Zwischenrufe aus Übersee

Wie ein Europäer den Alltag an der US-amerikanischen Ostküste erlebt.

Eine Geschichte aus zwei Städten

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Die USA schlittern in eine existentielle Krise. Demonstranten stürzen Denkmäler der Gründerväter Washington, Jefferson & Co und bringen damit zum Ausdruck, dass das System für sie nicht funktioniert. Eine Analyse des Immobilienmarktes zeigt, warum das so ist.

Es ist mehr als nur Dampfablassen, mehr als nur ein Ventil für die in den Monaten der Quarantäne aufgestaute, überschüssige Energie.  Der jetzige Ausbruch an Gewalt liegt am System, das für die Eliten funktioniert, aber den an den Rand Gedrängten keine Perspektive eröffnet.

Das lässt sich an Zahlen nachweisen, konkret an den Immobilienpreisen. Sie sind ein harter Indikator, ein brutaler, wie sich am Beispiel der 70.000 Einwohner zählenden Stadt Camden in New Jersey zeigt. Ein 103 Quadratmeter großes Haus in der Morton Street ist jetzt um schlanke 14.500 US-Dollar am Markt, ein Haus in der Pulaski Street, auch um die 100 Quadratmeter, war um 28.900 Dollar nicht an den Käufer zu bringen, das Angebot ist auf 24.900 reduziert. Im nicht einmal eine Autostunde entfernten Princeton, Heimat der berühmten Universität, kriegt man um dieses Geld nicht einmal eine Hundehütte. Häuser sind dort im Mittel 867.436 Dollar wert.

Zwei Städte, so nahe beieinander, sind doch um Welten getrennt

Der Wert der Immobilien bestimmt nämlich, wie viel Geld den Gemeinden zur Verfügung steht. Die Grundsteuer wird direkt von den Kommunen eingehoben, sie bemisst sich am Verkehrswert der Liegenschaften. Sind die Häuser viel wert, ist ausreichend Geld für Schulen und für die Polizei da – beides wird primär von den Stadtverwaltungen finanziert.

Das erklärt auch, warum Camden im Jänner 2011  zunächst 168 der 370 Polizisten gekündigt und im August 2011 dann die Polizei komplett aufgelassen hat. Die Kassen waren leer in der Stadt, die über Jahre hinweg als Mörderhochburg der USA galt. 1200 Gewalttaten, 2241 Diebstähle pro Jahr entwerten jeden Besitz und sie nehmen jede Perspektive. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt bei 14.747 Dollar, das ist weniger als die Hälfte als im Rest der USA und nur ein Fünftel von dem, was die Princetonians verdienen. 

Und weil auch die Schulen zum Großteil aus der Gemeindekasse finanziert werden, sind die schlechtesten Lehrer in Camden engagiert, und die arbeiten unter miserablen Bedingungen. Kein Wunder, dass es nur neun Prozent der Bevölkerung hier zu einem Uni-Abschluss geschafft haben. In Princeton: 80 Prozent! Wer das Pech hat, in Camden auf die Welt zu kommen, reiht sich unter die Hoffnungslosen ein und hat kaum eine Chance, dem Zirkel der Armut je zu entkommen. 

Die Statuen von Georg Washington und Thomas Jefferson fallen, weil sie für eine Erzählung stehen, die von der harten Realität täglich als Märchen entlarvt wird.  Die am 4. Juli 1776 von Jefferson und Washington mitunterzeichnete »Unabhängigkeitserklärung« ist eines der großen Dokumente der Weltgeschichte. Sie enthält den Gedanken, dass jede Regierung ihre Macht nur von den Regierten bezieht. Wenn die Regierung das Volk dem Ziel – Life, Liberty, Happiness – nicht näher bringt, dann hat dieses das Recht, die Gefolgschaft aufzukündigen. Das tun viele Junge jetzt und die Gründerväter Washington und Jefferson haben eigentlich das ideologische Rüstzeug dafür geliefert. Stürzt die Mächtigen, wenn sie ihre Versprechung nicht einlösen. König Georg III hat es erlebt ...

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