»Personalisiertes Marketing ist die Zukunft – und für alle effizienter«

Philipp Johannesson ist seit zehn Jahren im Unternehmen, damals noch bei Symbol Technologies, das 2007 von Motorola gekauft wurde. Zebra bietet im neuen Geschäftsfeld »Enterprise Asset Intelligence« Lösungen zur Erfassung und Auswertung von Daten zu geschäftsrelevanten Assets in Echtzeit. Philipp Johannesson ist seit zehn Jahren im Unternehmen, damals noch bei Symbol Technologies, das 2007 von Motorola gekauft wurde. Zebra bietet im neuen Geschäftsfeld »Enterprise Asset Intelligence« Lösungen zur Erfassung und Auswertung von Daten zu geschäftsrelevanten Assets in Echtzeit. Foto: Zebra

Philipp Johannesson ist Managing Director bei Zebra Technologies in ­Österreich. Er spricht über den Marktauftritt des IT-Dienstleisters, was von ­Motorola Solutions Enterprise Business übrig ist und welche Technologietrends den Handel prägen.

Report: Motorola Solutions Enterprise Business wurde im Vorjahr von Zebra Technologies übernommen. Wie ist das Unternehmen heute positioniert?

Philipp Johannesson: Vom Umsatz her betrachtet hatte Zebra eine wesentlich größere Firma gekauft, und es ist ein Unternehmen entstanden, das heute knapp 7.000 Mitarbeiter hat und einen Umsatz von 3,5 Milliarden Dollar schreibt. Wir sind Marktführer in all den Bereichen, die wir bedienen. Wir beschäftigen uns heute hauptsächlich mit jenen Themen, die bereits vor zehn Jahren Symbol Technologies – die später von Motorola gekauft wurden – erfolgreich besetzt hatte: Barcode-Scanner, mobile Computer, WLAN- und RFID-Lösungen. Zebra wiederum ist mit der Herstellung von Barcode-Druckern groß geworden. Die Barcode-Etiketten finden Sie auf Paletten, Paketen und auch in Handys. Zebra ist ein Unternehmen, das sich seit Jahren mit Locationing und Technologien rund um Internet-of-Things beschäftigt – insofern passte dies alles gut zusammen.


Report: Wie sieht Ihr Geschäft in Österreich aus?


Johannesson: Wir sind derzeit zwölf Mitarbeiter, die teilweise auch internationale Funktionen übernehmen. Die Landesstrukturen in unserer Region sind über die Jahre und unter unterschiedlichem Namen historisch gewachsen, so verantworte ich neben dem Österreichgeschäft seit gut drei Jahren auch Sparten in DACH, darunter seit Anfang 2016 den gesamten Vertrieb im Retailbereich. Wir haben zwei Techniker, die rein Kunden aus Österreich betreuen. Vieles können wir vor Ort machen und die meisten unserer Mitarbeiter im Wiener Büro sind seit gut 20 Jahren dabei – wir haben damit sehr gute Teams, die sich ergänzen. Sie haben spezielles Wissen über die Prozesse bei unseren Kunden und in der Industrie und können dies mit unseren Produkten und neuen Themen verbinden.


Report: Welches sind die größten Geschäftszweige, die Sie hier bedienen?


Johannesson: Zebra ist in Öster­reich hauptsächlich in der vertikalen Branche Retail vom Fashion-Onlinehändler bis zum Lebensmittelhandel wie eine Rewe tätig – jegliche Formen des Einzelhandels. Unser größter Umsatz findet mit stoßfesten Windows- oder Android-basierten mobilen Geräten statt. Sie haben WLAN-Anbindung, eingebaute Scanner und bieten Business-Features wie Serviceverträge, garantierte Laufzeiten und Ausfallssicherheit. Die mobilen Computer werden in den klassischen Geschäftsprozessen Warenannahme, Lagerhaltung und Regalbetreuung verwendet, um Waren zu buchen und zu verwalten – etwa in der Inventur oder bei der Nachbestellung. Transport und Logistik ist ein weiterer großer Bereich, ebenso Manufacturing und Healthcare.


Report: Welche Trends machen Sie bei Retail aus? Was brauchen die Einzelhändler?


