Smarte Zähler, neue Möglichkeiten

(Foto: Siemens) Bis Ende 2015 müssen Österreichs Netzbetreiber 70 % der Stromzähler durch intelligente Messgeräte ersetzen. (Foto: Siemens) Bis Ende 2015 müssen Österreichs Netzbetreiber 70 % der Stromzähler durch intelligente Messgeräte ersetzen.

In den Adern der Energienetze fließt mehr und mehr IT.  Welche Pilotprojekte in Österreich richtungsweisend sind. Wie es um Smart-Meter-Investments der großen Energieversorger und deren Netzbetreiber steht. UPDATE: Energie Steiermark und TIWAG.


Fakt ist: Die meisten technischen Rahmenbedingungen sind geklärt, wenige Punkte sind noch offen. Die Energieversorgungsunternehmen arbeiten derzeit an einem gemeinsamen Lastenheft für eine österreichweite, einheitliche Interpretation heikler Bereiche wie Sicherheit und Datenschutz. Bis Mitte des Jahres soll eine praktisch durchführbare To-do-List fertig sein, um sich auf eine detaillierte gesetzliche Grundlage für Investitionen in Smart Meter stützen zu können. Die Zeit drängt: Für den ersten Schritt, der in dem im April 2012 veröffentlichten Bundesgesetzblatt des Wirtschaftsministers (Intelligente Messgeräte – Einführungsverordnung, IME-VO) vorgesehen ist, ist der Tausch von zumindest 10 % der Stromzähler bis Ende 2015 vorgesehen. Viel mehr hat es aber die zweite Stufe in sich: Bis Ende 2017 müssen die Netzbetreiber bereits 70 % umgestellt haben. Gerade Betreiber im ländlichen Raum sehen dies aufgrund der nachteiligen topografischen Gegebenheiten als große Herausforderung. »Die Versorger, die hauptsächlich im städtischen Bereich agieren, haben es leichter. Anlagen mit 200 Zählern auf einem Fleck in großen Gebäuden – davon können wir nur träumen«, formuliert es ein Vertreter eines ländlich aufgestellten EVU. Bis Ende 2019 müssen die Netztöchter der EVU mindestens 95 % Smart Meter installiert haben – »im Rahmen der technischen Machbarkeit«, wie die Verordnung vorsieht. Aktuell gilt es nun, diese letzten Punkte zu klären, um mit den Rollouts möglichst bald beginnen zu können.

Ausnahmslos alle Landesenergieversorger haben Pilotprojekte zur Vernetzung von Stromzählern der neuen Generationen laufen. Die größten Projekte sind derzeit in Oberösterreich bei der Energie AG (rund 120.000 Zähler), der Linz AG (rund 80.000) sowie bei den Stadtwerken Feldkirch (circa 13.000) zu finden. Kleinere Pilotprojekte mit zumeist einigen hundert bis tausend installierten Geräten gibt es bei so gut wie allen größeren Netzbetreibern, darunter etwa auch die Stadtwerke Klagenfurt. Einer Auskunft der E-Control zufolge sind aktuell insgesamt in Österreich rund 180.000 Smart Meter installiert – wobei dies eher die Untergrenze ist. Die Zahl der Stromzähler in Österreich liegt bei rund 5,5 Millionen. Die 13 großen Netzbetreiber – die neun Landesnetzbetreiber sowie Linz, Klagenfurt, Innsbruck und Graz stellen in Summe 87 % der Zählpunkte. 15 Netzbetreiber mittlerer Größe verfügen über gesamt weitere 800.000 Zählpunkte. Die Regulierungsbehörde ist verpflichtet, den Stand und Ausbau der Smart Meter in Österreich zu monitoren. Ein erster detaillierter Bericht mit allen Pilotprojekten soll im Laufe des zweiten Quartals heuer veröffentlicht werden. In einer schnellen Fragerunde an Landesenergieversorger hat der Report folgende Fakten zusammengetragen:

