„Geben wir denen, die es machen, wieder die Verantwortung“

 Karl Friedl, M.O.O.CON: „In der Corona-Krise haben viele eine steile Lernkurve in Sachen Digitalisierung hingelegt. Das ist auch an der Bauwirtschaft nicht spurlos vorbeigegangen.“ Foto: M.O.O.CON/Ulrich Zinell Karl Friedl, M.O.O.CON: „In der Corona-Krise haben viele eine steile Lernkurve in Sachen Digitalisierung hingelegt. Das ist auch an der Bauwirtschaft nicht spurlos vorbeigegangen.“ Foto: M.O.O.CON/Ulrich Zinell

Für Karl Friedl, geschäftsführender Gesellschafter bei M.O.O.CON, führt bei Bau- und Immobilienprojekten kein Weg mehr an agilen Methoden vorbei.

M.O.O.CON fokussiert auf strategische Beratung in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Für Geschäftsführer Karl Friedl geht es darum, „rund um das Kerngeschäft der Unternehmen Organisationen weiterzuentwickeln“. Dabei spielt die Digitalisierung eine wesentliche Rolle, ebenso agile Methoden.

Doch was bedeutet Agilität in der Bau- und Immobilienwirtschaft konkret? Es sei mehr als lediglich die Ablöse klassischer Command-and-Control-Strukturen im Projektmanagement, sagt der Experte. „Mit agilen Methoden kann nicht nur innerhalb des Systems, sondern auch dynamisch auf Wirkungen von außen reagiert werden. Mitarbeiter agieren dabei ergebnisorientiert und treffen eigenständige – im Sinne des gesamten Projekts richtige – Entscheidungen.“ Voraussetzung dafür seien Menschen und vor allem Unternehmen, die reif für Verantwortung sind. Er betrachtet erfolgreiche Organisationen wie lebende Organismen. Auch sie sind auf einem „Lebensweg“ und stehen vor der Herausforderung der ständigen Erneuerung.

Lebendig und wendig – in der Immobilienwelt finden freilich auch viele langfristige Prozesse statt. Agile Methoden wie – aus der Softwareentwicklung entlehnte tägliche – Standup-Meetings zur Überprüfung des Projektstands werden hier wöchentlich, bestenfalls zweiwöchentlich durchgeführt. Im Rahmen einer Untersuchung der IG Lebenszyklus wurde festgestellt, dass bei herkömmlichen Kommandostrukturen in der Regel weniger als 50 % der in Protokollen dokumentierten Vereinbarungen auch umgesetzt werden. Setzt man dagegen auf Methoden wie „Sprints“, welche Projekte in überschaubare Einheiten teilen, oder ein innovationsorientiertes „Design Thinking“, steigt die Umsetzungsquote auf bis zu 96 % an. Friedl liefert eine einfache Erklärung: „Die Vertreter aller Gewerke treffen sich in kürzeren Abständen und können ihre Erwartungen und gegenseitigen Abhängigkeiten von Angesicht zu Angesicht klären.“

Best Practice

Bei der Sanierung und dem Bau des neuen Gebäudes der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft verantwortete das Bauunternehmen Sedlak als „Generalunternehmer Plus“ die Ausführungsplanung ebenso wie die gesamte Umsetzung. Man hat sich wöchentlich im „Big-Room“ getroffen, die Vorarbeiter hantierten mit Methodenkarten aus der Welt des „Lean Management“. Die Folge: eine Steigerung der gesamten Produktivität.

„Geben wir denen, die es machen, wieder die Verantwortung“, plädiert der M.O.O.CON-Geschäftsführer. „Man hat das auch in den vergangenen Wochen gesehen. Es ist eher die Performance jener Unternehmen abgestürzt, die Führungskräfte haben, die mit Macht agieren.“ Doch brauchen agile Organisationen Vertrauen in beide Richtungen, erinnert Karl Friedl: der Mitarbeiter zu den Unternehmen ebenso wie die Unternehmen zu den Mitarbeitern.

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