Energie ist nichts Esoterisches

Mit dem Energieinstitut der Wirtschaft will Friedrich Kapusta eine Plattform für Klein- und Mittelbetriebe schaffen, um ihnen Energieeffizienz näher zu bringen. Emotionalisierung sieht er dabei als Schlüssel zu diesem abstrakten Thema.

Die Zahl von Verbänden und Vereinen korreliert – zumindest in Österreich – verlässlich mit der Wichtigkeit eines Themas und ist damit Gradmesser für dessen politische und gesellschaftliche Relevanz. Dass das Thema Energie einen immer wichtigeren Stellenwert in der öffentlichen Diskussion einnimmt, zeigt die sprunghafte Verbandsvermehrung in diesem Bereich. Energieagentur, Gesellschaft für Umwelt und Technik, Dachverband Energie-Klima, der 2007 von der Bundesregierung gegründete Klima- und Energiefonds und das heuer vom Umweltministerium ins Leben gerufene Kompetenzzentrum Umwelttechnologie sind nur eine Auswahl.

 Seit April 2008 darf sich Österreich über eine weitere Gesellschaft freuen: das Energieinstitut der Wirtschaft (EIW). Diese der Wirtschaftskammer Österreich samt drei Fachverbänden sowie der Industriellenvereinigung gehörende Gesellschaft erhält, zum Unterschied von anderen Verbänden, keinerlei Fördermittel, sondern muss als gemeinnützige Gesellschaft Geld für ihre Programme selbst aufstellen, erzählt Geschäftsführer Friedrich Kapusta. Die als Plattform für kleine und mittlere Unternehmen konzipierte Gesellschaft will Betriebe aus dem produzierenden und auch aus dem Dienstleistungssektor für das Thema Energieeffizienz sensibilisieren. Erster Schwerpunkt  ist deshalb eine »KMU-Initiative«, die  vom Klima- und Energiefonds finanziert wird und Anfang Februar starten soll. Diese Initiative wurde vom Institut vorgeschlagen und wird in der Abwicklung begleitet. Etwa 3500 KMU-Betriebe, sowohl im produzierenden als auch im Dienstleistungssektor, sollen in diesem Programm von speziell ausgebildeten KMU-Energieberatern betreut werden. Kapusta möchte dabei auch seine langjährige Erfahrung einbringen, was im Bereich Energieeffizienz möglich ist. Dazu hat das EIW eine dreitägige Ausbildung von Energieberatern ausgearbeitet, die von technisch-betriebswirtschaftlichen Themen über Kommunikation und Motivation bis zu Energiemanagement und Fragen der Förderungen reicht.   

 

Fokus auf Umsetzung und Emotionalisierung

 

»Wir konzentrieren uns bei unserer Arbeit wesentlich auf die Unterstützung der Umsetzung von Energiesparmaßnahmen in Betrieben«, erläutert Kapusta die Zielrichtung des Instituts. Informationsvermittlung stehe an erster Stelle. Das gilt auch für das im Moment viel diskutierte Thema thermische Gebäudesanierung, die im betrieblichen Bereich auch ein Arbeitsschwerpunkt des Energieinstituts ist. Dabei gehe es in erster Linie um Informationen und Maßnahmen, die zu einer Zusammenarbeit zwischen Immobilien-eigentümern und Nutzern führen sollen. »Das betriebswirtschaftliche Potenzial dazu ist da«, ist Kapusta überzeugt. Mit Energiemanagement, der Nutzung erneuerbarer Energien und innovativen Lösungen etwa bei der Abwärmenutzung und der Wärmerückgewinnung sowie beim Fuhrpark eines Betriebs können bis zu 20 Prozent Energie eingespart werden, meint der Eigentümer eines nieder-österreichischen Planungs- und Beratungsunternehmens. Das EIW möchte dabei als Verbindungsglied zwischen den Betrieben, Beratern und den Ausführenden fungieren. »Denn wir sind immer wieder mit Fällen konfrontiert, wo Berater gute Ideen haben, der Betrieb mit dem Beratungsbericht zum Installateur geht, dann aber etwas ganz anderes ausgeführt wird«, so Kapusta.

 Sein Ziel sei es, mehr Emotion in das eher abstrakte Thema Energieeffizienz zu bringen. »Nur über den Kopf ist das Thema Energieeffizienz nicht zu bewältigen«, stellt Kapusta klar. Der EIW-Geschäftsführer möchte das Thema »von der esoterischen Ebene« herunterbrechen auf eine Basis, wo sich kleine und mittlere Unternehmen über ihre Erfolge und Probleme in diesem Bereich austauschen. Dass es eine Vielzahl an ähnlich orientierten Verbänden und Vereinen gibt, stört Kapusta nicht. »Man kann im Energieeffizienzbereich nicht genug tun«, meint er.           

 

Last modified onMontag, 02 Februar 2009 04:42
back to top