische Version zu ersetzen. Beckhoff nutzte für diese Innovation gezielt nicht nur die jahrelange Erfahrung in der Automatisierung, sondern insbesondere auch das spezifische Know-how in der Feldbustechnologie, bei der Kommunikationstechnik, im Schaltschrankbau sowie in der Entwicklung industrieller Hard- und Software. So entstand nicht nur die komplette Hardware, Software und K-Bus-Kommunikation für das Klemmensystem, sondern zudem eine vollständige Produktfamilie aus Buskoppler, Signal- und Systemklemmen. Nach der Einführung der Busklemme im Jahr 1995 hat sich diese Technologie schnell als weltweiter und universell einsetzbarer Automatisierungsstandard etabliert. In besonderem Maß gilt dies für das Systemkonzept von Beckhoff: Die 25 Jahre Entwicklungs- und Anwendungserfahrung spiegeln sich im breitesten I/O-Portfolio am Markt wider. So kommt die Bus- und EtherCAT-Klemmentechnologie heute in einem äußerst breiten Applikationsspektrum zum Einsatz, von der klassischen Maschinenautomatisierung über die Ethernet-basierte Gebäudeautomation bis hin zur Prozesstechnik.


Bild: Hans Beckhoff steht seit 40 Jahren seinem Unternehmen vor – und fühlt sich gar nicht so alt.

»Es ist interessant zu sehen, wie die Grundbausteine der Automatisierungstechnik, die wir für den Maschinenbau entwickelt haben, auch in vielen anderen Bereichen angewendet werden«, betont Inhaber Hans Beckhoff. Der Hersteller wächst mit seinem breiten Portfolio seit Jahren auch in Märkten wie Gebäudetechnik und in der Prozessindustrie. »Auch dort werden unsere Klemmen, unsere PCs und unsere Kommunikationstechnik eingesetzt.«

Besonderen Spaß aber machen dem geschäftsführenden Firmeninhaber, der eigentlich Kernphysik studiert hat, wissenschaftliche Anwendungen. Beckhoff hat mit Steuerungs- und Kontrollelemente zu dem Projekt LIGO beigetragen, einem viel beachteten Gravitationswellen-Interferometer in den USA. Die Bausteine des Herstellers helfen nun, Kollisionen von schwarzen Löchern zu detektieren.

Mehr »Down to Earth« sind Bestandteile für Radarfallen im Straßenverkehr oder für ausgeklügelte Anwendungen in der Veranstaltungstechnik. Es gibt kaum Schalt- und Regeltechnik, in der nicht die Produkte des Paradeunternehmens aus Deutschland zu finden sind. Das erfolge nach festem Plan, so Beckhoff: »Wir versuchen unsere Automatisierungstechnik möglichst breit einzusetzen.«

Mit weltweit 4.350 MitarbeiterInnen bewegt sich der Personalstand des Herstellers auf der gleichen Höhe wie im Jahr 2019. Jene Stellen, die im Produktionsbereich weniger wurden, wurden mit der weiter wachsenden Entwicklungssparte unterm Strich kompensiert. 1.700 Mitarbeiter sind Ingenieure oder haben eine ähnliche Ausbildung. »Wir sind ein kopflastiges Unternehmen und das ist in der Automatisierungstechnik auch notwendig«, betont er. Die enorme Vielfalt der Produkte und Lösungen bedarf vieler kleiner Gruppen an Spezialisten.

Allein in Deutschland hat Beckhoff 23 Niederlassungen, gesamt ist der Hersteller weltweit in 40 Ländern vor Ort vertreten. In 74 Ländern ist man über Distributoren aktiv. 903 Millionen Euro Umsatz wurden im Vorjahr erzielt. 2020 soll ein um gut zwei Prozent besseres Betriebsergebnis erzielt werden. »Unter den gegebenen Umständen in diesem Jahr sind wir mit diesem Ergebnis sehr zufrieden«, rechnet Beckhoff, damit auch über dem Branchendurchschnitt zu liegen. Er ist für 2021 optimistisch: Viele Maschinenbauer würden nach einem Geschäftsrückgang wieder stärker wachsen. Hans Beckhoff geht von einem »kräftigen einstelligen« Wachstum für 2021 aus.

