Ewige Rente

 

Ein Umstieg auf ein modernes Heizsystem könne Energie sparen und die Konjunktur beleben, meint Georg Patay, Prokurist und Marktentwicklungsleiter bei Vaillant Österreich.

Er fordert deshalb als Wirtschaftsimpuls eine bundesweite Verschrottungsprämie für alte Heizkessel. Gas werde weiterhin einer der effizientesten und umweltfreundlichsten Energieträger bleiben und könne auch helfen, den wachsenden Stromverbrauch abzudecken, ist er überzeugt.

 

 In Wien gibt es mehr als 110.000 Erdgas-Heizgeräte, die älter als 20 Jahre sind. Sie heizen größtenteils nicht effizient, verbrauchen zu viel Energie und belasten Umwelt und Geldbörsen. Aus diesem Grund kooperiert die Stadt Wien mit Wien Energie, der Vereinigung der Kessellieferanten und den Installateuren, um den Heizgerätetausch massiv zu forcieren. Insgesamt stellt Wien elf Millionen Euro für den Umstieg von alten Gas-Heizwertkesseln auf moderne Gas-Brennwertgeräte bereit. Dies sei jedoch keine »Verschrottungsprämie« des Bundes, wie sie die Automobilindustrie erfolgreich durchgesetzt hat, meint Georg Patay, Prokurist und Leiter der Marktentwicklung beim Kesselhersteller Vaillant Österreich, dessen Unternehmen auch bei der Wiener Brennwert-Tauschaktion mitmacht. Eine solche befristete Bundesförderung für den Tausch eines alten gegen einen neuen Heizkessel wäre allerdings für die Umwelt, das Portemonnaie und auch für die heimische Volkswirtschaft weitaus effizienter als die Autoprämie, zeigt sich Patay überzeugt: Denn mit einem modernen Brennwertkessel könne man 30 bis 40 % Energie einsparen, bei Kombination mit Solarthermie sogar bis zu 50 %. »Das entspricht einer jährlichen Einsparung von 800 bis 1.000 Litern Heizöl. Diese Einsparung würde umgelegt auf ein Auto bedeuten, 14.000 Kilometer oder im Schnitt ein Jahr gratis fahren zu können«, rechnet Patay vor und argumentiert, dass ein Neuwagen diese Einsparung, umgelegt auf Kraftstoff, nicht bringen könne. Darüber hinaus zählt für Patay das volkswirtschaftliche Argument: »Ein neuer Heizkessel bringt mindestens 20 Prozent Wertschöpfung im Inland – und dies hauptsächlich für Klein- und Mittelbetriebe –, während der Kauf eines neuen Kleinwagens diese nicht primär unterstützt.« Sinnvoll wäre eine Heizkessel-Verschrottungsprämie in einer Größenordnung von 500 bis 1.000 Euro, so Patay  – egal, ob von Heizöl auf einen Öl-Brennwertkessel, auf Pellets oder auf eine moderne Wärmepumpenanlage gewechselt wird oder ob ein alter Gas-Heizkessel auf eine effiziente Gas-Brennwertanlage mit Solarkombination getauscht wird.
Zusätzlich gibt die Stadt Wien seit Anfang 2009 einen einmaligen Baukostenzuschuss von 8.000 Euro für die Installation eines gasbetriebenen Mini-Heizblockkraftwerks sowie bis zu 7.000 Euro, wenn in einem Neubau eine Wärmepumpe installiert wird. »Damit ist Wien ein innovativer Vorreiter in Sachen Umweltpolitik in Österreich«, lobt Patay. 

Genug Gas zum Heizen
Vaillant hat als energieneutraler Heizgeräteanbieter nicht nur Gasgeräte im Programm, sondern auch Ölbrennwertkessel, Pelletskessel, Wärmepumpen, Systeme für kontrollierte Wohnraumlüftung, Sonnenkollektoren, Klima- und Elektro-Warmwassergeräte sowie Mini-Blockheizkraftwerke. Am österreichischen Heizkesselmarkt dominieren die Gasgeräte mit rund 50 % – und das wird sich mittelfristig auch nicht so schnell ändern. Daher sieht Patay den größten Hebel bei der CO2-Reduktion in Energieeffizienzmaßnahmen und schätzt, bei rund 600.000 in Österreich installierten Heizkesseln, die älter als 20 Jahre sind, das Gastauschpotenzial auf rund 200.000. Trotz der Verunsicherungen während der Gaskrise, zu der laut Patay primär auch die Medien beigetragen haben, war in Österreich kein Haushalt durch mangelnde Gaslieferungen betroffen, denn die österreichische Inlandsgasproduktion deckt zu fast 100 % den Raumwärmemarkt ab. Patay glaubt auch an den weiteren Einsatz von Gas. Dennoch heiße das wichtigste wirtschaftspolitische Ziel Energiesparen und die Schaffung eines positiven und optimistischen Wirtschaftsklimas, ist er überzeugt. Denn es sei davon auszugehen, dass alle Energieträger, Öl, Gas, Holz, Strom und Fernwärme, teurer werden.  