Johannesson: Heutzutage wollen viele Unternehmen, dass alle ihre Shopmitarbeiter mit mobilen Geräten ausgestattet sind. Bei größeren Geräten – etwa einem Tablet – werden Planogramme zu den gewünschten Platzierungen der Produkte im Regal angezeigt. Eine andere Anwendungsmöglichkeit ist Assisted Shopping, bei dem Mitarbeiter den Konsumenten Auskunft über vorhandene Kleidungsgrößen in der Filiale geben können. Einer unserer Kunden, einer der größten Modehändler Deutschlands, bietet das bereits an. Die Mitarbeiter scannen mit ihrem Tablet den Barcode des T-Shirts und sehen sofort, welche Stückzahlen und Größen im Lager oder auf der Einkaufsfläche vorhanden sind. Falls das gesuchte Stück nicht vor Ort verfügbar ist, kann es mit der Verschmelzung der Prozesse online und offline vielleicht auch nach Hause geliefert werden. Prinzipiell steckt in jedem Kleidungsstück ein Chip. Das erhöht massiv die Genauigkeit des Filial- und Lagerbestands. So genügt es nun, mit unseren Geräten durch die Reihen zu gehen, um automatisch den Bestand zu erfassen. Mit einem Omnichannel-Konzept wird dann auch eine Darstellung des genauen Filialbestands auf der Website möglich.


Report: Was bedeutet der Begriff ­»Internet of Things« für den Handel?


Johannesson: Objekte können auf verschiedenste Arten Informationen bereitstellen, die gespeichert und wiederverwendet werden. Das Auslesen von RFID-Daten geschieht mit mobilen Lesegeräten oder fix installierten Tunnels etwa an einem Lagertor. Werden Paletten aus dem LKW geladen und durchgeschoben, weiß ich sofort: Ich habe 1.000 weiße Hemden vor Ort, die automatisch durchgebucht werden. Ein nächster Schritt wird sicherlich das Verbauen von RFID-Lesegeräten auch in den Decken der Filialen und Lager sein. Damit wird man jede einzelne Hose auf zumindest ein paar Meter genau lokalisieren können.

Wenn dann ein Barcode mit dem ERP-System im Unternehmen verknüpft ist oder spezielle RFID-Chips auch Herstellungsdaten gespeichert haben, Informationen zu Transportwegen, Produktions- und Transportbedingungen – Erschütterung, Luftfeuchte, Temperatur –, dann sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Es ist alles möglich und nur eine Frage der Technologie. Wir haben mit Zatar dazu  eine IoT-Plattform, auf der jede Art von Gerät in Form eines Avatars eingebunden und sichtbar gemacht wird. Das kann ein mobiles Device sein, ein Temperatursensor in einem Raum oder auch ein Schranken oder eine Tür.

Oft geht es bei Projekten aber um auf dem ersten Blick banale Dinge. Warum funktionieren bestimmte Geräte nicht? Wo kommen Mitarbeiter mit einem Gerät nicht zurecht? Informationen über die Benutzung und den Ladestatus kann man über unsere Analytics-Plattform ebenfalls gut herausfiltern. Das kann sich ein Unternehmen schon einmal einen Gerätetausch ersparen, wenn man nur die Ladezyklen optimiert und die Mitarbeiter vielleicht wiederholt dazu schult.


Report: Welche weiteren Trends im Handel sehen Sie?


Johannesson:
Für den Betreiber einer Geschäftsstelle ist interessant, wo sich die Kunden auf der Geschäftsfläche aufhalten und welche Wege sie nehmen. Unsere Lösung »Mpact« ermöglicht Indoor-Locationing, indem das Smartphone des Kunden – der seine Zustimmung dazu gibt, indem er die App des Retailers nutzt – über WLAN-Triangulation oder in den Regalen verbauten Bluetooth-Chips geortet wird. Erkennt man nun, dass jemand regelmäßig eine halbe Stunde in der Weinabteilung ist, aber nur wenig kauft, kann dieser Zielperson vielleicht eine bessere Auswahl online geboten werden. Oder es wird automatisch Fachpersonal zur Beratung geholt. Personalisiertes Marketing ist die Zukunft und für alle effizienter – Kunden und Retailer.

Macy’s in New York trackt auf diese Weise die Kunden in seinem Kaufhaus – mit unserer Technologie. Da gehört schon viel Intelligenz im Hintergrund dazu. Nur Daten zu sammeln, ist zu ­wenig.

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