11 Mythen über die Zukunft der Arbeit (Teil 4)

11 Mythen über die Zukunft der Arbeit (Teil 4) Bild: Report/iStock

Die Serie im Report: Wir räumen mit den ­gängigsten Mythen im Kontext des Arbeitsplatzes der Zukunft auf und geben Empfehlungen für die Umsetzung in Organisationen. Von Daniel Holzinger

In der vergangenen Ausgabe (Telekom & IT Report, 2/2019) haben wir die Mythen »Der eigene Büroarbeitsplatz verliert an Bedeutung«, »Gute IT-Lösungen brauchen viele Funktionen« und »Vertrauen entsteht von alleine« diskutiert (Link).

Mythos 9: Mein Passwort ist sicher

Das dynamische Geschäftsleben erfordert den Umfang mit einer stetig steigenden Anzahl von Apps und Cloud-Anwendungen, um die tagtäglichen Aufgaben effektiv und effizient zu erledigen. Werden auch noch private Services hinzugezählt, verwenden bereits viele Menschen laufend mehr als 100 Apps und Cloud-Anwendungen. Obwohl uns diese Services im Geschäftsleben unterstützen, erhöhen sie gleichzeitig die Komplexität. Denn, um diese Services abzusichern, sind Passwörter nach wie vor die gebräuchlichste Methode der Benutzerauthentifizierung.
Obwohl fast alle IT-AnwenderInnen wissen, wie ein sicheres Passwort aussieht, dieses regelmäßig geändert werden sollte und jeder Service mit einem eigenen Passwort versehen sein müsste, sieht die Praxis leider oft anders aus. Bereits vor vielen Jahren kam eine Untersuchung des Sicherheitsspezialisten McAfee zu dem Ergebnis, dass fast ein Viertel der AnwenderInnen ein einheitliches Passwort für den Zugriff auf alle Online-Accounts nutzt und, dass fast die Hälfte dieses nie ändert. Leider haben sich diese Zahlen in den letzten Jahren wenig verändert, obwohl es seit vielen Jahren Empfehlungen zum sicheren Umgang mit Passwörtern gibt. Bedenkt man, dass 81 % der auf Hacking zurückzuführenden Sicherheitsverletzungen auf gestohlene und/oder unsichere Passwörter zurückzuführen sind, wird die Notwendigkeit belastbarer Lösungen noch deutlicher. Durch einen falschen Umgang mit Passwörtern steigt die Gefahr einer Datenschutzverletzung. Darüber hinaus sagen aktuell 78 % der IT-Führungskräfte, dass sie keine komplette Kontrolle über Cloud-Anwendungen der MitarbeiterInnen haben und dass der Mangel an Kontrolle zu signifikanten Risiken führt. Oder anders ausgedrückt: IT-Führungskräfte sind de facto im Blindflug unterwegs. Hier divergieren die Bedürfnisse der IT-Abteilung und der AnwenderInnen. Die Herausforderung liegt darin, die Bedürfnisse der verantwortlichen IT-Abteilung und der MitarbeiterInnen zusammenzuführen. Auf der einen Seite stehen Sicherheit, Kontrolle und Einhaltung von Richtlinien, auf der anderen Seite die Erhöhung der Produktivität durch eine bequeme Lösung. Diese Herausforderungen lassen sich ohne eine zentrale Passwort-Management-Lösung nicht mehr lösen.

Mythos 10: Die Gesundheit der MitarbeiterInnen ist Privatangelegenheit

Sport ist gesund – das ist eigentlich keine Neuigkeit mehr. Der Mehrwert von täglicher Bewegung liegt auf der Hand: Verbesserung der muskulären und kardiovaskulären Fitness, Reduktion des Risikos für Bluthochdruck, koronare Herzerkrankungen, Schlaganfälle, Diabetes und verschiedene Krebserkrankungen. Die empfohlenen täglichen 10.000 Schritte beziehungsweise 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche klingen trotzdem oft unüberwindbar und das schlechte Gewissen, nach einem langen Arbeitstag vor dem PC oder in Besprechungen, ist groß. Gesundheitsvorsorge muss daher in den Arbeitsalltag integriert werden, da sie anders kaum zu bewältigen ist.

