Montag, Mai 23, 2022
Der Verband der gemeinnützigen Wohnbauvereinigungen zieht eine positive Bilanz 2008. Die Wirtschaftskrise lässt aber auch in dieser Branche den Ruf nach einem Konjunkturpaket laut werden.

Anstellen um Geld des Bundes – diese Devise gilt in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise für viele Branchen. Warum also nicht auch die gemeinnützige Wohnbauwirtschaft. Wie Karl Wurm, Obmann des Verbands der Gemeinnützigen Wohnbauvereinigungen (gbv), bei der Bilanzpräsentation 2008 erläuterte, möchte die gbv 250 Millionen Euro als „Sonderwohnbauprogramm“ von der Republik Österreich. Mit dieser auf 2 Jahren befristeten Maßnahme könnten rund 3500 Wohnungen und 3000 Arbeitsplätze zusätzlich entstehen, so Wurm. Diese zusätzlich zur Wohnbauförderung auszuschüttenden Mittel könnten entweder vom Bund an die Länder fließen und davon abhängig gemacht werden, dass diese ihre Wohnbauförderungen gleich dotieren wie bisher. Gefördert würden dann solche baureifen Projekte, die nicht in den Kontingenten der herkömmlichen Wohnbauförderung Platz gefunden haben.
Alternativ könnten diese 250 Millionen auch direkt vom Bund an die Kommunen fließen, etwa über die Kommunalkredit, das Finanzierungsinstitut für Städte, Gemeinden und öffentliche Körperschaften. Dafür müsste die Kapitalkraft dieser Bank allerdings gestärkt werden, so Wurm. Ein Teil des Geldes könnte auch für die thermische Sanierung eingesetzt werden, die damit 2 Jahre lang gefördert wird – die derzeit im Konjunkturpaket der Regierung vorgesehenen jeweils 50 Millionen für die Sanierung privater und betrieblicher Gebäude sind nur bis Herbst begrenzt. Notwendig sei das Sonderwohnbauprogramm, weil den gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften die finanziellen Mittel fehlen, um die teilweise starken Sprünge in der Rückzahlung von Wohnbauförderungs- und Kapitalmarktdarlehen abzufedern, meint Wurm.
„Wir leisten einen Beitrag zur Abfederung der Wirtschaftskrise in Österreich“, so gbv-Obmann Wurm über das gemeinnützige Wohnungswesen in diesem Land. Denn zum Unterschied von Ländern wie Irland, Großbritannien oder Spanien, wo sich die Menschen ihre Wohnungen selbst – das heißt zum Großteil auf dem Kapitalmarkt – finanzieren, damit das Risiko tragen und sich verschulden, sei es in Österreich der Bauträger, der das Risiko trage. Und damit gebe es die Probleme, die Länder mit hoher Fremdfinanzierungsrate haben, in denen die Banken ihre Immobilienkredite über Schuldverschreibungen absichern, in Österreich nicht, meint Wurm. Und dafür möchte die gemeinnützige Wohnbauwirtschaft nun die Anerkennung in Form des Sonderwohnbauprogramms.

Neubauvolumen gestiegen.
Mit 13.900 fertig gestellten Wohnungen im Jahr 2008 mussten die gemeinnützigen Wohnbauträger einen Rückgang von 3.300 im Vergleich zu 2007 verzeichnen. Diese Verkürzung sei aber hauptsächlich durch Verzögerungen bei Großprojekten entstanden so Wurm. Durch die baldige Fertigstellung solcher Projekte, wie der Wilhelmskaserne oder dem Karree St. Marx in Wien, erwartet der gbv für 2009 und 2010 wieder steigende Fertigstellungszahlen bei den Gemeinnützigen. Zum Jahreswechsel 2008/2009 befanden sich 23.100 Wohnungen in Bau.
Die rückläufige Fertigstellungsrate bedeutet laut gbv aber keineswegs rückläufige Investitionen der Gemeinnützigen in den Wohnungsneubau. Im Gegenteil sei das reale Neubauvolumen, bereinigt um die Baupreisentwicklung, zwischen 2002 und 2008 von 1,49 Milliarden Euro um 30% auf 1,93 Milliarden gestiegen. Heuer wird ein ähnliches Niveau erwartet.
Sanierungen machen mit real 456 Millionen Euro im vergangenen Jahr inzwischen bereits ein Fünftel des Bauvolumens der gemeinnützigen Bauträger aus. Mit einer Sanierungsrate von 3,1% würde diese Wohnbausparte damit im Spitzenfeld liegen, so Wurm. Den Großteil macht die thermische Sanierung aus, die jährlich rund 14.000 gemeinnützige Mietwohnungen sowie 5500 von den Gemeinnützigen verwalteten Eigentumswohnungen umfasst. Damit würde der CO2-Ausstoß in diesem Bereich um 45.000 Tonnen jährlich reduziert, so Wurm.

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