Effizienz in allen Lagen

Foto: Die 96 Arkaden der Felsenreitschule boten früher dem Publikum Platz. Heute werden bis zu 1.437 BesucherInnen im regulären Zuschauerraum mit einer ausgeklügelten Audioanlage, installiert von Siemens, beschallt. Foto: Die 96 Arkaden der Felsenreitschule boten früher dem Publikum Platz. Heute werden bis zu 1.437 BesucherInnen im regulären Zuschauerraum mit einer ausgeklügelten Audioanlage, installiert von Siemens, beschallt. Fotos: Andreas Kolarik

Siemens optimiert Gebäudetechnik unterschiedlichster Art in Salzburg: vom Inspizientenpult bei den Salzburger Festspielen bis zum Thermenbecken in Bad Gastein.

Die Felsenreitschule, mit ihren in den Stein gehauene Arkaden das wohl bekannteste Haus im Festspielbezirk Salzburgs, blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. 1693 am Platz eines Steinbruchs errichtet, wurde sie als Sommerreitschule für die Pferde des Erzbischofs und für Tierhetzen verwendet. Nach dem ersten Weltkrieg wird sie mit der Gründung der Salzburger Festspiele Teil des großen Friedensprojekts der Kunst. Mit einer Auslastung von 97 %, 206 Aufführungen an 18 Spielstätten und 260.000 verkauften Karten waren die Salzburger Festspiele auch heuer wieder  bedeutendstes Klassik-Festival der Welt.

Seit 1996 unterstützt Siemens die Festspiele, seit 1999 als Hauptsponsor. Neben der Veranstaltung der »Siemens Fest>Spiel>Nächte«, frei zugänglichen Open-Air-Aufführungen am Kapitelplatz, serviciert das Technologieunternehmen mehrere Spielstätten umfassend mit Gebäudetechnik: das Große Festspielhaus, das Haus für Mozart und die Felsenreitschule.

Brandschutz und Kontrolle

Bild oben: Mike Pichler, Branch Manager Building Technologies, und Wolfgang Schneider, Siemens-Niederlassungsleiter Salzburg, wollen den Kunden mit lokaler Servicemannschaft und zentralisiertem Know-how auf Augenhöhe begegnen.

Mit der Kombination von Produkt, Installation, Monitoring und Wartung serviciert Siemens Kunden wie die Salzburger Festspiele ganzheitlich. So etwa mit der Sigmays-Brandmeldeanlage: 1.823 automatische Brandmelder und 179 nichtautomatische Brandmelder überwachen die verschiedensten Bereiche des Hauses. Darüber hinaus wurde ein Wächterrundgang in das System integriert. Der Brandschutz wird durch Rauchansaugsysteme und eine Evakuierungsanlage ergänzt, über die im Notfall Anweisungen gegeben werden. Die Technik wird übrigens auch im benachbarten Dommuseum eingesetzt. Ebenso wie im Festspielhaus sind dort grobe bauliche Maßnahmen bei der Errichtung der Brandmeldeanlagen nicht möglich. Deshalb kommen in den teilweise sehr hohen Räumen Linearmelder zum Einsatz. Sie detektieren Rauchpartikel auch geringerer Konzentration, ortsunabhängig im über den gesamten Raum.

Schutz gibt es auch hinsichtlich Personen- und Zutrittskontrolle. Die Eingänge für den Bühnen- und Verwaltungsbereich werden mit Kameras überwacht. Jeden Festspielsommer werden gut 7.000 Bildausweise schnell und fälschungssicher hergestellt. Sie ermöglichen auch eine einfache Arbeitszeiterfassung sowie bargeldlosen Zahlungsverkehr beim Personaleinkauf oder Kantinenbesuch. »Im Bereich Sicherheit geht es meist nicht nur um technische Systeme und Lösungen. Auch Prozesse und Governance-Richtlinien sind ein fester Bestandteil«, erklärt Mike Pichler, Branch Manager der Division Building Technologies bei Siemens.