Weltweit erfolgreich
Jüngste Standortzuwächse verzeichnet das Unternehmen in Estland und in Vietnam, mit einem Büro in Houston, USA, mit Fokus auf die Öl- und Gasindustrie und einem technischen Büro für Antriebstechnik in Vancouver, Kanada. Die Corona-Pandemie hätte bislang keinen negativen Einfluss auf die operative Tätigkeit des Unternehmens gehabt, auch die Lieferketten hätten gehalten.

Man habe in den vergangenen beiden Jahren zwar ein Umsatzplateau erreicht, will aber die Wachstumskurve trotzdem weiterschreiben. »Wir haben aber immer noch die Startup-Dynamik und das Gefühl von damals«, sagt der langjährige Geschäftsführer. »Auch wenn wir ein 40 Jahre altes Startup sind«.


Hintergrund: 40 Jahre Beckhoff Automation
Begonnen hat alles im Jahr 1980 in einer kleinen Garage, in der Hans Beckhoff für die Kunden eines elterlichen Elektroinstallationsbetriebes erste Schaltschränke baute. Eine Mikroprozessor-Kontrollkarte war dann das erste Produkt für Steuerungen, mit einem damals beachtlichen 12-Bit-Prozessor mit 4 Kilobyte EPROM-Speicher an Bord. 1990 wurde das erste Motherboard aus eigener Produktion vorgestellt. Es war seiner Zeit voraus, Beckhoff konnte damit ungewöhnlich kompakte PCs für die Industrie bauen. 1995 wurden Busklemmen im Markt eingeführt, 2003 wurde der EtherCAT-Standard für Echtzeit-Ethernet-Anwendungen vorgestellt – beides ein Welterfolg bis heute. Im ersten Jahr machte Hans Beckhoff umgerechnet 25.000 Euro Umsatz. Nach vier Jahrzehnten nahezu kontinuierlichen Wachstums erzielt Beckhoff Automation heute weltweit über 900 Millionen Euro Umsatz – das 36.000-fache im Vergleich zu 1980.




Neuvorstellungen bei Beckhoff

Dienste in der Cloud

Mit der TwinCAT-IoT-Produktfamilie stellt Beckhoff seit 2015 vielfältige Möglichkeiten für die IoT-Kommunikation zur Verfügung. Eine solche Datenübertragung in die Cloud oder zwischen vernetzten Maschinen eröffnet ein großes Steigerungspotenzial für die Produktionseffizienz. Nun kann auch MindSphere, das Industrial IoT als Servicelösung von Siemens, eingebunden werden.

Kompatibles Betriebssystem
Mit TwinCAT/BSD stellt Beckhoff ein neues Betriebssystem vor, das die Vorteile von Windows CE – kostengünstig und kleiner Footprint – mit den zahlreichen Eigenschaften der großen Windows-Betriebssysteme kombiniert. Dabei kombiniert TwinCAT/BSD die TwinCAT Runtime mit FreeBSD, einem industriell erprobten und zuverlässigen Open-Source-Betriebssystem.

Integrierter Servoverstärker
Die EtherCAT-Klemmen ELM72xx sind Servoverstärker im robusten Metallgehäuse mit Ausgangsstrom von bis zu 16 A bei 48 V DC-Spannung für die Leistungsversorgung. Sie erweitern die kompakte Antriebstechnik im Klemmenformat und bieten alle aktuellen Technologie-Features bei einer gegenüber den vergleichbaren EL-Ausführungen erhöhten Leistung und Funktionalität. Die Servoklemmen lassen sich direkt an die EtherCAT-Klemmen anreihen. Zur Funktionalität zählen der direkte Anschluss von Motor oder Bremse über das Stecker-Frontend.

Lüfterlose Rechenpower
Der Ultra-Kompakt-Industrie-PC C6027 von Beckhoff ist als lüfterloses Gerät konzipiert und bietet dabei trotz seiner geringen Abmessungen die hohe Intel-Core-i-Rechenleistung. Im Vergleich zum bereits im Markt eingeführten IPC C6025 verfügt er über eine zweite Platinenebene mit optionalen Schnittstellen oder integrierter 1-Sekunden-USV. So eignet sich der C6027 in der ersten Variante mit insgesamt neun Ethernet-Ports optimal als IoT- oder Security-Gateway zur Verbindung verschiedener Maschinen- und Anlagenmodule.

Last modified onMittwoch, 16 Dezember 2020 14:12
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