Es krankt an der Schnittstelle Theorie-Praxis

Es krankt an der Schnittstelle Theorie-Praxis

Auch wenn sich derzeit alles um das Thema Corona dreht, herrscht doch große Einigkeit darüber, dass langfristig der Klimawandel die größere Herausforderung darstellt. Ideen wie Plus-Energie-Quartiere gewinnen dabei an Bedeutung. Sie sollen den Energiebezug von außen optimieren, indem das Energiepotenzial am Standort ausgenutzt und im nahen Umfeld zur bestmöglichen Nutzung verteilt wird. Eine prominent besetzte Expertenrunde ging der Frage nach, welche infrastrukturellen Lösungen es für funktionierende Plus-Energie-Quartiere braucht und welche politischen Rahmenbedingungen dafür nötig sind. Das Ergebnis der Diskussion sind fünf konkrete Maßnahmen und Forderungen, die das Thema weiter voranbringen können.

Die Teilnehmer:

Sebastian Spaun: Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie VÖZ

Robert Grüneis: Geschäftsführer Aspern Smart City Research

Stefan Schleicher: Professor am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel an der Karl-Franzens-Universität Graz und Energieexperte WIFO

Martin Kotrbelec: Energiemanager Strabag

Thomas Zelger: Stiftungsprofessor für energieeffiziente und nutzerInnenfreundliche Gebäude und Stadtquartiere FH Technikum Wien

Johannes Schmidl: Experte für die Themen Wärme und Sanierung beim Dachverband Erneuerbare Energie Österreich

Tara Esterl: Leiterin Integrated Energy Systems im Center for Energy am AIT Austrian Institute of Technology 

Michael Pech: Vorstandsvorsitzender ÖSW AG


Report: Herr Schleicher, wo sehen Sie die größten Vorteile von Plus-Energie-Quartieren? Welches Potenzial haben sie?

Stefan Schleicher: Der Start jeder Klima- und Energiepolitik ist das Bauen. Alles andere ist die Konsequenz dessen, was und wie wir bauen. Bislang haben wir vor allem über Renovierung gesprochen, die thermischen Qualitäten von Gebäuden und die Verwendung von erneuerbarer Energie. Diese Argumentation hat ein Ablaufdatum erreicht. Heute geht es vielmehr um den Quartiersgedanken. Da geht es nicht nur um das Thema Energie, sondern auch um kurze Wege und welche Funktionalitäten gebündelt werden können. Dafür gibt es hervorragende Beispiele, etwa das Suurstoffi-Areal in der Schweiz.

Da ist alles vom Kindergarten bis zum Golfplatz in Gehnähe. In diesem Quartierskonzept hat natürlich auch das Energiekonzept ein ganz neues Verständnis gefunden. Das Zauberwort heißt Energie-Hubs. Das bedeutet, dass alle Komponenten in diesem Quartier miteinander verbunden sind. Und zwar durch vier Netze für Elektrizität, Anergie (Leitungsnetz für den Transport von Wärme auf niedrigem Temperaturniveau, Anm. Red.), Gas und darüber gestülpt ein IT-Netz für die Steuerung. Das Ergebnis ist weitgehende Energieautonomie, vor allem wenn die Gebäude über Bauteilaktivierung verfügen.

Report: Herr Zelger, Sie haben an der Studie »Zukunftsquartier – Weg zum Plus-Energie-Quartier in Wien« mitgearbeitet. Was sind die wichtigsten Voraussetzungen für ein funktionierendes Plus-Energie-Quartier?

Thomas Zelger: Ziel der Studie war es, sich anzusehen, wie Quartiere ausschauen,die kompatibel mit einem klimaneutralen Österreich und Europa sind. Einen Großteil der Maßnahmen kennt man, aber in der Quantität und im Mix ist da noch nachzuschärfen. Dazu brauchen wir eine Energieflexibilität, Geschäftsmodelle und den Einbau der volatilen erneuerbaren Energiequellen wie Sonnen- und Windkraft.

Dafür brauchen wir eine effiziente Gebäudehülle und die erneuerbaren Energiequellen vor Ort. Die Gebäude müssen wir flexibel halten, um die Energiespitzen aufnehmen zu können, und wir müssen über Sektorkopplung den Energieaustausch möglich machen. Mit diesem Mix können Plus-Energie-Quartiere umgesetzt werden.

