Werkzeug Bit & Byte

Foto: Die papierlose Baustelle ist das Ziel vieler Unternehmen. Foto: Die papierlose Baustelle ist das Ziel vieler Unternehmen.

Bausoftware stellt Datenstrukturen und Datenqualität sicher, schafft umfassende Datenkommunikation und ein strukturiertes Datenumfeld über den gesamten Lebenszyklus. Trotz der wesentlichen Vorteile und prinzipieller Eignung laufen manche Prozesse noch immer analog.

Ein Lächeln erzeugt der Vergleich von Univ.-Prof. Gerald Goger von der TU Wien, wenn er vom Bauprozess als Strickmuster spricht. »Entscheidend ist der gelungene Gesamtprozess, der aus tausenden Einzelprozessen gebildet wird. Strickmuster helfen, wenn man nicht eine lebenslang strickende Großmutter ist, die alles im kleinen Finger hat.« Univ.-Prof. Goger bezieht sich dabei auf die Prozesslandkarten für den Bau, die an der TU Wien erstellt werden.

Kollege Harald Urban vom Zentrum Digitaler Bauprozess erklärt: »Damit analysieren wir den Prozess bei umfassender Ausstattung mit digitalen Tools.« Die Branche ist an Bauprojekte mit vielfach unterbrochenen Daten- und Lernketten gewöhnt. Bautechniker Daniel Dishlievski von Sedlak fordert die Umsetzung von Prozessdenken im Sinne des Projektes. Baumeister Otto Handle, Geschäftsführer von Inndata formuliert es so: »Es wird in der Branche intensiv diskutiert, ob es einen Paradigmenwechsel von der kleinstteiligen Gewerkevergabe hin zu kooperativen Vergabemodellen bzw Gesamtvergaben braucht oder die Vielzahl der Schnittstellen auch auf andere Art, etwa durch die Standardisierung der IT Prozesse mit dem Merkmalserver zur A 6241-2 in den Griff zu bekommen ist.«

Bild oben: Durch Bausoftware können vollständige Daten im Lebenszyklus verwendet werden. »Wir mussten in meinem Wohnhaus die Wand aufbrechen, Unterlagen, ob sich an dieser Stelle eine Wasserleitung o.Ä. befindet, fehlten. Das kann bei einem BIM-Projekt nicht passieren«, betont Otto Handle. »Auch in 100 Jahren liegen Informationen über die Gebäudestruktur vor.«

Mit Bausoftware ist die Baubranche gezwungen, früher umfassender zu planen und das gemeinsam, also interdisziplinär im Team, an einem Modell. »Zurzeit ist es so, dass alles für sich geschlossen läuft. Es gibt nur eine dünne Schnittstelle von der Projektentwicklung zu den Planern, zu den Bauausführenden und dem Facility Management«, nennt Dishlievski ein bestehendes Problem. Dadurch entstünden enorme Wissensverluste, weil jeder seine Daten anders aufbereitet. Ein Weg aus dem Schachteldenken sei erforderlich.

 Bit+Byte

Software für Haustechnik, Architektur, Tragwerksplanung, Baukalkulation und -controlling und die Digitale Baustelle gibt es bereits, z.B. Prevera, BauDoc, thinkproject, planfred, Novapoint, Nevaris und ArchiCAD. Sie muss jedoch auch eingesetzt werden. Bausoftware erstellt präzise Zieldefinitionen, unterstützt und leitet bei Abweichungen rasch auf den korrekten Weg zurück.

Die Baubranche ist prinzipiell offen für die umfassende Digitalisierung. Viele gehen laut Dishlievski mit Begeisterung ans Werk und nutzen die Vorteile der Digitalisierung. Sie erkennen die Arbeitsleichterung, z.B. durch die automatische Abwicklung über Tools. Innerhalb eines Unternehmens ist der Einsatz sinnvoll und wünschenswert. Jedes Unternehmen habe aber seine Eigenheiten, seine Spezifika, vor allem KMU, die in einer festen Struktur gewachsen sind. »Unternehmen und Mitarbeiter sind an eingespielte und funktionierende Abläufe gewöhnt.

