Montag, Mai 23, 2022

Peri-Großprojekt in Kanada: Die Golden Ears Bridge ist das Kernstück eines sechsspurigen, rund 13 Kilometer langen Schnellstraßenprojekts nahe der kanadischen Westküste. Der Schalungsbranche geht es wie fast allen anderen Wirtschaftszweigen schlecht. In den Boomjahren wurden hohe Schalungsbestände angehäuft, jetzt hat man mit Überkapazitäten zu kämpfen. Das verschärft den Wettbewerb und lässt die Margen schrumpfen. Und Besserung ist derzeit noch nicht in Sicht. 

Früher war alles besser. Zahlreiche Großprojekte in Südostasien, Südamerika und vor allem im arabischen Raum lieferten eine lukrative Spielwiese für die europäische Schalungsbranche. Doka arbeitete federführend am Burj Dubai mit. Wenige Kilometer Luftlinie entfernt werkte Peri am Tunnel zur künstlich angelegten Inselgruppe Jumeirah. Aber auch abseits der prestigeträchtigen Megabauwerke ließ sich gutes Geld verdienen. Noch vor einem Jahr war die Stimmung in der heimischen Branche sehr positiv. Der Aufschwung der Baukonjunktur 2007 bescherte auch der Schalungsbranche Umsatzzuwächse im zweistelligen Prozentbereich. Für das Jahr 2008 waren die Erwartungen ähnlich. Die Unternehmen investierten und erweiterten ihre Kapazitäten. Doch dann kam die Wirtschaftskrise und mit ihr der Katzenjammer. Dabei hatte 2008 noch richtig erfreulich begonnen. Die ersten drei Quartale 2008 sorgten noch für so manchen Höhenflug. »Allerdings ist das Geschäft ab September abrupt eingebrochen«, stellt Joachim Strachwitz, Marketingleiter beim Schalungshersteller Ringer, fest. Auch die Doka bekam laut Franz Hochholzer, Vertriebsleiter Österreich, im vierten Quartal einen deutlichen Rückgang zu spüren. Diese Entwicklung wird sich auch 2009 fortsetzen. Strachwitz stellt sich schon mal auf ein Minus von 25 bis 35 Prozent ein. Und auch Hubert Mayerhofer, Geschäftsführer der Österreich-Niederlassung von Peri, geht davon aus, dass der negative Trend weiter anhalten wird. Vor allem im Kaufgeschäft rechnet Mayerhofer mit Einbußen aufgrund der verminderten Investitionsbereitschaft. Diese werden vom Mietgeschäft nicht kompensiert werden können, denn auch hier sind Rückgänge zu erwarten, allerdings deutlich weniger dramatisch.

Rückschläge und Hoffnungen
Als Bumerang erweisen sich die Kapazitätsaufstockungen während der Boomphase. Dank der erfolgreichen letzten Jahre sitzen die Hersteller jetzt auf hohen Schalungsbeständen, die ungenutzt herumstehen und um jeden Preis vermietet oder verschleudert werden In Bulgarien und Rumänien ist Ringer gut im Geschäft. National reklamiert man für sich den zweiten Platz hinter Marktführer Doka.müssen. »Früher konnte man solche Probleme noch über die Exportmärkte steuern. Diese Möglichkeit entfällt natürlich während einer weltweiten Krise«, sagt Strachwitz. Wenn aufgeblähte Apparate auf ein denkbar schlechtes Umfeld treffen, dann hat das natürlich Konsequenzen. Die Doka hat bereits 500 Leiharbeiter abgebaut und 190 Arbeitsplätze gestrichen. Zudem werden ab März rund 1.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Dabei ist die Talsohle längst nicht erreicht. Paschal-Sprecher Frank Gerigk erwartet die echte Krise erst im ersten Halbjahr 2010. »Die Nachfolgeaufträge von 2008 sollten die Branche auch 2009 noch über Wasser halten. Dann wird es allerdings schwierig.«  
Aktuell können die Hersteller noch auf eine ganze Palette von prestigeträchtigen Vorzeigeprojekten verweisen. Der heimische Marktführer Doka ist national unter anderem am Bau der Siemens-City in Wien Floridsdorf, dem Bürostandort Viertel Zwei in der Krieau und an mehreren Tunnelprojekten entlang der Unterinntalstrecke in Tirol beteiligt. International haben die Am­stettener kürzlich den Zuschlag für die Lieferung von Selbstkletterschalungen für den 126 Meter hohen Prime Tower in Zürich erhalten, das höchste Gebäude der Schweiz.
Peri ist beim Bau des 412 Meter hohen Al Hamra Towers in Kuwait City aktiv und hat sich in Kanada das mit einem Investitionsvolumen von 600 Millionen Euro größte PPP-Projekt des Landes geangelt, die Golden Ears Bridge in Vancouver.
Ringer baut in Rumänien und Bulgarien Büro- und Wohnkomplexe und in Qatar das größte Einkaufszentrum des Landes. Paschal-Produkte kommen in Nordafrika beim Bau von Krankenhäusern zum Einsatz und im deutschen Bürstadt beim Bau der modernsten Biogasanlage der Welt.