Report: Frau Esterl, das AIT blickt auch gerne in die Zukunft. Wie sieht aus Sicht der Forschung und aus energetischer Sicht das ideale Quartier der Zukunft aus? Welche Best-Practice-Modelle gibt es?

Tara Esterl: Für die Umsetzung benötigen wir viel erneuerbare Energien, flexible Speicherkapazitäten sowie eine sektorübergreifende Planung von Strom, Wärme und Mobilität. Ein kritischer Erfolgsfaktor ist die Berücksichtigung von Komfort, Services und die Usability für die Bewohner. Zudem muss die Planung den Betrieb berücksichtigen. In der Seestadt Aspern gibt es schon ein Best-Practice-Beispiel.

Report: Herr Pech, was können Bauträger zu Plus-Energie-Quartieren beitragen? Ist es nicht viel einfacher, alleine zu bauen als im Verbund denken zu müssen?

Michael Pech: Wir Bauträger sind diejenigen, die diese Ideen umsetzen müssen. Die Ökologisierung beschäftigt uns seit vielen Jahren. Wir versuchen, das Beste im sozialen Wohnbau umzusetzen, auch wenn uns mit Kostenobergrenzen oft die Hände gebunden sind. Aber was nützt das energieoptimierteste Haus, wenn es alleine steht, deshalb finde ich das Quartiersdenken in allen Aspekten so wichtig. Dafür braucht es den ganzheitlichen Ansatz bei Planung, Bau und Betrieb.

Report: Herr Spaun, auch die österreichische Zementindustrie beschäftigt sich sehr intensiv mit dem Thema Plus-Energie-Quartiere. Ist die Bauteilaktivierung Ihr Beitrag zum Quartier der Zukunft?

Sebastian Spaun: Es ist einer der Punkte. Gerade Baustoffhersteller müssen sich die Frage stellen, was sie zusätzlich zu ihrer ursprünglichen Aufgabe, zu tragen und zu spannen, leisten können. Und da war es bei Beton naheliegend, die Speichermasse zu nutzen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass sich die Hersteller mehr und mehr um Gesamtlösungen bemühen. Das Thema Heizen und Kühlen über Strahlungsaustausch ist mittlerweile in der Gesellschaft angekommen.

Dafür braucht es eine enge Zusammenarbeit mit der erneuerbaren Energie, die fluktuiert. Die Frage ist: Wie können das Gebäude und die Substanz mit der fluktuierenden Energie aus Sonne und Wind agieren? Es ist spannend, dass man als Baustoffhersteller beginnt, sich in der Wertschöpfungskette anders zu positionieren.

Report: Herr Grüneis, damit das Thema der Plus-Energie-Quartiere kein rein ideologisches bleibt, braucht es auch Geschäftsmodelle. Was ist aus heutiger Sicht vorstellbar?

Robert Grüneis: Man muss Dinge gut durchdenken und dann ausprobieren. Da sind wir an der Schnittstelle zur Wirtschaftlichkeit. Und da spießt es sich. Oft gibt es gute Ideen, die aber wirtschaftlich nicht darstellbar sind. Die Kunst liegt im übergreifenden Ansatz, dass man mehrere Sektoren optimiert. Dazu gibt es ein E-Mobility-Management, ein Grid-Management und ein Gebäudemanagement.

Wichtig ist die Frage der Energiespeicherung und Verteilung und die Vernetzung all dieser Aspekte über ein IKT-Netz. Dafür braucht es nutzerorientierte Lösungen. Es bringt nichts, wenn wir Lösungen entwickeln und umsetzen, wenn sie den Nutzern nichts bringen. Die Energie muss verfügbar sein. Dafür braucht es Partner, die miteinander reden und gemeinsam Lösungen finden, die wirtschaftlich umsetzbar sind. 

Report: Herr Schmidl, erneuerbare Energieträger spielen bei der Entwicklung von Plus-Energie-Quartieren eine große Rolle. Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen bei der Umsetzung in die Praxis?

