Dienstag, September 27, 2022

Nachhaltigkeit nimmt zunehmend einen zentralen Platz in der Strategie der Unternehmen ein. Wer ESG lebt, hat einen Marktvorteil.

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das nicht nur diskutiert wird, sondern auch gesellschaftspolitisch und global nicht mehr wegzudenken ist. Auch der Trend hin zu nachhaltigen Gebäuden verstärkt sich. »Aus meiner Perspektive ist die Baubranche aber noch nicht ausreichend vorbereitet«, betont Elisabeth Rauter, Senior Managerin im Bereich Immobilien-, Infrastruktur- und Bausektor bei EY Österreich. In den letzten Jahren gab es bereits Fortschritte, für das Ziel der Klimaneutralität 2040 aber noch nicht genügend.

Vor allem Langlebigkeit müsse mehr in den Mittelpunkt gestellt werden, es müsse für die Zukunft gebaut werden. Für den Bestand fordert sie gutes Datenmanagement und umfassende Bewirtschaftung. Außerdem muss das Thema Kreislaufwirtschaft forciert werden. »Es gibt Überlegungen am Markt hinsichtlich der Schaffung von Plattformen, die Angebot und Nachfrage für Bauobjekte zusammenbringen.« BauKarussell sei ein gutes Beispiel, aber seine Strukturen sind noch zu klein.

»Es gibt keinen vorgegebenen einheitlichen Kriterienkatalog, jede Ratingagentur kocht ihre eigene Suppe«, hält Elisabeth Rauter, EY, fest. Mit der Taxonomie versuche man das jetzt zu vereinheitlichen und gegen Greenwashing vorzugehen. (Bild: EY) Strabag, Wienerberger, Richard Tanzer

Der Gründer des Re-Use-Projekts, Architekt Thomas Romm, sieht dagegen den absoluten Trend zu ESG am Bau. Bau-unternehmer*innen erarbeiten bereits ihre eigene ESG-Strategie. »Viele wissen aber nicht genau, wie sie funktioniert«, verweist er auf den Annex B, der erst im März 2022 erschienen ist. Umfassende Nachhaltigkeit werde daher noch nicht umgesetzt. Die Wirtschaft orientiere sich noch, wobei viele Bereiche schwer zu ändern seien, wie Flächen- und Ressourcenverbrauch oder soziale Nachhaltigkeit. Anreize gebe es angesichts der bestehenden Krisen aber genug. »Wir haben unter anderem globale Logistikketten anzupassen sowie energie- und ressourceneffizient zu bauen.«

Alle müssen sich ESG zu Herzen nehmen – verpflichtend ist es erst für kapitalmarktorientierte Unternehmen. Da einige Banken aber bereits nach ESG-Kriterien fragen und viele Investoren Nachhaltigkeit bei den Bauprojekten einfordern, werde sich ESG bald auf die gesamte Wirtschaft auswirken, meint Rauter.




ESG bei Wienerberger

Die Nachhaltigkeitsschwerpunkte von Wienerberger sind sehr umfangreich gestaltet, reichen von Biodiversität über die Reduktion der CO₂-Emissionen und Förderung der Kreislaufwirtschaft bis zur Energieeffizienz und Arbeitssicherheit. »Mit Ziegel als langlebiges und nachhaltiges Produkt für Wohnbau, Renovierung und Infrastruktur sind wir bestens aufgestellt«, betont Mark van Loon, Senior Vice President Sustainability & Innovation. Die CO₂ Emissionen hat Wienerberger verglichen mit 1990 bereits halbiert. Das Werk in Uttendorf wird durch elektrifizierte Prozesse fast CO₂-neutral laufen.

»Es gibt große Fortschritte bei der Arbeitssicherheit unserer Kolleg*innen in den Werken«, sagt Mark van Loon, Senior Vice President Sustainability & Innovation. (Bild: Wienerberger)

Mit dem AIT wurde eine Lösung entwickelt, um Energie aus der Trocknerabluft zurückzugewinnen. Durch den Einsatz von Wärmepumpentechnologie konnte der Gasverbrauch um 30 Prozent gesenkt werden. Bei allen Maßnahmen steht der Mensch im Mittelpunkt. Jahr für Jahr unterstützt Wienerberger im Bereich Corporate Social Responsibility bedürftige Menschen und schafft Wohneinheiten für Menschen in Not. Aktuell stellt der Ziegelprofi in Laa/Thaya für die Errichtung eines Wohnheims der Caritas für junge Menschen mit Behinderung alle Wand- und Dachziegel zur Verfügung. Mit Habitat for Humanity International besteht ebenfalls bereits eine 10-jährige Zusammenarbeit.