Bürogebäude Rund Vier: Die sichelförmigen Flachdecken werden mit einem hohen Anteil an Standard-Deckentischen von Doka geschalt.Ungewisse Zukunft
Große Hoffnungen setzen die Schalungshersteller in die Politik. Und bekommen dabei Rückendeckung von der gesamten Baubranche. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein neues Konjunkturpaket gefordert wird. So hat sich der frischgebackene Obmann des Fachverbands Steine-Keramik, Manfred Asamer, gleich einmal mit einem Forderungskatalog an die Regierung eingestellt. Konkret werden massive Investitionen in die Infrastruktur, der Neubau von 55.000 Wohneinheiten pro Jahr und mehr Geld für die thermische Sanierung gefordert. Doch bis diese Pakete tatsächlich als Hebel für die Wirtschaft greifen, wird es noch dauern. Trotzdem hofft Peri-Chef Mayerhofer, dass die Konjunkturprogramme in Verbindung mit den gesunkenen Rohstoff- und Energiepreisen die schlechten Rahmenbedingungen zumindest teilweise kompensieren können. Weitgehende Einigkeit herrscht darüber, dass man sich in Zukunft vermehrt ins Gehege kommen wird. »Der Wettbewerb wird sich deutlich verschärfen«, sagt Mayerhofer. Bei Ringer rechnet man in Zukunft mit einem harten Preiskampf. »Unter dem Druck des Überangebots werden auch die Spannen erheblich leiden«, sagt Strachwitz. Das freut zumindest die Kunden, die dadurch hohe Preisvorteile lukrieren können.
Für die Hersteller sind die Aussichten düster. Eine gewisse Hilf- und Ratlosigkeit ist nicht zu leugnen. Vereinzelt gibt es Ansätze, der Krise aktiv entgegenzutreten. Doka startet eine Vertriebsoffensive, Peri setzt auf ein umfassendes Dienstleistungsspektrum mit – in der Krise besonders gefragten – Finanzierungsmodellen, Einweisungen auf der Baustelle sowie Kundenseminaren. Und Paschal setzt auf den Hoffnungsmarkt Indien. Auf dem Subkontinent liegt infrastrukturell noch einiges im Argen. »Da gibt es enormen Aufholbedarf«, ist Gerigk überzeugt. Die Größe des Landes sollte zudem dafür sorgen, dass man dem Mitbewerb nicht ständig über den Weg läuft. »Jeder wird einen Teil des Kuchens abbekommen.«

Gedämpfte Freude
Die anhaltende Krisenstimmung schlägt sich auch auf die Innovationsfreude der Unternehmen. Mit aufsehenerregenden Lösungen und Produkten ist in nächster Zeit nicht zu rechnen. Die Unternehmen konzentrieren sich lieber auf die sukzessive Verbesserung von Die modernste Biogasanlage der Welt wird mithilfe von Paschal-Rund- und Wandschalungen errichtet.Altbewährtem und kleineren Produktneuheiten. Bei Ringer gibt’s für die Master Alu Schalung ein neues Gusseck mit einer Sicke, an dem zum Ausschalen ein Hebel angesetzt werden kann. Die Doka wurde im November mit dem niederösterreichischen Innovationspreis für den Freivorbauwagen ausgezeichnet (siehe Kasten). Jetzt will man auch mit der Deckenstütze EurexTop neue Standards hinsichtlich Langlebigkeit und Wirtschaftlichkeit setzen. »Diese Deckenstütze ist mit einem robusten Schlagprotektor ausgestattet, der Beschädigungen des Ständerohrs beim Einrichten der Stütze mit dem Hammer verhindert. Damit gehören klemmende Deckenstützen der Vergangenheit an«, erklärt Hochholzer.
Paschal sucht sein Heil vor allem in Nischen, »speziell im Doka-Land Österreich«, wie Gerigk ausführt. Mit der stufenlos verstellbaren Multiklammer für die Wandschalung Logo3 hoffen die Schwarzwälder, ihre laut eigenen Angaben »bescheidenen Marktanteile in Österreich weiter auszubauen«. Diese Klammer ist zwar in der Anschaffung teurer, spart aber Zeit und ist durch den Verzicht auf Zwischenelemente deutlich praktischer.
Peri präsentiert mit dem Variokit Ingenieur-Baukasten ein Hilfsmittel zur Realisierung von Verkehrswegebauten. Dabei sollen standardisierte und mietbare Einzelkomponenten die Wirtschaftlichkeit erhöhen, den Planungsaufwand reduzieren und eine baustellengerechte Anwendung ermöglichen. 

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