Heizblockkraftwerk im Keller
Gleichzeitig stelle sich aber die Frage, wie man den jährlichen Anstieg beim Stromverbrauch von zwei bis drei Prozent sinnvoll aufbringen kann. Mit Wind- und Wasserkraft alleine könne der nicht gedeckt werden, glaubt Patay: »Das Potenzial für den Ausbau ist endlich. Daher werden wir in Zukunft verstärkt auf innovative Technologien wie Photovoltaik und die dezentrale, gasbetriebene Kraft-Wärmekopplung setzen.« Aber auch die Solarthermie will Vaillant Austria verstärkt forcieren und hat dazu im Oktober einen »Solarpark« in Wien errichtet, der Fachbesuchern die Gelegenheit bietet, erneuerbare Energien wie etwa die thermische Sonnenenergie 1:1 zu erleben. Diese ist nicht nur für den Einfamilienhausbereich, sondern auch für Dachbodenausbauten und für den großvolumigen Wohnbau ein Thema, so Patay: Über zentrale Speicher, die mithilfe der Sonne mit Warmwasser gespeist werden, kann auch ein mehrgeschoßiges Gebäude mit Wärme versorgt werden. Ein solches System sei allerdings primär nur für Neubauten wirtschaftlich, räumt Patay ein: »Die nachträgliche Installation einer zentralen Warmwasseraufbereitung mit Zuleitungen in jede Wohnung rechnet sich nicht.«  

Kesseltausch statt Sparbuch
Auswirkungen der Finanzkrise auf den österreichischen Kesselmarkt kann Vaillant derzeit nicht feststellen. Der Gaskesselmarkt 2008 zeige ein stabiles Niveau mit geringem Wachstum, das ausschließlich aus dem Bereich Brennwertkessel stammt, während der Markt für konventionelle Heizwertkessel im Schrumpfen begriffen sei, erzählt Patay. Auch der Markt für Öl-Brennwertkessel steigt, obwohl der Kesselmarkt im Ölbereich seit 1997 insgesamt fällt und von 2007 auf 2008 um ein weiteres Drittel auf circa 4.000 Kessel zurückgegangen ist. Wärmepumpen, Solarthermie, aber auch Pelletskessel verzeichneten im Jahr 2008 ein zweistelliges Wachstum. Aber auch die Heizungswärmepumpen werden in Österreich immer beliebter, wobei ein Absatz von mehr als 13.000 Stück für das Jahr 2008 zu erwarten ist.  Generell kommt der Zuwachs bei den Heizsystemen zum Großteil aus der Sanierung. In diesem Bereich hofft Vaillant-Prokurist Patay auf eine »Sonderkonjunktur« in Zeiten der Wirtschaftskrise. Denn während der Neubau aufgrund der restriktiven Kreditvergabe durch die Banken zurückgehen wird, werde diese Krise bei der Sanierung von Heizsystemen grundsätzlich nicht schlagend: »Für eine Heizungsmodernisierung nimmt man sich grundsätzlich keinen Kredit«, meint Patay und will die Menschen davon überzeugen, ihr Geld lieber in einen neuen Kessel zu investieren, statt es auf ein Sparbuch zu legen. »Eine solche Investition ist eine ewige Rente, die mehr bringt als Sparbuchzinsen«, meint er und warnt gleichzeitig davor, das von der Regierung geschnürte Konjunkturpaket ausschließlich für die thermische Gebäudesanierung zur Verfügung zu stellen: »Die Kunden müssen die Wahlmöglichkeit zwischen thermischer Sanierung oder Heizungsmodernisierung bekommen«, möchte Patay von der Bundesregierung mehr Flexibilität sehen. So sei etwa bei einem Einfamilienhaus mit einer effizienten Heizungswärmepumpe, kombiniert mit der Wärmedämmung der obersten Geschoßdecke, eine optimale Energiesparlösung zu erreichen, ist Patay überzeugt. Ungerecht findet er, dass man mit Maßnahmen wie der Verschrottungsprämie für Autos einem Sektor den Vorzug gegeben hat, der nur für rund ein Drittel des Endenergiebedarfs der Haushalte verantwortlich ist, während im Bereich Wohnen zwei Drittel der Energie für Heizung, Warmwasser und Strom eingesetzt werden. »Die Heizungsbranche ist die Schlüsselindustrie für das Ener­giesparen und für die Erreichung der hochgesteckten Umweltziele« und dies sollte auch in der Realpolitik entsprechend berücksichtigt werden, fordert Patay. Denn volkswirtschaftlich betrachtet ist eine Heizungsmodernisierung eine dreifache Chance: »Die Beschäftigung steigt, die Umwelt wird entlastet und die Inflation gedämpft, weil mit der größeren Effizienz moderner Heizkessel weniger Energie verbraucht wird«, so Patay.             

Die Vaillant Group ist international mit sieben Heiztechnikmarken vertreten. Firmensitz ist Deutschland. Mit externen Partnern werden 93 Standorte in über 80 Ländern betrieben. Vaillant Austria hat Vertriebsstandorte in Wien, Salzburg, Graz, Traun und Innsbruck.  

 

 
Last modified onMontag, 23 Februar 2009 12:37
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