Unternehmen, die sich aktiv dieses Themas annehmen, profitieren von 12 % bis 36 % weniger Krankenständen, motivierteren und produktiveren MitarbeiterInnen sowie einem verbesserten Betriebsklima. Die Investition von Unternehmen in die Gesundheit ihrer MitarbeiterInnen rechnet sich am Ende des Tages auch finanziell. Laut dem European Networkplace Health Promotion bringt jeder investierte Dollar einen ROI von 2,5 bis 4,8 Dollar. Bevor Sie nun aber ein Gesundheitsprojekt in Ihrem Unternehmen starten, ist es ratsam, die Bedürfnisse der MitarbeiterInnen strukturiert zu erfassen. Sind es neben körperlichen auch psychische Belastungen, die vermehrt beachtet gehören? Auf welche Faktoren sind diese zurückzuführen? Sind es möglicherweise Schwächen in der Führung, überzogene Erwartungshaltungen oder eine unzureichende Kommunikationsinfrastruktur? Systematische MitarbeiterInnen-Befragungen zeigen Zusammenhänge auf, sodass Sie für Ihr Unternehmen ein optimales Gesundheitsprojekt starten können.

Mythos 11: Künstliche Intelligenz macht uns arbeitslos

Die Medien überschlagen sich mit Aussagen, dass durch die Digitalisierung und Automatisierung in den kommenden Jahren Millionen Jobs verloren gehen können. Ungeachtet der damit verbundenen gesellschaftlichen Auswirkungen gilt es, das Potenzial neuer Technologien möglichst frühzeitig zu erkennen, zu bewerten und für das eigene Unternehmen zu adaptieren. Fakt ist, dass wir in den Bereichen Biotechnologie, Nanotechnologie, Robotik und künstliche Intelligenz vor großen Veränderungen stehen. Für die meisten Unternehmen gilt es, gerade den Bereich der künstlichen Intelligenz im Auge zu behalten. So ermöglicht künstliche Intelligenz beispielsweise im Bereich Kundenservice eine Integration aller Interaktionskanäle und liefert dabei noch schneller Einblicke in das Verhalten der Kundinnen und Kunden. Dynamische FAQs und Kontaktformulare ermöglichen KundInnen im natürlichen Sprachgebrauch, ohne Zeitverzögerung, Antworten zu erhalten beziehungsweise unterstützen bei der richtigen Zuordnung der Anfragen. Chatbots beantworten automatisch die Fragen der Kunden und geben im Bedarfsfall oder auf Wunsch das Gespräch zu einem Mitarbeiter oder Mitarbeiterin weiter. Dies geschieht dabei völlig nahtlos und ohne negative Begleiterscheinungen für die Kundschaft. Aber auch BeraterInnen im Kundenservice profitieren von Chatbots, indem zur Unterstützung Antwortmöglichkeiten in Echtzeit vorgeschlagen werden. Ferner können Taskbots sich wiederholende, einfachere Anfragen und Aktionen direkt ausführen, damit sich die MitarbeiterInnen den wichtigen und wertschöpfenden Vorgängen widmen können.

Das Beispiel zeigt sehr schön, dass es in vielen Fällen nicht um ein Entweder-oder geht. Sondern darum, Menschen und künstliche Intelligenz so zusammenzuführen, dass daraus neue, innovative Möglichkeiten entstehen.

Fortsetzung folgt: Im nächsten »Telekom & IT Report« finden Sie im letzten Teil der Serie Empfehlungen zum Arbeitsplatz der Zukunft – oder: »Wie isst man einen Elefanten?«

Last modified onFreitag, 12 Juli 2019 15:51
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