Donnerstag, Juni 30, 2022



Bei der Veranstaltungsreihe »windrichtungen« der IG Windkraft wurde Ende Jänner über Möglichkeiten gesprochen, welche die Flexibilität eines erneuerbaren Energiesystems mit sich bringt. Bereits heute könne die Windenergie viel mehr zur Versorgungssicherheit beitragen, als die Netzversorger abrufen, heißt es.

»In Zukunft kann und soll die Windenergie noch einen weit größeren Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten«, bemerkt Stephan Parrer, Leiter von ­ImWind Operations und Vorstand der IG Windkraft: »Die Voraussetzung dafür wird der Umbau des trägen Stromsystems von Kohle- und Atomkraftwerken, hin zu einem flexiblen erneuerbaren Stromsystem der Zukunft sein.« Markus Winter, Technikvorstand der Windkraft Simonsfeld und Vorstand der IG Windkraft ergänzt: »Die Windbranche stellt hier gerne die vielen Möglichkeiten der Netzunterstützung zur Verfügung, man muss sie aber auch nutzen. Dann steht einer erneuerbaren Energieversorgung mit hoher Versorgungssicherheit nichts mehr im Weg.«    

»Windparks weisen eine Vielzahl an netzstützenden Funktionalitäten auf«, berichtet Sabrina Windemuth, Sales Grid Integration Engineer bei Enercon. »Sie können durch entsprechende Regelungen beispielweise einen Beitrag zu Spannungs- oder Frequenzhaltung leisten. Netzbetreiber können die Funktionen nutzen und zum Beispiel vorgeben, wie hoch eine Blindleistungseinspeisung im Netz sein soll, um die Spannung zu stützen.« »Windräder verfügen über mehr Funktionalitäten als derzeit abgerufen werden«, berichtet auch Eckard Quitmann, Grid Integration Engineer bei Enercon: »Windkraftwerke könnten zum Beispiel seit über zehn Jahren etwas Ähnliches wie Schwungmasse beisteuern. In Europa will das aber derzeit keiner haben.«

Markus Winter, Technikvorstand bei Windkraft Simonsfeld ergänzt: »Klar muss dabei aber auch sein, dass jede netzdienliche Leistung, die wir für die Netzbetreiber übernehmen finanziell abgegolten werden muss. Netzdienliches Verhalten, Netzstützung und Blindleistung sind wesentliche Planungsbestandteile von erneuerbaren Kraftwerksprojekten, vieles ist mittlerweile Standard geworden. Weitere Entwicklungsarbeit ist aber notwendig, um die Erneuerbaren noch besser für die Versorgungssicherheit nutzen zu können.«

Blickwinkel ändern

Österreich ist schon seit vielen Jahren gewohnt, die Stromversorgung mit einem hohen Anteil von erneuerbaren Energien zu gewährleisten. In naher Zukunft wird der Anteil sogar mehr als 100 Prozent betragen. »Die Versorgungssicherheit ist in Österreich sehr hoch, es besteht eine hohe Kontinuität in der Zuverlässigkeit der heimischen Stromversorgung und es gibt keine negative Korrelation mit den erneuerbaren Energien«, bemerkt Parrer und erklärt: »Was sich ändern muss ist das Marktumfeld für die Stromversorgung sowie der Ausbau von Netzen und Speichern unter Berücksichtigung einer Versorgung Österreichs mit hundert Prozent erneuerbarer Energie. Wir können nicht erwarten, dass Märkte die allein Energie vergüten und bestehende Stromnetze, die auf die Eigenschaften von Kohle- und Atomkraftwerken ausgelegt sind, auch für ein erneuerbares Energiesystem passen.«

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