Nachwuchs auf allen Ebenen benötigt

Nachwuchs auf allen Ebenen benötigt Foto: Thinkstock

Die Informationstechnologie durchdringt immer mehr Lebensbereiche und bildet damit auch die Speerspitze der fortschreitenden Digitalisierung. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die IT zu einem unverzichtbaren Motor der heimischen Wirtschaft entwickelt. Gerne wäre die Branche auch ein Jobmotor, doch stattdessen herrscht trotz allgemein hoher Arbeitslosigkeit ein eklatanter Mangel an qualifizierten IT-Fachkräften. Denn obwohl die Branche attraktive Jobs für Lehrlinge, Maturanten und Akademiker bietet, fehlen österreichweit rund 3.000 Fachkräfte auf allen Ebenen.

Laut EU-Kommission ist bis 2020 europaweit sogar mit einer Lücke von rund einer Million Arbeitskräften in der IT-Branche zu rechnen. Denn auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten werden IT-Fachkräfte gebraucht. Österreich bildet hier keine Ausnahme. Im Gegensatz zu vielen anderen Berufsgruppen planen die heimischen IT-Dienstleister ihren Personalstand weiter zu erhöhen. Aber während auf der einen Seite 3.000 Fachkräfte in der IT fehlen, werden andererseits Kürzungen bei den Informatik-Studienplätze vorgenommen. Dass 95 % der Absolventen nach dem Studienabschluss sofort einen Job haben, beweist, dass IT-Absolventen gebraucht werden.

IT: auf der Uni ausgehungert und in der Schule ignoriert

„Ein Schildbürgerstreich“, ärgert sich Martin Puaschitz, Obmann der Fachgruppe UBIT Wien. „Dem Fachkräftemangel in der IT-Branche muss rasch und konsequent entgegengewirkt werden. Daher fordern wir statt einer Kürzung vielmehr eine Erhöhung der Studienplätze im Bereich Informatik. Denn ein Job in der Software- und IT-Branche bringt gesamtwirtschaftlich drei Vollzeitarbeitsplätze“, erklärt Puaschitz

Doch nicht nur auf Universitätsniveau gibt es Probleme. Laut einer Studie der Internetoffensive Österreich ist das gesamte heimische Bildungssystem nicht ausreichend auf die Digitalisierung vorbereitet. „Die IT wird in den kommenden Jahrzehnten ihren Stellenwert nicht verlieren. Im Gegenteil: sie wird an Wichtigkeit gewinnen. Daher ist ein dringender Reformbedarf unseres Bildungssystems hin zu mehr IT-Affinität dringend notwendig. Bei uns werden die Jobs der Zukunft geschaffen“, so Berufsgruppensprecher IT Michael Schober.

Einen weiteren Kritikpunkt stellt die oft beobachtete mangelnde IT-Affinität des Lehrkörpers im Allgemeinen dar. „Man darf nicht glauben, dass die Herausforderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen, mit der Anschaffung von Tablets und Laptops gelöst werden können. Viel wichtiger wäre ein konsequenter Fokus auf die sogenannten MINT-Fächer: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Anzudenken wäre, dass nach dem Vorbild der HTLs, bewusst Experten aus der Wirtschaft eingeladen werden, entsprechende Lehraufträge an Schulen wahrzunehmen, um ein zeitgemäßes Niveau bei der Vermittlung von Lehrinhalten sicherzustellen. Für die nötigen gesetzlichen Rahmenbedingungen bedarf es hier allerdings der Politik“, sagt Puaschitz.

IT-Lehre bietet ausgezeichnete Aufstiegschancen

Die IT-Branche ist äußerst vielfältig und bietet daher Chancen für Menschen mit unterschiedlichen Ausbildungsniveaus. Nicht nur Akademiker sind gefragt, sondern auch Lehrlinge und Maturanten. „Gerade für all jene mit einer gewissen Hands on-Mentalität, die auch schon früh auf eigenen Beinen stehen wollen, bietet die IT-Lehre gute Verdienstmöglichkeiten und flache Hierarchien. Entscheidend sind aber auch hier Interesse und Lernbereitschaft. Sind diese gegeben, bietet die Branche ausgezeichnete Aufstiegschancen“, weiß Puaschitz aus seinem eigenen Unternehmen zu berichten.

IT als Lebensader der österreichischen Volkswirtschaft

Eine im September 2016 von Gottfried Haber im Auftrag der Fachgruppe UBIT Wien und dem Verband der Österreichischen Softwareindustrie verfasste Studie macht die Wichtigkeit der heimischen IT-Branche deutlich. Wiener IT-Dienstleister sind bereits für 15 Prozent der Wiener Wirtschaftsleistung verantwortlich. So ist der Jahresumsatz der Wiener IT Branche um das Dreifache höher als der des Wiener Tourismus. In Wien schafft der Software- und IT-Bereich direkt insgesamt gut 2,4 Mrd. Euro Wertschöpfung, österreichweit mehr als 6,8 Mrd. Euro. IT-Dienstleister stellen somit eine wichtige Lebensader der österreichischen Volkswirtschaft dar – Tendenz klar steigend.

 

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