Wien
Eine Ausschreibung für den Smart-Meter-Rollout wird auch in Wien erst unternommen, wenn alle rechtlichen und technischen Rahmenbindungen geklärt sind. Im Sommer dieses Jahres startet ein erster Pilot mit der Anbindung von insgesamt 3.000 Haushalten im Versorgungsgebiet Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. In den Monaten darauf werden die neuen Stromzähler grätzelweise, jeweils rund 250 bis 800 Stück, in der Hauptstadt respektive in einzelnen Ortschaften installiert. Dabei will Wien Energie Stromnetz unterschiedliche Technologien ausprobieren: Funk und Powerline. Im Piloten inbegriffen sind gut 200 technikaffine Demokunden, die ihre Erfahrungen dem Netzbetreiber aktiv kommunizieren, Anregungen und Feedback zu Prozessen und Software, wie etwa Apps, rückmelden. Der große Roll­out wird für 2014 erwartet. Der Netzbetreiber hat sich über den verordneten Stufenplan hinaus bis zum Jahr 2020 die hundertprozentige Abdeckung mit Smart Metern zum Ziel gesetzt. Zum Einsatz in dem Piloten kommen Zähler der Hersteller Echelon und Kamstrup zum Zug, als Lieferanten werden Siemens und Kapsch Smart Energy kolportiert. Die Wiener sind mit ihrem Piloten im Vergleich zu den restlichen Energieversorgern zwar relativ spät dran, wollen damit dann aber nahtlos in den flächendeckenden Rollout der geschätzten 1,5 Mio. Zähler übergehen.

Niederösterreich
Die EVN hatte einen ersten Smart-Meter-Piloten 2010/2011 laufen. Knapp 300 Haushalte wurden über die Dauer von einem Jahr mit intelligenten Stromzählern ausgestattet. Die technische Umsetzung erfolgte damals mehrheitlich in Eigenregie, zuzüglich einiger Services von Technologiepartnern. Derzeit liegen weitere Aktivitäten auf Eis. Die EVN stellt einen zweiten, größeren Piloten nun für 2014 in Aussicht. Gemäß des Stufenplans der Einführungsverordnung soll der Massenrollout für die gesamt 800.000 Stromzähler in Niederösterreich spätestens im Jahr 2015 begonnen werden. Man hofft, dass bis dahin die Branche alle Fragen zu Sicherheit, Datenschutz und technischen Standards geklärt hat.

Kärnten
Seit 2009 hat die KELAG-Netztochter Kärnten Netz, die erst seit 1. Februar 2013 unter diesem Namen firmiert, einen Smart-Meter-Piloten in Kärnten laufen. Gemeinsam mit Siemens wurden insgesamt 361 Zähler an 270 Anlagenstandorten angeschlossen. Zähler- und Kommunikationstechnologie basieren auf der Siemens-Lösung »Automated Metering and Information System (AMIS)«. Technisch werden die Daten von den Zählern zu den Kondensatoren in den Trafostationen mittels Powerline übertragen. Von dort werden die Pakete an fünf Stationen über Datenfunk, weitere fünf über Ethernet und einmal über GSM weitergeleitet. Die zentralen Softwarekomponenten für die Betriebsführung, Billing, Ticketing und Incident-Management hat Alcatel-Lucent geliefert. »ALU« steht auch hinter der Entwicklung und Bereitstellung des Kundenportals im Web. Ein erweiterter Pilot ist derzeit nicht geplant, gesamt haben die Kärntner 300.000 Zähler anzuschließen. Kärnten Netz hofft optimistisch auf die gesetzliche Klärung der offenen technischen Fragen in Österreich bis Ende des Jahres, um die Ausschreibung für den großen Rollout in Gang setzen zu können.

