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Formensprache

Geometrische Gestaltungsformen sind in der Fassadengestaltung en vogue. Geometrische Gestaltungsformen sind in der Fassadengestaltung en vogue.

Die Massivbauweise prägt in ihren verschiedenen Stilrichtungen den Charakter von Städten und Dörfern. Der Bau & Immobilien Report hat mit Massivbau-Profis über die Hintergründe, Entwicklungen und die Zukunft gesprochen.

Von Karin Legat

Die Massivbauweise prägt in ihren verschiedenen Stilrichtungen den Charakter von Städten und Dörfern. Der Bau & Immobilien Report hat mit Massivbau-Profis über die Hintergründe, Entwicklungen und die Zukunft gesprochen.

Zement, Beton, Ziegel, Naturstein – Massivbau ist seit jeher Teil der menschlichen Kultur. Haben unsere Vorfahren in Höhlen vor allem Schutz gesucht, muss das Gebäude heute ein Rundumservice bieten: Witterungsschutz, Beständigkeit, ansprechende Architektur, Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit, wobei Langlebigkeit und Dauerhaftigkeit an erster Stelle stehen. Der Massivbau erhält dabei das meiste Vertrauen. Er wird für 80 Prozent der Projekte eingesetzt.

Prägend

»Die Massivbauweise sorgt für einzigartige, unverwechselbare Stadtbilder«, findet Georg Bursik, Geschäftsführer der Wopfinger Baustoffindustrie. Wien, Amsterdam oder Paris verdanken dieser Bauweise ihre Unverwechselbarkeit. »Sieht man sich die Finanzzentren von London oder Frankfurt an, so könnten die Glastürme überall auf der Welt stehen.« Für Frank Huber, Geschäftsführer von Zement+Beton, erlaubt speziell der Betonbau eine flexible, sehr individuelle Gestaltung von Bauwerken. »Dieses Kriterium wirkt charakterbildend und gesteht dem Planer viele Freiheiten zu«, betont Huber und bezieht sich damit auf alle Stilrichtungen, angefangen vom römischen Beton durchgehend bis in die heutige Zeit. »Als besondere Ausprägung des Historismus ist z.B.
der Ringstraßenstil in Wien stilbildend für die Architektur von 1860 bis etwa 1900. Nicht umsonst gehören der gesamte Straßenzug und das historische Zentrum von Wien zum Weltkulturerbe«, ergänzt Bursik. Durch die Baustoffentwicklungen im Betonbau, vom Normalbeton über den Stahlbeton, vorgespannte Systeme, den Faserbeton bis hin zu den Hochleistungsbetonen werden soziale, wirtschaftliche und ökologische Vorgaben erfüllt. Für Georg Bursik treibt Beton den Baustil der Moderne voran, »denn die Stilausrichtungen der Zukunft werden an der Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit massiver Baustoffe festgemacht«.

Individuell ...

»Die massive Bauweise zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Bauens«, betont Andreas Pfeiler, Geschäftsführer des Fachverbandes Stein- und keramische Industrie und verweist auf eines der ältesten Betonbauwerke der Welt, das Pantheon in Rom. In den letzten Jahrzehnten wurde Beton zum Designbaustoff. Formenvielfalt, unterschiedlichste Farbgebungen und nahezu grenzenlose Gestaltungsmöglichkeiten erzeugen ein modernes, lebendiges Stimmungsbild. Einen guten Beweis dafür zeigen die dynamisch bewegten Betonlandschaften von Zaha Hadid. »Verschiedene Plattenstärken können zudem je nach Anforderung mit der erforderlichen Betonkernstärke kombiniert werden und ergeben so die optimale Wandstärke«, erläutert Velox-Geschäftsführer Günther Leopold.

... und rasch am Ziel

Niedrige Anschaffungskosten sind laut Market-Umfrage nur für 40 Prozent der Bevölkerung entscheidend, vielmehr zählen Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit. Bei diesen Punkten fällt oft das Stichwort Vorfertigung. Industrielle Vorfertigung sichert kurze Bauzeiten und hohe Ausführungsqualität. Bei jeder Witterung kann gebaut werden, Engpässe bei Fachkräften entfallen. Im Bauwesen können individuelle Wünsche erst im Laufe des Bauprozesses auftreten. »Aber dennoch haben Systembauweise und Vorfertigungen ein hohes Potenzial im Bauwesen der Zukunft«, ist sich FH-Professor und Baumanager Rainer Stempkowski sicher.