Johannes Schmidl: Eine erste Hürde gibt es schon intern, wenn sich Sonne, Wind und Biomasse auf eine Position einigen müssen (lacht). Zum Quartiersgedanken kann man sagen, dass es relativ einfach ist, ein neues Quartier auf die Wiese zu stellen, aber Österreich ist weitgehend gebaut. Ich lebe selbst in einem Gründerzeithaus und war überrascht, wie gut das an neue Nutzungen anpassbar ist. Deshalb ist es ganz wichtig, die Flexibilität immer mitzudenken. Dazu muss das Speicherthema möglichst umfassend gedacht werden, es muss ein Zusammenspiel der einzelnen Speicher geben.

Report: Herr Kotrbelec, es ist schon angesprochen worden, dass der Bauwirtschaft eine wesentliche Rolle zukommt. Welche Lösungen können Sie als Strabag einbringen?

Martin Kotrbelec: Durch die Änderung des Energiemarktes und auch der Netzinfrastruktur mussten wir unsere Kompetenz erweitert. Durch konzerninterne Expertenstäbe, wie in der Zentrale Technik, können wir unsere Kundinnen und Kunden sowie die Bauleitungen aktiv bei der Planung und Arbeitsvorbereitung unterstützen.

Wir haben die Expertise von der Planung bis zur Bauausführung. Die Herausforderung für uns ist nun, die neuen Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, zu bewerten und für unsere Auftraggeberschaft wirtschaftlich umzusetzen.  Deshalb wollen wir uns auch so früh wie möglich einbringen. Denn die Umsetzung neuer Technologien ist schon eine Herausforderung.
 
Thema: Pilotprojekte

Report: Wie wichtig wären weitere Pilotprojekte, um zu zeigen, dass Plus-Energie-Quartiere funktionieren, vielleicht sogar wirtschaftlich darstellbar sind und das Zusammenspiel aller Akteure klappt?

Pech: Wir setzten mit Partnern aktuell das Stadtquartier Biotope City Wienerberg um. Ziel ist die Nutzung regenerativer Mechanismen der Natur um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Das Energiekonzept reicht von Dachbegrünung, vertikaler Fassadenbegrünung über Urban Gardening bis hin zu Regenwasserrückhaltungsanlagen. In Klagenfurt auf den Neunergründen setzen wir ein Projekt um, rein mit erneuerbaren Energien. Mit dem Grundwasser können wir ein anergetisches Netz umsetzen, mit PV-Anlagen auch für E-Mobility. Die große Herausforderung ist die Wirtschaftlichkeit, und zwar im Einzelprojekt. Wir wollen als Gruppe auch als Energieanbieter tätig werden, weil wir glauben, dass das dem Kunden einen Mehrwert bringt.

Spaun: Wir haben 14 Jahre in die Bauteilaktivierung investiert. Es gibt bereits zahlreiche erfolgreiche Projekte, wir haben Zahlen und können bereits gut die Wirtschaftlichkeit darstellen. Wichtig wäre die Aufnahme der Bauteilaktivierung als Kriterium in die Wohnbauförderung oder ein anderes »Belohungssystem« für Bauträger, die dieses erneuerbare Energiesystem für ihre Quartiersentwicklung einsetzen. Der Green Deal muss auch in Österreich dazu führen, dass wir innovative Quartiersentwicklung als nationales Innovationsprojekt sehen und nicht über die Grenze blicken müssen, um zu lernen. Der Staat darf sich nicht nur auf Partikularförderungen konzentrieren, sondern es braucht ein echtes Risikokapital. Denn ein Plus-Energie-Quartier kann nie einer alleine stemmen.      

Zelger: Der Großteil der Umsetzung der Maßnahmen von Plus-Energie-Quartieren ist in den Lebenszykluskosten schon jetzt wirtschaftlich darstellbar. Wir haben das im Rahmen des Zukunftsquartiers gemeinsam mit Wiener Bauträgern auch schon nachgewiesen. Wirtschaftlich ist das völlig absurd, dass dem durch die Gemeinnützigkeit ein Riegel vorgeschoben wird. Es gibt zwar Förderungen, aber die dauern sehr lange, da ist das Projekt dann schon sehr weit weg vom Vorentwurf. Da kann man nichts mehr machen. Deshalb müssen Förderungen nach der Vorentwurfsplanung zugesagt werden.  

