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Ende des Booms?

Ende des Booms? Foto: iStock

Die allgemeine Konjunktur trübt sich ein. Der Bau & Immobilien Report zeigt, inwieweit sich die Bauwirtschaft diesem Abwärtstrend entziehen kann. Gemeinsam mit Branchenradar.com Marktanalyse haben wir sieben Branchen und Warengruppen einer eingehenden Prüfung unterzogen und wagen einen Ausblick auf die Umsatzentwicklungen 2020 und 2021.

In den letzten Jahre hat die Bauwirtschaft einen ordentlichen Höhenflug hingelegt. Die Umsätze legten zu, teilweise gelang es auch, die Margen zu verbessern. Das Aufatmen in der Branche war förmlich spürbar.

Spannender als der Blick zurück ist allerdings immer das, was vor uns liegt. Und da stehen die allgemeinen wirtschaftlichen Vorzeichen schon weniger günstig. Während sich 2019 noch dank eines starken Beginns ein BIP-Wachstum von 1,6 Prozent ausgegangen ist, rechnen die Ökonomen vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) und dem Institut für höhere Studien (IHS) für 2020 nur noch mit 1,2 bis 1,3 Prozent.

Vor allem die Industrie und die Exportwirtschaft drücken die Konjunktur nach unten. Dass es nicht noch schlimmer kommt, liegt vor allem am Dienstleistungs- und Bausektor, die auch 2020 deutlich über dem Gesamtschnitt performen sollten. Laut UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator hat zwar auch die »Bauwirtschaft das Stimmungshoch mittlerweile klar hinter sich gelassen, die hohe Auslastung und die gute Auftragslage halten die Baukonjunktur bei ungebrochen günstigen Finanzierungsbedingungen jedoch sehr gut in Schwung«. Man könnte also von einem leisen Jammern auf relativ hohem Niveau sprechen.

Der Bau & Immobilien Report wollte genauer wissen, wie gut oder schlecht es der Branche geht und hat sich dafür mit den Experten von Branchenradar.com Marktanalyse zusammengetan. Geschäftsführer Andreas Kreutzer hat sich für uns die Umsatzentwicklung von einzelnen Branchen und Warengruppen von 2016 bis 2019 näher angesehen und eine Umsatzprognose für dieses und nächstes Jahr erstellt. Außerdem haben wir zu jeder Warengruppe einen Branchenvertreter um eine Einschätzung gebeten, was 2010 und 2021 bringen werden.

So viel sei an dieser Stelle vorweggenommen: Das Wachstum in der Branche hält an, schwächt sich aber ab. Lesen Sie auf den folgenden Seiten, wie sich die Umsatzzahlen einzelner Branchen und Produktgruppen entwickelt haben und was Marktforscher und Branchenvertreter glauben, mit welchen Entwicklungen 2020 und 2021 zu rechnen ist. Am Ende finden Sie ein Ranking, welche Branche im Zeitraum 2016 bis 2021 die größten Umsatzsprünge hingelegt haben wird und wer von heute aus betrachtet in den nächsten zwei Jahren die Nase vorne hat.   

Teil 2 des Report-Branchenchecks:lesen Sie in Ausgabe 3 des Bau & Immobilien Report.

Parkett

Andreas Kreutzer, Branchenradar.com Marktanalyse


 
»Der österreichische Parkett-Markt wächst auch im Jahr 2019 robust. Bei leicht sinkendem Durchschnittspreis erhöhen sich die Herstellererlöse um +2,4 % geg. VJ auf insgesamt 147 Millionen Euro. Die Zuwächse kommen nach wie vor im Wesentlichen aus dem Neubau, wenngleich auch das Bestandsgeschäft Wachstumsbeiträge liefert. Der Trend zu Landhausdielen ist ungebrochen: Der Umsatzanteil steigt in dieser Produktgruppe auf rund 38 Prozent. Auch für das laufende und das kommende Jahr sind wir optimistisch. Zwar verliert die Expansion zunehmend an Fahrt, im Gegenzug sollte sich aber die Preislage stabilisieren. Ein Umsatzwachstum von zwei Prozent pro Jahr ist realistisch.«