Zugeschnittene Technik

Im Bereich der Gebäudeautomatisierung hat Siemens bei den Festspielen ein spezielles Feld betreten: Ein eigenes, gemeinsam mit den Bühnentechnikern entwickeltes Inspizientenpult hilft bei der Koordination der Einsätze der Schauspieler, von Licht- und Tontechnik. Im Notfall kann der Inspizient auch Evakuierungsdurchsagen starten und den Kontakt zu den Behörden herstellen. Die vernetzte Beschallungsanlage hat im Haus für Mozart 216 Lautsprecherkreise. In der Felsenreitschule sind 81 Lautsprecherkreise in Betrieb. Eine mit allen Häusern vernetzte Simatic S7-400-Steuerung kommuniziert mit den verschiedensten Anlagen.

Bild oben: Badehospiz-Geschäftsführer Norbert Elmauer und Energieffizienz-Experte Johannes Sturm haben die Heiz- und Warmwasserbereitung des Traditionsbetriebs völlig neu aufgestellt.

Die Steuerungstechnik an sich ist bei Projekten wie diesem nichts wesentlich Neues. Was nun hinzukommt, ist die IT. »Das verändert die Art und Weise, wie wir Gebäudeautomatisierung sehen – und eröffnet gleichzeitig viele neue Wege für kundenspezifische, angepasste Lösungen und auch neue Service- und Preismodelle«, ist Pichler überzeugt. Er betont, die Digitalisierung nur als technisches Mittel zum Zweck zu sehen, für den unmittelbaren Nutzen für den Kunden.

Von besonderer Bedeutung für ein Festspielhaus ist es, dass sich Innentemperatur und Luftfeuchtigkeit präzise steuern lassen und konstant bleiben. Unterhalb des Großen Festspielhauses wird das kalte Wasser des unter der Stadt laufenden Almflusses umgeleitet und zur Klimatisierung genutzt. Zwei Wärmetauscher sind wechselseitig über ein mehrstufiges Filtersys­tem an den Vor- und Rücklauf des natürlichen Gewässers geschaltet. Mit einer Umwälz-Leistung von 90.000 m³ Luft pro Stunde gelingt es, die Konzerthalle auf 23 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 55 % zu regulieren.

Die Nutzung des Almflusses hat ebenfalls Geschichte. Wurde er bereits im Mittelalter zur Trinkwasserversorgung erschlossen, dient seine Temperatur heute zur Kühlung großer Gebäude in der Stadt.

Experten am Werk

Mit der Verbindung aus Erfahrung – jährlich setzt Siemens Building Technologies weltweit mehr als 40.000 neue Sys­teminstallationen um –, Beratung und technischer Service, wird bei Kunden auch Heizungs-, Kühl- und Klimatechnik so effizient wie möglich gestaltet. Experten sprechen von gut zehn Prozent Einsparpotenzial bei den Betriebskosten eines Gebäudes, das allein durch Messung, Kalkulation und vergleichsweise kleine Maßnahmen erreicht werden kann.

Bild oben: Durch die Verbindung von virtueller und realer Welt können die Bedürfnisse von Gebäudeeigentümern, Facility Managern, Sicherheitsverantwortlichen und Nutzern erfüllt werden.

Über ein zentrales Servicecenter und die lokale Mannschaft in den Bundesländern möchte Siemens den Kunden beides bieten können: die Bündelung von Monitoring und Datenmanagement auf einer größeren Skala und trotzdem weiterhin persönlichen Service vor Ort. In vielen Fällen – bei gut 40 % der Incidents, heißt es – können Korrekturen vom Siemens-eigenen »Advance Service Center« aus vorgenommen werden. Der Vorteil ist klar: Fehler werden wesentlich schneller und kostengünstiger behoben.

Kostensparende Variante

Schauplatzwechsel nach Bad Gastein, 80 km südlich von Salzburg. Selbst für den Fall, dass bei größeren Projekten kein Budget für Sanierungsmaßnahmen verfügbar ist, gibt es passende Lösungen. Mittels Energieeinspar-Contracting werden Investitionen vorfinanziert und über die erzielten Einsparungen über einen Zeitraum von mehreren Jahren ausgeglichen.