ESG bei Handler Bau

»ESG für Handler heißt: wir nutzen die Kraft der Natur, schaffen Raum für Menschlichkeit und garantieren Erfolg durch Weitsicht. Vor allem Ersteres beschäftigt uns die vergangenen 1,5 Jahre sehr intensiv«, betont Geschäftsführerin Caroline Palfy. »In interdisziplinären Teams wird an visionären Produkten & Lösungen gearbeitet. Wir setzen auf integrierte Projektabwicklung und sind dadurch frühzeitig involviert. Die zeitnahe Einbindung ermöglicht es uns, gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern Lösungen zu erarbeiten, um step by step unsere Vision einer klimapositiven und vernetzten Zukunft des Bauens näher zu kommen.«

»Handler Bau betreibt eine eigene Innovations- und Forschungsabteilung«, sagt Geschäftsführerin Caroline Palfy. (Bild: Richard Tanzer)

ESG bei Strabag

»Die Baubranche spielt bei der Erreichung der Klimaziele eine wesentliche Rolle und das ist bei uns auch angekommen«, betont Klemens Haselsteiner, der im Strabag-Vorstand für das Thema Sustainability verantwortlich ist. Damit die Klimaziele wirklich erreicht werden, sollten Bauunternehmen und die öffentliche Hand an einem Strang ziehen. »Sie muss sich stärker ihrer Rolle als Auftraggeberin bewusst werden. Wenn öffentliche Gelder nur mehr in nachhaltige Bauweisen fließen, dann können wir gemeinsam wirklich etwas bewegen.«

»Wir betrachten den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks, arbeiten an besseren Materialien, aber auch an der Optimierung von Bauprozessen«, sagt der zukünftige Vorstandsvorsitzende Klemens Haselsteiner. (Bild: Strabag)

ESG bei Etex

2020 hat Etex den Global Compact der Vereinten Nationen für nachhaltige und verantwortungsvolle Geschäftspraktiken unterzeichnet. »Nach einer internen Bewertung haben wir zehn Ziele für nachhaltige Entwicklung ausgewählt, die für Etex am wichtigsten sind«, beschreibt Vertriebsleiter Daniel Rogala die Nachhaltigkeitsstrategie. »Wir orientieren uns z. B. an den Cradle-to-Cradle-Prinzipien, wobei der Anteil an Ökostrom von 13,7 Prozent im Jahr 2019 auf mittlerweile 100 Prozent gestiegen ist. Mit der Etex Challenge motivieren wir unsere Mitarbeiter zu sportlichen Aktivitäten.«

ESG bei Leyrer + Graf

»Die Errichtung von Bauwerken jeglicher Art im Auftrag unserer Kunden erfordert den Einsatz vieler Ressourcen und Energie. Das lässt sich nicht wegleugnen«, stellt Baumeister Stefan Graf, CEO von Leyrer + Graf, fest. »Genau deshalb ist es wichtig, den Lebenszyklus zu betrachten. Die von uns gesetzten Maßnahmen umfassen vor allem die Reduktion von Abfällen und Schadstoffen sowie die Förderung von Recycling, neuen Technologien wie E-Mobilität oder Green Building bis zum Einsatz von Wasserstoff. Innerhalb der Bauproduktion, also während der Errichtung, ist die Kreislaufwirtschaft schon sehr gut angekommen. Aktuell werden an sämtlichen Leyrer + Graf Standorten knapp 2.000 PV-Module mit einer Fläche von rund 4.350  m² und einer Jahresleistung von 900.000 kWh installiert. Im Bereich der Nutzfahrzeuge laufen erste Pilotversuche, ebenso zum Einsatz von Wasserstoff bei Groß-LKW und Baumaschinenfahrzeugen.«

»Die Einführung eines zertifizierten Umweltmanagementsystems nach ISO 14001 ist bereits vor Jahren erfolgt«, sagt CEO Stefan Graf. (Bild: Leyrer + Graf)

ESG bei Umdasch

»Auch wenn die Umdasch Gruppe sehr global auftritt, sind wir im Kern geprägt von den Werten traditioneller, nachhaltig orientierter Familienunternehmen«, betont Vorstandsvorsitzender Wolfgang Litzlbauer. »Wir bieten unserem Team viel zur persönlichen Weiterentwicklung, unterstützen über die Umdasch-Foundation soziale Projekte. Governance ergibt sich aus den Regularien. Der Umweltaspekt bildet heute für uns betrieblich eine extreme Dynamik.« Umdasch versucht, für die Kunden Kompetenzpartner auf Augenhöhe zu sein und berät z. B. über den effizienten Einsatz von Zement. »Mit der integrierten Sensorik in unseren intelligenten Schalungen können z. B. Aushärteprozesse optimiert werden. Wir bieten die Systeme auch zur Miete an, wodurch der Ressourceneinsatz gering gehalten wird. Zusätzlich entwickeln wir disruptive Technologien und tragen damit dazu bei, den CO2 Verbrauch am Bau zu reduzieren.«

»Börsennotierte Baufirmen haben den unmittelbaren Druck der Investoren«, sagt Vorstandsvorsitzender Wolfgang Litzlbauer. (Bild: Umdasch)

(Titelbild: Strabag)

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