Radikal ändern

»In den letzten 100 Jahren hat sich an unserer Herangehensweise nicht viel geändert. Jedes Bauwerk ist ein Unikat«, erklärt Stempkowski. »Jedes Detail wurde unzählige Male neu entwickelt. Dadurch ergeben sich immer wieder Fehler, die Endqualität leidet. Handlungsbedarf und radikale Ideen sind daher dringend gefragt. Das können wir uns durchaus von der Herangehensweise der stationären Industrie holen. Natürlich funktioniert das Bauwesen anders als die stationäre Industrie, aber etwa 80 Prozent der Schritte könnten auch bei uns in standardisierten Modulen ablaufen«, betont er. »Standardisierung macht Sinn bei technischen Lösungen, aber auch beim professionellen Management. Denn wie Unterkonstruktionen funktionieren oder wie der Ablauf optimal organisiert ist, ist für den Nutzer egal.« Laut Lafarge-Geschäftsführer Thomas Spannagl eignet sich Vorfertigung grundsätzlich für alle Bauteile. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Bedenken, dass der Baustil zu einheitlich und eintönig wird, haben die Baumanager nicht. »Die Architektur muss nicht darunter leiden. Es geht primär um die Frage von Konstruktion und Herstellung. Die Gestaltungsmöglichkeiten bleiben ja bestehen«, meint etwa Stempkowski. Den Erhalt der Kreativität sieht auch Univ.-Prof. Sabine Pollak, Leiterin des Bereichs Architektur|Urbanistik an der Kunstuniversität Linz und Partnerin des Büros Köb&Pollak Architektur. Sie hebt den Zeitgewinn hervor: »Gerade im Wohnbau lautet das Ziel, rationell zu arbeiten. Da kann nicht jedes Eck neu designt sein. Das macht keinen Sinn.« Je pragmatischer gearbeitet wird, desto mehr Geld kann z.B. in Gemeinschaftseinrichtungen fließen. Das sei wichtig, denn Gruppenwohnen werde immer attraktiver. Bei allen Architekten ist diese Einstellung aber noch nicht angekommen. »Viele haben die Befürchtung, Systembauweisen haben einen einheitlichen Häuserstil zur Folge. Es gibt aber doch schon sehr positive Beispiele, wo die Vorteile von Systembauweise und Vorfertigung geschickt für architektonisch herausragende Projekte genutzt werden und wurden«, so Stempkowski. Anfangs müsse mit höheren Planungskosten gerechnet werden, da der Fertigungsprozess bis ins letzte Detail durchüberlegt werden muss. Diese Investition zahlt sich aber bereits nach einigen Anwendungen aus, daneben den dann günstigeren und stabilen Kosten vor allem ein großer Qualitätsvorsprung garantiert werden kann.«

Massive Zukunft

Eine Weiterentwicklung der Massivbauweise muss und wird es laut Zement+Beton geben. Für Frank Huber bilden schlanke Bauteile, optimierter Baustoffeinsatz, ausgeklügelter Baustoffmix zur Komfort- und Leistungserweiterung, die Verbesserung nutzbarer Flächen, leistbare und langlebige Baustrukturen und die Ausnutzung der Baustoffspezifika die künftigen Entwicklungsthemen. Auch Wienerberger blickt positiv in die Zukunft. »Die Innovation schreitet stets voran und macht auch beim Traditionsbaustoff Ziegel nicht halt. Das trifft nicht unbedingt nur die Technik, sondern auch sich verändernde Rahmenbedingungen wie Wärmeschutz, Sommertauglichkeit und Katastrophenschutz«, betont Geschäftsführer Christian Weinhapl und verweist auf den neuen Porotherm W.i.-Ziegel, der die Wärmedämmung bereits integriert hat. Damit sind schlankere Konstruktionen möglich und die Wohnnutzfläche steigt. Jetzt ist es laut Weinhapl wichtig, diese Innovation, die bislang vor allem im Einfamilienhausbereich zur Anwendung kommt, auch im Objektbau zu positinieren. Dafür wurde im Wienerberger Werk in Haiding eine vollautomatische Verfüllanlage installiert, um die gedämmten Ziegel für den österreichischen Markt vor Ort produzieren zu können.

Georg Busik macht hier auf eine Entwicklung aufmerksam, die noch zu wenig forciert wird. »Um eines der großen Probleme beim Hausbau, die Baukosten, besser in den Griff zu bekommen, muss sich noch einiges in Richtung Elementefertigung bewegen.« In die Zukunft blickt auch Sabine Pollak. »Im nächsten Jahr planen wir ein groß angelegtes Forschungsprojekt zur Massivbauweise.«

Last modified onDienstag, 01 Oktober 2013 14:31
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