Christoph Bawart, Sprecher der österreichischen Parkettindustrie



»Österreich ist ein sehr parkettfreundliches Land. Jährlich werden zwischen fünf und sechs Millionen Quadratmeter an Holzfußböden verlegt. Zu beachten ist, dass der Pro-Kopf-Verbrauch in Österreich mit 0,74 m² seit Jahren im europäischen Spitzenfeld liegt. Die heimischen Parkettböden sind aber auch im Ausland, hier vor allem in Deutschland, der Schweiz und in Italien, sehr beliebt. Im ersten Halbjahr 2019 entwickelte sich der Markt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum positiv. Der nachwachsende Rohstoff Holz überzeugt durch seine klimafreundlichen Eigenschaften und seine positive Ökobilanz. In den kommenden beiden Jahren gehen wir davon aus, dass sich der Markt auf diesem Niveau stabil entwickeln wird.«


Akustikdecken

Andreas Kreutzer, Branchenradar.com Marktanalyse
 
»Die volatile Entwicklung setzt sich im Jahr 2019 fort, diesmal mit einem Drall nach oben. Die Herstellererlöse steigen kräftig um nahezu sechs Prozent geg. VJ auf 31 Millionen Euro. Angeschoben wird der Markt vom Neubau, der 90 Prozent der Wachstumsbeiträge lieferte.

Der Aufschwung erfolgt zudem auf breiter Front, erhöhen sich die Umsätze doch in allen Produktgruppen. Den prozentuell stärksten Anstieg verzeichnen Metalldecken. Auch für die Jahre 2020 und 2021 erwartet BRANCHENRADAR.com Marktanalyse ein stabiles Marktwachstum, werden doch die steigenden Baubeginne der Jahre 2018 und 2019 der für die Warengruppe relevanten Gebäudekategorien im Nicht-Wohnbau bauwirksam.«

Ingrid Janker, Geschäftsführerin Knauf



»Auch wenn die generellen Wachstumsraten am Bausektor nun abflauen werden, so wird der Bereich der Akustik doch weiter steigen. Treiber hierfür sind höhere Anforderungen, speziell in der Gastronomie und Hotellerie. Aber auch in Bildungseinrichtungen wird gute Raumakustik vermehrt gefordert. Um dieser gerecht zu werden, setzen wir seit einigen Jahren verstärkt auf Innovationen. So werden wir beispielsweise dieses Jahr schon dem Trend hin zur geschlossenen Gips-Akustikdecke Rechnung tragen und ein neues System auf den Markt bringen können.«


Türbeschläge

Andreas Kreutzer, Branchenradar.com Marktanalyse
 
»Der Markt für Türbeschläge wächst im Jahr 2019 robust um +3,6% geg. VJ auf 26 Millionen Euro (Herstellererlöse). Zuwächse gibt es in allen Produktgruppen, insbesondere bei Panikverschlüssen. Hier steigt der Umsatz um nahezu sieben Prozent geg. VJ. Zudem werden Beschläge für Innentüren, Haustüren und Wohnungstüren überdurchschnittlich stark nachgefragt, ebenso Drücker und Knöpfe aus Edelstahl. Auch der Ausblick ist positiv. Für das heurige Jahr erwarten wir ein Umsatzplus von 3,2% geg. VJ, im kommenden Jahr sollten nochmals +2,6% geg. VJ möglich sein.«


Photovoltaik

Andreas Kreutzer, Branchenradar.com Marktanalyse
 
»Besorgniserregend entwickelt sich der Markt für Photovoltaik. Die Herstellerumsätze mit Photovoltaikpaneelen reduzieren sich im vergangenen Jahr um knapp 14 Prozent geg. VJ auf 73,5 Millionen Euro. Der Rückgang ist zum einen auf die um rund drei Prozent sinkende Nachfrage zurückzuführen. Zum anderen ist man mit einem ungebremsten Preisverfall bei PV-Modulen konfrontiert.

