Das IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH und die ib-data GmbH arbeiten zusammen, um Ökobilanzen direkt in Leistungsverzeichnisse und Ausschreibungen zu integrieren. Im Zuge dieser langjährigen Kooperation werden ökologische Kriterien in der Baumanagementsoftware ABK implementiert.

Die ABK-Software unterstützt Auftraggeber, Planer und Ausführende vor allem im Prozess der Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung von Bauprojekten. Kern jeder Ausschreibung von Bauleistungen ist ein Leistungsverzeichnis, das aus Vorbemerkungen und Positionen besteht. In der Regel werden für die Erstellung von Leistungsverzeichnissen Standardisierte Leistungsbeschreibungen herangezogen, die von unabhängigen Institutionen herausgegeben und weiterentwickelt werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, freiformulierte Positionen im LV zu verwenden.
Im Zuge dieser langjährigen Kooperation des IBO und ABK wurden Umweltkennzahlen bei relevanten Positionen der Standardisierten Leistungsbeschreibung für Hochbau sowie der Standardisierten Leistungsbeschreibung für Verkehr- und Infrastrukturbau hinterlegt. Dafür wurde jede Position aus Produkten mit den entsprechenden Mengenanteilen zusammengesetzt und mit den Ökobilanzdaten des IBO-Richtwertekatalogs aus der Online-Datenbank baubook hinterlegt. Somit werden generische Daten für Bauprodukte und Bauprozesse verwendet, berücksichtigt werden neben der Herstellungsphase der Produkte (Modul A1-A3 gemäß EN 15804) auch relevante Tätigkeiten in der Errichtungsphase (A4-A5 nach EN 15804). In der ABK-Software wurde die Erstellung von Ökobilanzen für Leistungsverzeichnisse im Modul ABK-ÖkoAVA implementiert. Die Daten werden durch eine Schnittstelle laufend aktualisiert. Für freiformulierte Positionen kann man im LV auf vorhandene Berechnungen zugreifen, diese kopieren und abändern.

Projekte unter der ÖKO-Lupe
Das IBO nützte dieses Modul bereits im Auftrag der ÖBB Infrastruktur AG. Projekte wie der Bahnhofsumbau in Gramatneusiedl oder der Bau einer Unterführung wurden analysiert und die Bauleistungen identifiziert, die die höchsten Umweltbelastungen verursachen. In beiden Fällen waren 10 Positionen für etwa die Hälfte der ökologischen Aufwände verantwortlich (43–62 %, untersuchte Indikatoren: PENRT und GWP total).
Auch qualitative ökologische Eigenschaften sind bereits in ABK integriert: Die ÖkoBauKriterien der Stadt Wien und des Vorarlberger Gemeindeverbands sowie des Bundes (naBe Aktionsplan nachhaltige öffentliche Beschaffung) sind als Ergänzungsleistungsbeschreibung verfügbar. Auftraggeber und Planer können rasch und zuverlässig auf die dafür vorhandenen vorgefertigten Daten und Texte für Kriterien und Produktbeschreibungen zurückgreifen.
Mit der Funktion ABK-Bestbieterermittlung werden zum Preis weitere Zuschlagskriterien wie zum Beispiel ökonomische, ökologische oder soziale Kriterien im Ausschreibungs-LV definiert, gewichtet und mit Messkriterien für die Punktebewertung versehen. Das Angebot mit der höchsten Punkteanzahl erhält nach Bundesvergabegesetz den Zuschlag. Auch für die ÖBB wurde ein Konzept für die Berücksichtigung ökologischer Aspekte bei der Bestbieterermittlung entwickelt.

Ökologische Kriterien wurden mit dem Ziel ausgearbeitet, negative Auswirkungen auf die lokale Umwelt während der Bauphase zu minimieren. Der Einsatz von Fahrzeugen oder Baumaschinen mit technischer Ausstattung, die Euro 6 entspricht, der Einsatz von elektrisch betriebenen Baumaschinen und die Verwendung von recycelten Gesteinskörnungen für Betonbauten wurden als Bestbieterkriterium im Ausschreibungs-LV formuliert. Es wurden genaue Angaben gemacht, unter welchen Bedingungen die Kriterien zu erbringen sind, wie die Einhaltung der Kriterien überprüft wird und welche Auswirkungen eine Nichteinhaltung zur Folge hat. Die Verwendung dieser und ähnlicher Bestbieterkriterien wird in Pilotprojekten erprobt, die Auswirkungen bei der Angebotsprüfung werden genau analysiert.