Salzburg
Seit Sommer 2009 sind bei der Salzburg AG 520 intelligente Stromzähler zur technischen Evaluierung eines Smart-Metering-Systems im Einsatz. Der Feldversuch wird in der Stadt Salzburg/Liefering und im Land Salzburg in Hallwang, Seekirchen und in Wildkogel im Pinzgau durchgeführt. Zusätzlich wurden 2011 und 2012 weitere 340 Smart Meter bei Kunden im Rahmen der Forschungsprojekte »Consumer2Grid«, »Persuasive End-User Energy Management« und für Arbeiten an einem intelligentes E-Monitoring zur Evaluierung unterschiedlicher Feedbackmethoden und deren Auswirkungen auf das Verbrauchsverhalten der Kunden installiert. Diese Smart Meter kommen in den unterschiedlichsten Regionen Salzburg zum Einsatz. Als Partner für die Smart Meter, Datenkonzentrator und Head­end-System wird die Siemens-Lösung AMIS eingesetzt. Siemens erbringt auch die IT-Dienstleistungen und liefert das Meter-Data-Management-System »Energy IP«. Intensiv getestet werden wurden dabei die Funktionalitäten und die Performance der Geräte beispielsweise bei der Fernauslesung, Fernparametrierung, Sperrung und Freigabe zur Wieder­inbetriebnahme des Smart Meter. Auf Ebene der Datenverbindungen werden ebenfalls unterschiedliche Wege erprobt: vom Wasser-, Wärme- und Gas-Spartenzähler zum Smart Meter die Technologien M-Bus Draht und M-Bus Funk. Vom Smart Meter zum Datenkonzentrator: Powerline Communication. Vom Datenkonzentrator zum Headend: LWL, COAX, Datenfunk, WiMAX und GPRS. Auch bei der Salzburg AG wird es erst nach Regelung der noch offenen und für einen Smart-Meter-Rollout wesentlichsten Rahmenbedingungen zu einer großen Ausschreibung kommen. Das wesentliche Argument ist ebenso wie bei allen anderen EVU die Investitionssicherheit. Immerhin werden rund 420.000 Stromzähler getauscht werden müssen.

Oberösterreich
Die Energie AG Oberösterreich (EAG) hat vor bereits sieben Jahren ein erstes Projekt mit dem Ziel gestartet, einen intelligenten fernauslesbaren Zähler zu entwickeln. Gemeinsam mit Siemens wurde der Zähler AMIS ausgehend von einem Prototypen zur Nullserie und mittlerweile zur Serienreife entwickelt. Der Leistungsumfang deckt die Anforderungen der IMA ab und deckt über die Funktionalitäten der Anforderungsverordnung 2011 (IMA-VO) noch jene für Smart Grids und  eines »E-Home« ab. Derzeit sind 120.000 Zähler im Feld, laufend stabil und zuverlässig, heißt es bei der Energie AG. Bei dem AMIS-Projekt mit Siemens wurde aus Kostengründen auf die Entwicklung eines eigenen Meter-Data-Managements verzichtet, das nun von einem Drittleister geliefert wird. Die EAG Data als ausführendes Unternehmen ist gleichzeitig für die Telekommunikation bei der EAG zuständig und verfügt über ein weitläufiges Glasfasernetz, das als Backhaul für Smart-Meter-Daten eingesetzt wird. Spezielle Tests und Piloten sind dazu nicht am Laufen – es handelt sich dabei um den Einsatz etablierter Technologie. Möglicherweise werden in späterer Zukunft Mobilfunknetze getestet werden, um auch entlegene Regionen versorgen zu können. Die große Ausschreibung ist in Oberösterreich bereits passiert (außer Stadt Linz, die von der Linz AG abgedeckt wird). Siemens ging für die EAG als Bestbieter hervor. Mit diesem Technologielieferanten wird der Rollout umgesetzt werden. Es handelt sich dabei um gesamt 640.000 Stromzähler auf dem Versorgungsgebiet der Energie AG.
Die Linz AG hat 2008 begonnen, die insgesamt 250.000 mechanischen Zähler auf moderne Lösungen umzustellen. Mit Stand 2012 waren 80.000 Zählpunkte auf Smart Meter umgestellt. 3.000 Zähler werden für wissenschaftliche Zwecke und Kunden-Feedback genutzt. Auch die Integration der Daten in Backend-Systeme ist Thema, sowohl im Zusammenspiel mit Kundenbeziehungsmanagement als auch für die Verrechnung über SAP. In dem überregionalen Forschungsprojekt Intelliekon des Fraunhoferinstituts ist die Linz AG aktiver Partner. Getestet werden dort unter anderem das Nutzungsverhalten bei und die Akzeptanz von variablen, zeitabhängigen Stromtarifen. Ein Zukunftsprojekt ist der Energiepark Plesching. Die Siedlung mit 121 Wohneinheiten wurde 2008 und 2009 von der Linz AG energieeffizient aufgerüstet – unter anderem mit einem Energiemanagement- und Home-Automation-System.