Der Thermenbetreiber Badehospiz Bad Gastein, gegründet 1489 als älteste Privatstiftung Europas, hatte sich 2012 entschlossen, auf diese Weise eine Senkung der Energiekosten mit externer Hilfe zu schaffen. Nach Messungen und Analysen der Verbräuche – Fernwärme, Wasser und Strom – wurden von Siemens zunächst unverbindlich Effizienzmaßnahmen über eine Grobanalyse errechnet. Nach einer Vorkostenstudie wurde schließlich ein detailliertes technisches und wirtschaftliches Sanierungskonzept ausgearbeitet. Der Verbrauch von 2,2 Mio. kW Fernwärme, 14 Mio. Liter Wasserverbrauch und 800.000 kW Strom verur­sachte rund 370.000 Euro Energiekosten. Durch die Maßnahmen, die von Siemens gesetzt wurden, werden nun über 90.000 Euro jährlich eingespart.

Einbezogen in das Projekt wurden die Wärmebereitstellung, Warmwasserbereitung, Energieabgaben in den Zimmern und Verkehrsflächen, Lüftungstechnik, die komplette elektrische Versorgungsanlage, Leuchttechnik und Schwimmbad­technik. Im Hauptgebäude des Betreibers wurden bauliche Maßnahmen – eine Fassadendämmung und Fenstertausch – vorgenommen. »Wir haben ein komplettes Mess-, Steuer- und Regeltechniksystem aufgebaut, mit dem von einem zentralen Platz optimiert, gesteuert und überwacht werden kann«, erklärt Johannes Sturm. Er verantwortet die Entwicklung und den Vertrieb von Energieeffizienzprojekten bei Siemens in Salzburg. Die Anlagenhydraulik wurde optimiert und für die Anpassung von Luftverbrauch und -Qualität wurden bei den Lüftungsanlagen Förderstromoptimierungen und Drehzahlregelungen vorgenommen. Sie werden nun nach tatsächlichem Verbrauch betrieben. Große Mengen an Strom werden nun mit dem Einsatz von LED in den Gebäuden eingespart. »Der Einsatz von LED entlastet auch Wartungsarbeiten, da hier Leuchtmittel vergleichsweise selten ausgetauscht werden müssen«, folgert Sturm.

Bild oben: Petra Leiminger, Geschäftsführerin Felsentherme Bad Gastein, hat mit modernisierter Regeltechnik und Gebäudeautomatisierung die Energiekosten im Griff.

Eine Besonderheit in Bad Gastein ist das radonhaltige Thermalwasser, das bereits seit 2000 Jahren zu Heilzwecken genutzt wird. Das Wasser entspringt den Quellen im Ort und gelangt mit einer Temperatur von 42 Grad in die angeschlossenen Gebäude. Zur Therapie bei Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparats genutzt, findet es nun eine weitere Verwendung. Das Wasser wird nach dem Therapiebecken mit einer Temperatur von 34 Grad für Wärmetauscher aufgefangen. Ein maximaler Wirkungsgrad ist durch die neue Fußbodenheizung im gesamten Gebäude möglich. Eine Generalsanierung vor drei Jahren machte die Umrüstung mit baulichen Maßnahmen auf ein Niedrigenergiehaus möglich. Der Großteil der Wärmeversorgung funktioniert heute mit dem Thermalwasser, das aufgrund Jahrhunderte alter Nutzungsrechte dem Badehospiz kostenlos zur Verfügung steht. Die Ressource Wasser war bei den Einsparmaßnahmen auch in den 195 Zimmern des Hauses im Fokus. Durch spezielle Armaturen konnte der Verbrauch um die Hälfte reduziert werden.

