Mittwoch, Juli 06, 2022
Satte 280 Millionen Euro oder 16 Prozent beträgt das Umsatzminus der Stein- und keramischen Industrie. Und daran ist nicht nur die Krise schuld. Der heimischen Politik stellt die Branche ein ordentliches Zeugnis aus, der EU nicht. Denn Kopenhagen schwebt wie ein Damoklesschwert über der gebeutelten Branche.

Die Halbjahresbilanz der Stein- und keramischen Industrie fällt ernüchternd aus. Beim Fachverband schrillen sogar schon die Alarmglocken. Nicht ganz zu Unrecht, denn der Branchenumsatz ist im Vergleich zum Vorjahr von 1,75 Milliarden Euro auf 1,47 Milliarden Euro gesunden. Das entspricht einem satten Minus von 280 Millionen Euro oder 16 Prozent. Auch der Mitarbeiterstand sank deutlich um 6,2 Prozent und hat damit den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen erreicht. Im Vergleich zu anderen Branchen ist für den Abschwung aber nicht nur die Krise verantwortlich. Die hat zwar für Rückgänge bei den Industriezulieferern und einen deutlichen Preisverfall in fast allen Sparten des Fachverbandes Steine-Keramik gesorgt, aber auch das Wetter hat seinen Teil zum schlechten Ergebnis beigetragen. Die schlechte Witterung hat vor allem die Bauzulieferer getroffen. Schnee und Regen von Jänner bis Juni sind laut Fachverband die Ursache für etwa die Hälfte des Umsatzrückganges. Spitzenreiter bei den Umsatzverlierern ist die Schleifmittelindustrie mit minus 35 Prozent, die damit hauptverantwortlich für den Rückgang von 22,6 Prozent in der Gruppe der Industriezulieferer ist (Schleifmittel, Feuerfest, feinkeramische Industrie und teilweise Kalk).

Hoffen auf das zweite Halbjahr
Das zweite Halbjahr 2009 steht beim Fachverband ganz im Zeichen der Schadensbegrenzung. „Wenn wir halbwegs gutes Wetter bekommen und die Kreditbremse für den Hochbau endlich gelöst wird, kann es uns noch gelingen den Umsatzrückgang für das Gesamtjahr 2009 auf zehn Prozent zu beschränken“, betont Carl Hennrich, Geschäftsführer des Fachverbandes Steine-Keramik. Eine Beruhigung der negativen Geschäftsentwicklung für das Jahr 2010 erwartet er derzeit aber nicht: „Es dauert viel länger, die sehr rasch zurückgestellten Projekte im Industrie- und Gewerbebau sowie vor allem im frei finanzierten Wohnbau wieder in Gang zu setzen!“

Große Zustimmung findet die vom Umwelt- und Wirtschaftsministerium durchgeführte Aktion zur thermischen Sanierung von Wohngebäuden und Gewerbebetrieben. Mit einer Fördersumme von 100 Millionen Euro wurde ein Investitionsvolumen von 850 Millionen Euro ausgelöst. Beim Fachverband wird jetzt gehofft, dass diese Aktion ein erfolgreicher Start in eine nachhaltige Sanierungsaktion gewesen sein könnte und „aus dem Einmaleffekt ein Perpetuum“ wird. Ziel müsse die Anhebung der Sanierungsrate bei Wohngebäuden von derzeit einem Prozent auf drei Prozent sein.  

Schreckgespenst Kopenhagen
Während die heimische Politik vom Fachverband also durchaus gute Noten bekommt, wird mit der Politik auf Europaebene deutlich härter ins Gericht gegangen. Vor allem das Klima- und Energiepaket ist der Industrie ein Dorn im Auge. Und das Kopenhagener Abkommen, das Ende Dezember beschlossen werden könnte, schwebt wie ein Damoklesschwert über der Branche. Sollte das CO2-Reduktionsziel tatsächlich wie kolportiert von 20 Prozent auf 30 Prozent erhöht werden, ist das für Hennrich ein „riesiges Schreckensszenario“. Dabei könnte der Industrie ihre vorbildliche Vorgangsweise der Vergangenheit auf den kopf fallen. „Die österreichische Industrie hat ihre Hausaufgaben bezüglich effizienten Energieeinsatz bereits gemacht, sie zählt zu den drei besten in Europa“, erklärt Hennrich. Eine weitere deutliche Reduktion der CO2-Emissionen ist angesichts des hohen Kohlenstoffgehaltes der zu verarbeitenden Rohstoffe in der Stein- und keramischen Industrie enorm schwierig. Der Fachverband fordert deshalb, in Zukunft die Sektoren Verkehr und Raumwärme für die Erfüllung zusätzlicher Klimaschutz-Verpflichtungen heranzuziehen. Denn, so Hennrich, für die Industrie ist das Ende der Fahnenstange erreicht.

 

 


 

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