Grüneis: Ganz wichtig ist das richtige Mindset, dass richtige Strategien entwickelt werden und es ein Commitment zu Energiequartieren gibt. Aber der Hund liegt im Detail begraben. Sie brauchen ja auch die Mitarbeiter, die die neuen Technologien verstehen und die sozialen Fähigkeiten haben, diese zu kommunizieren. Es fehlt auch die Plattform. Wir sind ein Joint Venture aus namhaften Firmen. Da würde es sich anbieten, das Know-how einzubringen, sofern es keine Betriebsgeheimnisse sind. Wie geht man an eine Local Energy Community heran, damit die ausführenden Unternehmen das auch umsetzen können? Da liegt die Kunst in der Vorabplanung, deshalb wollen wir in Zukunft Gebäude vorab virtuell in Betrieb nehmen. Wir brauchen Pilotprojekte und je mehr, desto schneller sind sie wirtschaftlich. Da braucht es Investment.

Thema: Know-how und internationale Vorbilder

Report: Ist das Know-how in Österreich vorhanden oder braucht es den Blick über die Grenze?

Schleicher: Gerade der Blick in die Schweiz lohnt sich schon. Da ist schon sehr viel zu sehen. Da würde ich mir mehr Kooperationen wünschen. Davon würden wir richtig profitieren. Weil das Stichwort Mindset gefallen ist: Ich glaube, wir haben allen Grund, unser Mindset zu ändern. Ich finde zum Beispiel den Begriff »Sektorkopplung« unglücklich, weil wir uns von den traditionellen Sektoren ja eigentlich verabschieden sollten. Die werden aufgehen in einem ganz neuen Energieverständnis. Da wird der Dienstleistungsaspekt an erster Stelle stehen. Auch mit dem Begriff »Wende« sollten wir vorsichtig sein.

Von Wärmewende und Mobilitätswende zu sprechen ist irreführend, weil etwa das jetzige Mobilitätssystem wird kein Vorbild mehr sein. Da braucht es mehr als eine Wende. Ja, wir brauchen Pilotprojekte .Wir akzeptieren aktuell sehr hohe Budgetdefizite, da sollte eine Milliarde mehr möglich sein, um in jedem Bundesland so ein Projekt zu starten. Das hätte einen enormen Nutzen – von der Beschäftigungswirksamkeit bis zum Know-how-Gewinn und Know-how-Transfer.

Esterl: Wir sind als AIT bei vielen Kooperationen involviert. Gerade mit dem Green Deal steht Geld zur Verfügung, das bei Demoprojekten die Mehrkosten fördern kann. Da können wir sehr eng mit internationalen Forschungsinstituten und Universitäten kooperieren, das schafft einen enormen Wissenstransfer.

Kotrbelec: Wann immer ich neue Technologien umsetze, muss man sich auch die Frage stellen, was passiert beim Abbruch? Da ist die Gesetzgebung bei Entsorgung und Recycling sehr streng. Das darf man nicht unterschätzen.

Thema: Planung und Umsetzung

Report: Woran scheitert heute die Umsetzung von Plus-Energie-Quartieren noch?

Schmidl: Da gibt es mehrere Gründe. Einer sind sicher die fehlenden Professionisten. Für Pilotprojekte finden man genug Leute, aber in der Fläche wird es schwierig.  
Grüneis: Planung ist sehr wichtig, aber man muss auch auf die Baustelle schauen. Denn auch dort passieren Fehler, wenn man die Leute im Regen stehen lässt.

Spaun: Und da sind wir in Österreich nicht gut. Wir zeigen gerne auf den anderen und kommen mit Claim Management. Der Schritt von der guten Idee zum Pilotprojekt ist schwierig. Man kann aber auch von Projekten viel lernen, die nicht zu 100 % funktionieren. Daran krankt es noch, Daten und Rückkopplung aus der Praxis aufzunehmen und wieder in die Praxis zu bringen. Dabei müsste es genau darum gehen.

Kotrbelec: Auch mir fehlt dieser Schritt in die Praxis. Da ist der Wissens­transfer oft schwierig. Und wenn man von Leuchtturmprojekten in die Praxis kommen will, braucht es Standardisierung. Auch das sollte gefördert werden, da gibt es nichts.