Denn obgleich auf asiatische Paneele Strafzölle eingehoben werden, drücken deren Realpreise das Preisniveau nach wie vor gewaltig. Im Durchschnitt schrumpft im Jahr 2019 der Preis pro KWpeak um rund elf Prozent geg. VJ. Trotz Klimaschutzdebatten rechnen wir bis zum Fluchtpunkt der Projektion mit keinem signifikanten Marktaufschwung, es sei denn, die Rahmenbedingungen für private Neuinstallationen ändern sich grundlegend.«

Vera Immitzer, Geschäftsführerin Bundesverband Photovoltaic Austria



»Zwar liegen die finalen Zahlen für 2019 noch nicht vor, aber wir gehen wieder von einem Anstieg der installierten PV-Leistung aus – ein Plus von zehn bis 20 Prozent wird erwartet. Gründe dafür sind die zusätzlichen Fördermittel, die seit 2018 zur Verfügung stehen und für die nächsten drei Jahr noch einmal deutlich angehoben wurden.

Für diese Zusicherung des Budgets hat sich der Bundesverband Photovoltaic Austria bis zuletzt eingesetzt und wir sehen auch im aktuellen Regierungsprogramm den zunehmenden Willen der Politik, die Energiewende voranzutreiben. Mit Hochdruck wird am Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz sowie am ›1 Mio. Dächerprogramm‹ gearbeitet – hier braucht es aber echte und mutige Adaptierungen der Rahmenbedingungen, Gesetze und Vorgaben in sehr vielen Bereichen, ansonsten wird uns die notwendige Verzehnfachung des PV-Zubaus bis 2030 nicht gelingen.«


Estriche

Andreas Kreutzer, Branchenradar.com Marktanalyse
 
»Infolge sinkender Preise wächst der Markt für Estriche im Jahr 2019 nur noch moderat um +1,4 % geg. VJ. Die Herstellererlöse klettern auf 80,5 Millionen Euro. Die Wachstumsimpulse kommen im Wesentlichen vom Objektgeschäft, wovon ortsgemischte Estriche deutlich stärker profitieren als werksgemischte Produkte. Den steilsten Anstieg gibt es jedoch bei Trockenestrichen, mit +3,3 % geg. VJ. Unter der Prämisse eines anhaltend hohen Preisdrucks erwarten wir bis auf Weiteres ein nur gedämpftes Wachstum. Sowohl für das heurige als auch für das kommende Jahr prognostizieren wir ein Umsatzplus von rund einem Prozent pro Jahr.«

Walter Riegler, Verband der österreichischen Estrichhersteller VÖEH

»Aus Sicht des VÖEH stellt sich die Vorausschau für 2020 und 2021 in Bezug auf Mengen- und Preisentwicklung unterschiedlich dar. Die herzustellenden Mengen werden sich im Jahr 2020 gleichbleibend gegenüber 2019 auf hohem Niveau entwickeln. Im Jahr 2021 wird mit einem leichten Rückgang gerechnet. Anders stellt sich die Entwicklung des Marktpreises dar – dieser stagniert seit ca. 1993 auf demselben niedrigen Niveau. Indexbereinigt ergibt dies sogar ein stark sinkendes Preisniveau am Markt.

Veranschaulicht dazu kostete der verlegte Quadratmeter Estrich im Wohnbau in den 1990er-Jahren ca. 140 ÖS – 2020 bewegt sich der vergleichbare Preis noch immer bei nun 10,80 €/m². Zusätzlich anzumerken ist auch noch, dass sich die Estrichgüten in den letzten Jahre erhöht haben, erklärbar durch höhere Anforderungen aus Normen und Belagstechnik.