»Bei Netto-Investitionskosten von rund 800.000 Euro kommen wir hier auf eine für Gebäudetechnik sportliche Amortisationszeit von 8,9 Jahren«, rechnet Johannes Sturm vor. Er sieht diese Wirtschaftlichkeit bei einer Lebensdauer von Anlagen und Komponenten von bis zu 30 Jahren als »sehr attraktiv«. Die Maßnahmen wurden 2015 abgeschlossen, mittlerweile befindet sich das Projekt in einer Phase, in der Siemens die Einsparungen garantieren muss. »Wir liegen sogar über den geplanten Einsparungen«, bestätigt Norbert Elmauer, Geschäftsführer der Stiftung Kurtherme Badehospiz. »Und wir sind rundum zufrieden – auch weil die Inbetriebnahme im Großen und Ganzen sehr gut gelaufen ist.«

Wasserverlust behoben

Ein weiteres Einsparung-Contracting, bei dem Siemens Building Technologies als Generalunternehmen agierte, wurde mit der Felsentherme Bad Gastein beschlossen. Die Therme feierte heuer ihren 50. Geburtstag. Optimierungsmaßnahmen wurden Ende 2017 abgeschlossen. Die Südseite des Gebäudes wurde mit einer energieeffizienten Dreifachverglasung erneuert. Im Technikraum sorgen jetzt frequenzgesteuerte Pumpen für optimierte Bädertechnik und Lüftungsanlagen, die auf die tatsächliche Besucherauslastung abgestimmt sind. Eine Rieseneinsparung konnten die Techniker im Außenbereich bewirken: Messungen hatten einen täglichen Wasserverlust von 200 m³ im Bereich des alten Schwimmbeckens ergeben.

Die in die Jahre gekommene Anlage verlor diese große Menge chemisch und thermisch aufbereiteten Wassers aufgrund von Rissen in Wänden und Boden. Gemeinsam mit einem Fachbetrieb für Schwimmbeckenbau wurde das Sportbecken in Edelstahl verkleidet. Zusätzlich sorgen nun Unterwasserspots für Schwimmatmosphäre am Abend.

»Ich freue mich jeden Monat auf die Energiekostenabrechnung«, verrät Felsenbad-Geschäftsführerin Petra Leiminger. »Früher sind wir mit unserer Technik bei der Vorgabe von 34 Grad Wassertemperatur an unsere Grenzen gestoßen. Heute haben wir haben sogar Kapazitäten nach oben.« Ein zentrales Gebäudemanagementsystem, Desigo CC, steuert Gebäudeautomation, Brandschutz, Sicherheit, Beleuchtung, Video und Energie integriert in einer Plattform.

Größeres Bild

»Siemens Building Technologies hat mehr als 400 Geschäftsstellen weltweit und über 27.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – gut 10.000 davon sind Servicetechniker. Wir errichten und installieren zwar Technik, betrachten uns vor allem aber als Serviceunternehmen«, betont Siemens-Manager Mike Pichler. »Unsere Kunden können sich auf ihr Tagesgeschäft konzentrieren und müssen sich nicht um Gebäudetechnik und Energiekosten sorgen.«

Rund zehn Prozent des Konzernumsatzes von Siemens weltweit macht die Gebäudetechniksparte aus. In Österreich wurden in diesem Segment zuletzt knapp 200 Millionen Euro Jahresumsatz erzielt, mit mehr als 700 Mitarbeitern.


Energieoptimierung

♦ Kunde: Badehospiz, Bad Gastein
♦ Investitionssumme: 910.000 Euro
♦ Einsparung Heiz-, Strom- und ­Wasserkosten: 90.000 Euro/Jahr
♦ Förderung: 108.720 Euro
♦ Amortisation: 8,9 Jahre
♦ Contracting: 10 Jahre

 

♦ Kunde: Felsentherme, Bad Gastein
♦ Investitionssumme: 1,54 Millionen Euro
♦ Einsparung Heiz-, Strom- und ­Wasserkosten: 154.000 Euro/Jahr
♦ Förderung: 195.000 Euro
♦ Amortisation: 8,7 Jahre
♦ Contracting: 10 Jahre

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