Bild oben: »Ohne Bausoftware geht es heute nicht«, betont Assistant Prof. Christian Schranz vom Zentrum Digitaler Bauprozess an der TU Wien. »Es gibt kaum noch analoge Vorgehensweisen bei der Personalplanung, Baugeräte- und Baumaterialienplanung.«

Wenn ihnen Änderungen aufgezwungen werden, sehen sie vielfach zumindest kurzfristig keinen eigenen Vorteil und empfinden sie eher als Belastung«, zeigt Horst Beham, Geschäftsführer von ABPro, auf und nennt als Beispiel die 2009 eingeführte ÖNORM A2063, die ein völlig neues Format für den Datenaustausch zwischen Auftraggeber und -nehmer im Baugewerbe definiert hat. Viele AVA-Programme mussten komplett überarbeitet oder neu entwickelt werden und Unternehmen wurden damit zu einer Softwareumstellung gezwungen.

Bild oben: »Es wird immer wichtiger, die Planung vom Anfang bis zum Ende zu erstellen, um Umplanungen und Mehrkosten zu verhindern«, betont Roswitha Brandstetter, Geschäftsführerin von Bau SU.

Mittlerweile setzen praktisch alle Ausschreiber diesen Datenaustauschstandard voraus, da er einen bestimmten Workflow unterstützt, um Auftragsänderungen nachvollziehbar zu halten und dass alle Projektbeteiligten (z.B. Ausführende und Prüfer) den gleichen Datenstand in ihren Systemen haben. Die DSGVO hätte ebenfalls viele Betriebe verunsichert, denn eigentlich sollte die Digitalisierung bestehende Abläufe erleichtern, gleichzeitig wird sie zunehmend zum Selbstzweck und erfordert laufende Investitionen in die IT und Schulung der Mitarbeiter.

Raus aus dem Schachteldenken

Digitale Abwicklungsmodelle funktionieren nicht gut in einer Welt mit kleinstteiliger Gewerkevergabe. Je mehr Einzelunternehmen wie Architekt, Tragwerksplaner, Gartenplaner, Haustechnikplaner, Baumeister, Fliesenleger usw., desto mehr Schnittstellen, je mehr Schnittstellen desto größer ist die Fehleranfälligkeit. Digitalisierung hat laut Baumeister Otto Handle vor allem Einfluss auf die Bauprozesse. Es kommt zu einer aktiven und passiven Beeinflussung. Geeignete moderne Managementansätze wie Lean Management können nun auch in baubetriebliche Prozesse integriert werden. »Daher ist es wichtig, die Prozesse eingehender zu betrachten, denn ein schlechter digitalisierter Prozess, bleibt ein schlechter Prozess«, so der Inndata-Chef abschließend.


Im Wandel der Zeit

Ursprünglich verstand man unter Bausoftware vor allem die klassischen AVA-Anwendungen, d.h. Ausschreibung-, Vergabe- und Abrechnung. »Mittlerweile umfassen viele Bausoftwarepakete auch weitere Funktionsbereiche, die sich mit denen anderer Standardsoftware überschneiden, insbesondere ERP-Lösungen und teilweise Buchhaltungsprogramme«, informiert Horst Beham. Eine Ausdehnung des Funktionsumfangs ist vor allem für kleine Unternehmen interessant, für die der Einsatz von ERP-Lösungen wie SAP und BMD nicht wirtschaftlich bzw. personell nicht bewältigbar ist.

Success X

Über 5.000 Unternehmen der Baubranche mit fast 100.000 Anwendern verwenden Auer Success. Jetzt wurde mit Success X das Nachfolgeprodukt präsentiert, das mit zahlreichen Neuerungen und Überraschungen aufwarten kann. Bestehende Projekte lassen sich mit wenigen Mausklicks aus Auer Success nach Success X übernehmen. Die Arbeit ist gemäß österreichischen wie auch deutschen Normen möglich.

Success X eignet sich für jede Projekt- und Unternehmensgröße und ermöglicht sofortiges Weiterarbeiten auf modernster technischer Basis mit einer intuitiven Produktoberfläche. Die Software ist bestens gerüstet für die Zukunft und unterstützt schon heute modellbasiertes Arbeiten gemäß BIM. Bestandskunden von Auer Success erhalten das Nachfolgeprodukt Success X kostenfrei im Rahmen der Wartung. Für Wartungskunden wird Auer Success über die nächsten Jahre weitergepflegt, um einen sanften Umstieg auf Success X zu ermöglichen.

 

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