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Bewegung im heimischen Gasmarkt

»Die Marktliberalisierung ist EU-weit bereits seit 2002 in Kraft. In Österreich hat es ein bisschen länger gedauert. Seit Anfang 2013 ist nun Bewegung am Markt zu spüren.« »Die Marktliberalisierung ist EU-weit bereits seit 2002 in Kraft. In Österreich hat es ein bisschen länger gedauert. Seit Anfang 2013 ist nun Bewegung am Markt zu spüren.«

Es kommt Bewegung in den heimischen Gasmarkt. Die Propan Rheingas-Tochter Vitalis adressiert kleinere und mittlere Betriebe. Geschäftsführer Ulf Stadler ist trotz der bis dato geringen Wechselraten optimistisch.

Report: Herr Stadler, an welche Kunden wenden Sie sich in Österreich?

Ulf Stadler: Wir sind als Energiehandelshaus seit 2002 in Wien tätig und haben uns bis Ende 2012 ausschließlich mit Flüssiggas – Propan und Butan, hauptsächlich zum Heizen und als Autotreibstoff – befasst. Vitalis fokussiert seit jeher auf den südosteuropäischen Markt, ich habe unser Geschäft zudem nun verstärkt auf Österreich und Deutschland neu ausgerichtet. Wir setzen als Energiegroßhandelsunternehmen in etwa 60.000 Tonnen Flüssiggas jährlich ab. Dies ist bisher hauptsächlich außerhalb Österreichs passiert – der Markt hier ist mit einem Gesamtvolumen von rund 200.000 Tonnen eher begrenzt. Als zweites Standbein haben wir uns letztes Jahr entschlossen, ab 2013 auch am Erdgasmarkt in Österreich aufzutreten. Die Marktliberalisierung ist EU-weit bereits seit 2002 in Kraft. In Österreich hat es ein bisschen länger gedauert. Seit Anfang 2013 ist nun Bewegung am Markt zu spüren.

Report: Der Erdgasmarkt war bislang nicht gerade durch eine hohe Wechselbereitschaft gezeichnet.

Stadler: Der Liberalisierungsprozess hat in Deutschland früher begonnen und hatte ebenfalls einen schleppenden Anlauf. Letztlich ist der Markt durch Player wie Propan Rheingas und andere neu aufgemischt worden. Anfangs hatten die großen Platzhirsche in Deutschland ebenso versucht, die Neuankömmlinge, die ja das Gas von ihnen kaufen mussten, aus dem Markt rauszuhalten. Das hat aber nicht funktioniert. Wenn jemand in einen Markt will, können Sie ihn auf Dauer nicht davon abhalten. Über die Jahre ist nun ein breiter Wettbewerb unter den Anbietern entstanden, der zu immerhin 8 bis 9 % Wechselrate geführt hat. Im Vergleich zu Österreich: Hier haben wir 1,2 %. Ich bin aber überzeugt, dass eine höhere Wechselbereitschaft auch in Österreich kommen wird. Vitalis adressiert KMU mit einem Verbrauch von 50.000 bis 5 Mio. kWh als potenzielle Kunden.

Report: Ist die verhaltene Wechselrate der geringeren Größe des österreichischen Marktes geschuldet?

Stadler
: Nein, das würde ich nicht sagen. Die E-Control tut als Kontrollbehörde sehr viel für den österreichischen Endverbraucher, für Industrie und Gewerbe. Man ist wirklich bemüht, den Wettbewerb in Gang zu bringen. Die Platzhirsche wie Wien Energie, EVN oder Kelag haben es allerdings immer gut verstanden, die Kunden an sich zu binden. Man sponsert Sportvereine, kennt sich untereinander und warnt immer wieder vor drohenden Versorgungsproblemen bei einem Anbieterwechsel. Das ist natürlich Humbug. Auch wir beziehen unser Gas ja von einem großen Anbieter, der in Österreich Gasspeicher hat. Die Einsparmöglichkeiten bei Energie sind bei vielen Unternehmen im KMU-Bereich schlichtweg nicht oder zumindest kaum auf dem Radarschirm. Ein Wechsel ist für den Kunden heute sehr sehr einfach, denn als Anbieter übernehmen wir sämtliche Formalitäten. Das Einzige, was wir für die Kalkulation eines Angebots brauchen, sind die letztjährigen Verbrauchszahlen des Unternehmens. Wenn wir potenzielle Kunden ansprechen merken wir häufig, dass das Thema Energieeinkauf, obwohl es beträchtliche Kosten verursacht, nicht auf der Tagesordnung vieler KMU steht. Fakt ist, dass Energie immer teurer wird, auch aufgrund der Begrenztheit der Ressourcen sowie der Entwicklung der Bevölkerungszahlen weltweit und der dadurch bedingten höheren Nachfrage. Kosten können dann nicht nur durch einen bewussteren Umgang mit Energie, sondern auch durch einen Anbieterwechsel gespart werden – bis zu 20 bis 25 % per annum. Mitunter werden unsere Angebote einfach auch als Preisbrecher beim bisherigen Anbieter eingesetzt, obwohl der Kunde offensichtlich in den letzten Jahren zu viel bezahlt hat.

Report: Wieso können Sie Gas günstiger anbieten?

Stadler
: Wir haben mit nur sieben Mitarbeitern einfach einen sehr schmalen Gemeinkostenblock. Ziel ist, die gleiche Angebotspalette Flüssiggas und Erdgas und später auch Strom wie unsere Muttergesellschaft von Österreich aus für die Region Zentral- und Osteuropa anzubieten. Ich bin überzeugt, dass mit dem Eintritt neuer Gasanbieter sich auch hier künftig noch viel ändern wird.

Last modified onMittwoch, 29 Januar 2014 10:58
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