Esterl: Dieses Problem kennen wir auch. Auch wir kämpfen um die Last ­Mile. Aber da sind die Fördergrade so gering, dass es ganz schwierig ist. Deshalb versuchen wir in unsere Forschungsprojekte immer beide Aspekte zu packen – die Forschungsfrage gekoppelt mit dem Praxiseinsatz. Zudem bringen wir eine ökonomische und technologieneutrale Bewertung ein.

Thema: Politischer Rückenwind?

Report: Plus-Energie-Quartiere werden im aktuellen Klima- und Energieplan des BMK als prioritär eingestuft. Ist dieser politische Rückenwind in der Praxis spürbar?

Schleicher: So weit ich Einblick habe, hat das BMK andere Schwerpunkte. Alleine das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz hat enorme Kräfte gebunden. Und da läuft viel schief. Das Ziel, den Stromverbrauch zu 100 % aus erneuerbaren Energien abzudecken, kann sehr kontraproduktiv sein. Das ist unrealistisch. Vernünftiger wäre es, das Gesetz Energieausbaugesetz zu nennen. Dann könnte man die Überlegung integrieren, wie die System­integration aussieht. Was wir heute unter Energiegemeinschaften verstehen, ist viel zu eng. Meist geht es nur um PV-Strom, der verteilt wird. Das macht schon Sinn, aber es fehlt die Integration in das Gesamtsystem. Derzeit fehlt im BMK in der Energie- und Klimasektion das Know-how.

Schmidl: Wir sind gut bei Innovationen und Pilotptojekten. Aber das alles in die Breite zu bringen und auszurollen, da gibt es Hürden. Man nennt das oft das Tal des Todes. Man erfindet etwas, es funktioniert als Pilotprojekt, scheitert aber an der Marktgängigkeit.

Grüneis: Was wirklich marktfähig gemacht werden muss, ist das Know-how, all die besprochenen Teilaspekte zu kombinieren. Da geht es nicht um ein einzelnes Produkt. Das ist auch die Schwierigkeit bei Pilotprojekten, weil jedes Projekt andere Rahmenbedingungen hat. Das kann nicht der Energieversorger lösen oder die Stadtplanung oder die Bauwirtschaft oder der Wohnbauträger. Die Kunst, das zu verbinden, im Vorfeld zu planen und bis ins Detail umzusetzen, das macht ein effizientes erneuerbares System aus. 

Schleicher: Ich möchte noch ein wichtiges Schlagwort definieren, und zwar das des zweiten Wiederaufbauprogramms. Wenn wir Klimaneutralität ernst nehmen, dann wird kein einziges Gebäude unberührt bleiben können. Da könnten wir ein Vehikel starten, von dem wir alle nur profitieren.


Conclusio

Am Ende einigte sich die Expertenrunde auf folgende konkrete Maßnahmen und Forderungen:

Förderungen: Es braucht einen One-Stop-Shop für Förderungen; Förderungen müssen in der Vorentwurfsphase zugesichert werden und die »Last Mile«, die Umsetzung in die Praxis, muss besser gefördert werden; Verankerung der Bauteilaktivierung in der Wohnbauförderung

Pilotprojekte: Pilotprojekte müssen weiter forciert werden, um zu zeigen, dass die Wirtschaftlichkeit über den Lebenszyklus heute schon darstellbar ist

Know-how: Es braucht mehr Know-how, alle Aspekte eines Plus-Energie-Quartiers zu verbinden; Wissenstransfer und Kooperationsgedanke müssen gestärkt werden

Forderung nach einem zweiten Wiederaufbauprogramm: Plus-Energie-Quartiere könnten als Teil des Green Deal ein zentraler Aspekt sein

Neben einem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz sollte es ein Energieausbaugesetz geben, das die Systemintegration berücksichtigt; gemeinnützige Bauträger dürfen nicht von großen Energieprojekten ausgeschlossen werden.

Umdenken gefordert: Es braucht ein neues Mindset und ein Commitment zu Plus-Energie-Quartieren

Last modified onMontag, 02 November 2020 11:00
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