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Koxit vor Brexit

Koxit vor Brexit Foto: Thinkstock

Dem Vereinigten Königreich ist fast unbemerkt Erstaunliches gelungen: die Stromerzeugung durch schmutzige Kohle drastisch zu reduzieren.

Wenn Großbritannien in den Medien ist, ist seit dem Brexit-Referendum selten von Effizienz oder besonders durchdachten politischen Manövern die Rede. Außenstehenden Beobachtern scheint das Königreich fast undurchschaubar verstrickt in ein selbstverschuldetes Chaos aus populistischen Forderungen, sturem Wunschdenken und chaotischen Grabenkämpfen.
Umso erfreulicher, wenn zumindest in Sachen Klimapolitik gute Nachrichten von der Insel kommen: Großbritannien hat es bis Ende 2017 geschafft, den Anteil von Kohlestrom am britischen Strommix auf ein historisches Tief zu bringen. Nur sieben Prozent der britischen Stromerzeugung stammten Ende letzten Jahres aus Kohlekraftwerken. Zum Vergleich: In Deutschland, dem ehemaligen Musterschüler in Sachen Energiewende, beträgt der Kohleanteil am Strommix immer noch 40 Prozent.

No coal, please

Seit 2014 sind im Vereinigten Königreich mehr als zwei Dutzend Kohlekraftwerke vom Stromnetz gegangen und von Gaskraftwerken abgelöst worden. Die bis dato noch im Netz verbleibenden acht Kohlekraftwerke sollen spätestens 2025 abgeschaltet werden. Binnen fünf Jahren hat Großbritannien die CO2-Emissionen aus seiner Stromerzeugung um die Hälfte verringert. Wie gelingt so ein Kunststück – noch dazu wo noch 2012 ein Ansteigen von Kohlestrom am britischen Strommix zu beobachten war?

Die Antwort ist eigentlich simpel: Am 1. April 2013 verteuerte ein System namens carbon price floor die Herstellung von Strom durch Kohle drastisch. Der durch das System von der britischen Regierung eingeführte Zuschlag auf jede Tonne CO2-Emissionen beläuft sich auf etwa 20 Euro, die direkt an das Finanzministerium abgeführt werden müssen – wegen der bekannt hohen CO2-Emissionen bei der Verbrennung von Kohle führte dieses System zu einer schlagartigen Verteuerung des schmutzigen Energielieferanten. Gaskraftwerke, in Zeiten billiger Kohle und ebenso billiger CO2-Zertifikate kaum konkurrenzfähig, wurden plötzlich profitabler – und ersetzen inzwischen den Großteil der Kohlekraftwerke.

Gas und Erneuerbare

Der Wechsel von einem schmutzigen auf einen etwas weniger schmutzigen fossilen Energieträger ist zwar nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, doch letztlich, so sind sich auch britische Energiepolitiker einig, liegt die Zukunft bei Erneuerbaren.  2011 lag Großbritannien in Sachen Erneuerbare Energie noch weit zurück, inzwischen holt man auf – während frühere Musterschüler wie Deutschland merkbar zurückfallen.

Kein Wunder, dass das britische Modell des Koxit ebendort aufmerksam beobachtet wird. Die Stellschraube des CO2-Preises sei vielleicht ein taugliches Instrument, auch in Deutschland bis 2020 Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von fünf Gigawatt stillzulegen, ließ ein Experte des deutschen Umweltbundesamtes das Wochenmagazin Die Zeit wissen. Der widerwillige Abschied von Kohlekraftwerken bremse die deutsche Energiewende aus. Seinen Namen wollte dieser Bewunderer des britischen Systems bei der deutschen Behörde übrigens dann doch nicht in der Zeitung lesen.

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