Montag, Juli 15, 2024
Im Zeichen von Wasserstoff und Biomethan
Foto: Daniel Hinterramskogler

Im Mai wurden auf dem "Zukunftsforum Grünes Gas" die Herausforderungen der Energiewende für die Versorgungssicherheit, die Weiterentwicklung der Gasinfrastruktur sowie innovative Grüngas-Lösungen diskutiert.

Am 22. Mai 2024 fand das sechste Zukunftsforum Grünes Gas im Palais Niederösterreich in Wien statt. Unter dem Motto „Energiezukunft#machenwir“ betonte die Gasbranche ihre Entschlossenheit, aktiv an einer nachhaltigen Energiezukunft mitzuwirken. Die rekordverdächtige Teilnehmerzahl unterstrich das hohe Interesse an diesen Themen.

Peter Weinelt, Obmann des Fachverbands Gas Wärme, hob in seiner Begrüßung die Bedeutung von Grünen Gasen für eine klimaneutrale Energieversorgung hervor und forderte klare, langfristige Zielvorgaben sowie passende gesetzliche Rahmenbedingungen. Diese Forderung wurde von ÖVGW-Vizepräsident Stefan Wagenhofer unterstützt, der auf die Notwendigkeit staatlicher Anschubfinanzierungen und eines regulatorischen Rahmens für die Wasserstoffwirtschaft hinwies.

Monika Köppl-Turyna von ECO Austria erläuterte in ihrer Keynote, dass Klimaneutralität und wirtschaftliches Wachstum vereinbar sind. Sie sprach sich gegen eine Schrumpfung der Wirtschaft aus und plädierte für grünes Wachstum, das Europa im globalen Wettbewerb stärken würde. Günstige Energie und der Ausbau der Infrastrukturen für Strom und Grünen Gasen (Biomethan, Wasserstoff, Synthesegas) seien hierfür entscheidend. In der anschließenden hochkarätigen Diskussion wurden Bedenken hinsichtlich der globalen Auswirkungen europäischer Emissionsreduktionen geäußert.

Erfolgreiche Projekte zu Biomethan und Wasserstoff im Fokus

Besonderes Interesse fanden die Vorträge zu Projekten rund um Biomethan und Wasserstoff. Bothilde Benedikt Nielsen von Energinet berichtete über Dänemarks Plan, die Gasversorgung bis 2030 vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen. Ein durchaus realistisches Ziel, denn bereits heute werden rund 40 % des gesamten jährlichen Gasverbrauchs von derzeit rund 35 Mrd. m³ durch Biomethan gedeckt.

Dem dänischen Beispiel folgt man auch in Niederösterreich. Geschäftsführer Hubert Seiringer berichtete von einer bereits genehmigten Anlage im Mostviertel, in der aus regionalen Reststoffen jährlich bis zu 7 Mio.m³ Biomethan erzeugt werden sollen, das auch als klimaneutraler Treibstoff (Bio-CNG) in der Region eingesetzt wird.

Unterstützung und Beratung bei der Produktion von Biomethan in Niederösterreich will die neu gegründete EVN Biogas GmbH Biogasanlagenbetreibern bieten. Geschäftsführer Bernhard Karnthaler berichtete über das Ziel des Unternehmens, Biomethan auf diese Weise auf den Markt zu bringen. Dazu bedarf es eines Nachweis- und Zertifizierungssystems für nachhaltiges Biomethan sowie eines geeigneten Fördersystems, das auch die Anlagengröße berücksichtigt.

Ein derartiges Nachweissystem für die Nachhaltigkeit von Biomethan existiert bereits. Stefanie Königsberger von AGCS informierte über den Aufbau des Zertifizierungssystems, das für den grenzüberschreitenden Handel und die Anrechenbarkeit auf nationale und europäische Nachhaltigkeitsziele notwendig ist.

Innovative Projekte

Herbert Meixner von der Wiener Wasserstoff GmbH stellte eine 3-MW-Elektrolyseanlage in Wien Simmering vor, die grünen Wasserstoff für die H2-Tankstelle am Standort produziert. Ein vielversprechendes Projekt, um Erfahrungen für eine kostengünstige H2-Produktion in großen Mengen zu sammeln. Das ÖVGW-Regelwerk für H2-Anwendungen bezeichnete Meixner dabei als wertvolle Hilfe.

In welchen Größenordnungen die Produktion von grünem Wasserstoff bereits heute möglich ist, machte Davide Trebo von Siemens Energy in seinem Vortrag deutlich. Projektgrößen mit einer Leistung von 100 MW werden sich am Markt etablieren. In Frankreich befindet sich derzeit eine Anlage Normand’Hy mit einer Leistung von 200 MW im Bau. Siemens Energy wird ab 2025 Elektrolyse-Stacks – also Elemente, an denen der elektrochemische Prozess zur H2-Erzeugung abläuft- mit einer Gesamtleistung von 3 GWh pro Jahr herstellen.

Elke Wanke von der Energienetze Bayern GmbH berichtete von einem Projekt, bei dem Endkunden an ein 100%-Wasserstoffnetz angeschlossen wurden. Moderne Brennwertkessel wurden so umgerüstet, dass sie – wie bisher mit Erdgas – problemlos betrieben werden können.

Der erzeugte grüne Wasserstoff soll zukünftig auch saisonal gespeichert werden, und bei Bedarf verfügbar gemacht werden. Stephan Bauer vom Speicherbetreiber RAG AG berichtete über die Aktivitäten und aktuellen Stand von Projekten zur Speicherung von 100% H2 in Untergrundspeichern und der Speicher-Einbindung in den zukünftigen H2-Markt.

Rahmenbedingungen für Grünes Gas

Den Abschluss der Veranstaltung bildeten zwei Podiumsdiskussionen. Experten wie AGGM-Vorstand Bernhard Painz, Judithe Neyer vom BMK, Carola Millgramm, E-Control, Gerald AUe, Compass LExecon, Birgit Straka-Lang und Barbara Fischer diskutierten die Voraussetzungen und Finanzierung für den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur. Man war sich einig, dass die Verabschiedung des EU-Gas-Pakets den Startschuss für einen geeigneten regulatorischen Rahmen darstellen würde, um Österreich von einer Erdgas- zu einer Wasserstoffdrehscheibe zu machen.

Die Energiesprecherinnen und Energiesprecher der im Nationalrat vertretenen Parteien diskutierten zum Abschluss die notwendigen energiepolitischen Weichenstellungen im Zusammenhang mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2040. Dabei erklärte Tanja Graf (ÖVP), dass man weiterhin versuchen werde, die notwendige parlamentarische Zustimmung für den Beschluss des Erneuerbare-Energien-Gesetzes noch in dieser Legislaturperiode zu erreichen.

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