Vorarlberg
Die Vorarlberger Kraftwerke AG (VKW) hat in einem ersten Piloten 500 Smart Meter über Vorarlberg verteilt. Projektpartner waren die EnBW und EMH für Energieeffizienzuntersuchungen. Aktuell werden 50 Zähler im Großraum Dornbirn ausgerollt, Projektpartner sind voraussichtlich Elster und Ubitronix. Für den Datentransport werden Powerline-, GSM/GPRS-, und M-Bus-Verbindungen getestet. Zählertypen sind handelsübliche Dreiphasenzähler mit mehreren Tarifregistern von EMH beziehungsweise Elster und Ubitronix. Und die große Ausschreibung zum landesweiten Smart-Meter-Rollout? Die wird es der VKW zufolge voraussichtlich Ende 2013, Anfang 2014 geben. Die Vorarlberg testen gemeinsam mit weiteren Projektpartnern auch das intelligente Zählerpaket »VKW e'klar«. Ziel ist die Untersuchung der Stromeinsparpotenziale, welche durch den VKW e’klar-Zähler mit den zugehörigen Anwendungen VKW e’klar-Meter, VKW e’klar-Stromtagebuch und einer monatlichen Rechnung erzielt werden können. Zudem will die VKW prüfen, wie sich e’klar-Anwendungen als Werkzeug für die Energieberatung eignen. 175.000 Zähler werden letztlich getauscht werden müssen.

Burgenland
Last but not least, in aller Kürze auch Facts zur Energie Burgenland: Die Netz Burgenland Strom GmbH führt Smart-Meter-Tests mit 150 Zählern im Großraum Eisenstadt durch. Zählerhersteller für diese Smart-Meter-Tests ist Siemens. Die Datenverbindungen: PLC und GPRS, der Zählertyp: AMIS. Die große Ausschreibung für die gesamt rund 200.000 Stromzähler wird für Ende 2013 beziehungsweise 2014 erwartet.

UPDATE: Steiermark
Seit 2010 läuft ein Feldversuch des Vertriebsbereichs der Energie Steiermark mit knapp 400 Kunden. Zielsetzung des Testlaufs mit Zählern von Landis+Gyr – Daten werden hier täglich ausgelesen - war die Evaluierung und Optimierung des Kundennutzens von Produkten und Dienstleistungen im Zusammenhang mit Smart Metering. Aktuell plant die Netzgesellschaft der Energie Steiermark einen weiteren Feldversuch zur Abklärung von technischen und prozessualen Rahmenbedingungen. Die Auswahl der Technologiepartner für den Feldversuch der Netzgesellschaft ist bis dato noch nicht abgeschlossen. In dem neuen Projekt sollen PLC-Kommunikation für die Last Mile sowie unterschiedliche Datenanbindungen für die Second Mile (GPRS, Ethernet über Kupfer oder LWL) getestet werden. Die große Ausschreibung zum landesweiten Smart-Meter-Rollout wird voraussichtlich heuer im viertel Quartal starten. Bei der Energie Steiermark geht es um insgesamt 450.000 Zähler.

UPDATE: Tirol
Die TIWAG hat derzeit zwei unterschiedliche Piloten mit einem geringen Umfang im Tiroler Oberland in Betrieb. Die Schwerpunkte des ersten Projekts liegen beim Test der Last-Mile-Kommunikation von der Trafostation bis zum Kunden, das zweite Projekt soll den Nutzen einer optimalen Kundeninformation durch Onlineinfos am Kundendisplay vor Ort erheben. Getestet werden PLC-Schmalbandverbindungen in Kombination mit WLAN und Bluetooth. Als strategischen Plan weist man bei der TIWAG darauf hin, dass “entsprechend dem in der IME-VO vorgegebenen Zeitplan bis Ende 2015 10 % der betroffenen Kundenanlagen“ ausgestattet werden. Je nach „technischer Machbarkeit“ dreht sich um bis zu 200.000 Messgeräte.

Last modified onDienstag, 12 März 2013 15:43
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