Aufgrund dessen ist daher von einem markanten Preisanstieg in der Branche auszugehen. Der Verband der österreichischen Estrichhersteller geht von dieser Preiserhöhung am Markt aus, da ansonsten sich die notwendigen Kapazitäten bzw. Ressourcen der Estrichhersteller reduzieren werden. Dies wäre ein fataler Weg, da die zukünftig herzustellenden Estrichflächen dennoch ein entsprechendes Ausmaß aufweisen werden.«


Transportbeton

Markus Stumvoll, Vorsitzender des Güteverbands Transportbeton



»Nach dem sehr guten Jahr 2019 rechne ich österreichweit für 2020 mit einem leichten Rückgang des Absatzes, wobei es im Transportbeton immer regionale Schwankungen gibt. Der Pro-Kopf-Verbrauch wird dennoch wieder mit knapp 1,3 m³ auf sehr hohem Niveau erwartet. Insbesondere der Wohnbau bleibt ein starker Motor im heurigen Jahr.
Für 2021 ist eine seriöse Prognose noch nicht möglich.«

Andreas Kreutzer, Branchenradar.com Marktanalyse
 
»Der Markt für Transportbeton wächst auch im Jahr 2019 signifikant, nicht zuletzt als Folge abermals steigender Preise. Der Herstellerumsatz erhöht sich um +4,7 % geg.VJ auf 743 Millionen Euro. Im Jahr 2018 lag der Preisauftrieb bei fünf Prozent, im letzten Jahr bei etwas über zwei Prozent geg. VJ. 

Vom wachsenden Markt profitieren stationäre und mobile Anlagen gleichermaßen sowie alle Festigkeitsklassen. Mit Ausnahme des kleinvolumigen Wohnbaus gibt es zudem in allen Bausparten signifikante Zuwächse. Die erfreuliche Entwicklung setzt sich etwas abgeschwächt auch im heurigen und kommenden Jahr fort. Bei nur noch moderatem Preisauftrieb prognostizieren wir ein jährliches Umsatzplus von etwa drei Prozent.«


Sonnenschutzsysteme

Andreas Kreutzer, Branchenradar.com Marktanalyse
 
»Der Markt für Sonnenschutzsysteme wächst im Jahr 2019 robust, nicht zuletzt aufgrund von zwei heißen Sommern in Folge (was die Nachrüstung im Gebäudebestand befeuert) und der hohen Neubauproduktion, speziell im Wohnbau. Der Herstellerumsatz erhöht sich um +6,8 % geg. VJ auf rund € 264,4 Millionen. Wachstumsbeiträge liefern alle Produktsegmente, nur Vertikalmarkisen entwickeln sich seitwärts. Auch im laufenden und kommenden Jahr rechnen wir mit einem stabilen Wachstum von rund vier Prozent pro Jahr.«

Michael Hubner, Geschäftsführer Somfy Österreich

»Die Aussicht für die österreichische Sonnenschutzbranche ist weiterhin ausgezeichnet, vor allem gewinnt das Thema der sommerlichen Überwärmung an Bedeutung. Der Mehrgeschoßwohnbau, für den smarte Sonnenschutzsysteme stark gefragt sind, boomt. Auch das Thema Sicherheit mit automatisierten Rollläden spielt eine immer bedeutendere Rolle. Um die ambitionierten CO2-Regierungsziele zu erfüllen, sind seitens der Politik zudem gezielte Förderpakete zu erwarten – zum Beispiel für Maßnahmen, die zur Steigerung der Energieeffizienz von Häusern führen. Das wird den Verkauf weiter ankurbeln.

Durch intelligente Sonnenschutzlösungen können bereits heute bis zu 30 % der Energiekosten gespart werden. Grundsätzlich ist die Vernetzung und Digitalisierung eine treibende Feder. Die Baubranche hat hier noch etwas Nachholbedarf, doch die Transformation zieht ebenfalls an und ist deutlich zu erkennen.«

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